Mit 12 Jahren hatte Luca Müller beim FC Luzern Fuss gefasst. Das Talent des Neuenkirchers war unbestritten da, sein Wille und die Einsatzbereitschaft gross. «Man wächst auch in ein Konkurrenzdenken hinein, obwohl es bei uns nicht übermässig vermittelt wurde», sagt Luca Müller rückblickend. Schnell war klar: Der Fussballer konnte es noch weit bringen. Doch es sollte anders kommen. Als 14-Jähriger erlitt Luca Müller einen Kreuzbandriss am linken Knie. Er fiel über ein halbes Jahr aus, und das in einem Alter, in dem die Nachwuchsfussballer grosse Fortschritte machten. Kaum hatte er die Rehabilitation geschafft und sich wieder zurückgekämpft, riss das Kreuzband mit 16 Jahren ein zweites Mal. So blieb ihm schliesslich die Aufnahme ins U-18-Kader des FC Luzern verwehrt. «Sie sagten mir, es reiche nicht, ich könne noch eine Woche mittrainieren und dann sei Schluss.»
Rückschläge waren zu hart
Doch Luca Müller hegt keinen Groll. «Die Verletzungen haben mich rund zwei Jahre lang zurückgebunden. Andere waren in dieser Zeit weiter gekommen als ich.» Aufgefallen sei, dass immer etwa die gleichen Spieler an Verletzungen herumlaborierten. Eine Erklärung dafür habe er nicht. «Es gab einfach andere, die hatten nie etwas», konstatiert er. Er habe das Verdikt akzeptieren müssen, auch wenn es hart gewesen sei und er einige Zeit zum Verarbeiten gebraucht habe. Nach eineinhalb Jahren in der 3. Liga beim SC Kriens 2 und einer gleich langen Fussballpause kehrte er vor vier Jahren an die Spielstätte seiner Kindheit zurück: ins Seeland zum FC Sempach.
Das Vertrauen ist zurück
Hier hat er seine neue fussballerische Heimat gefunden. «Der Teamspirit ist toll. Und ich habe wieder vollstes Vertrauen ins Knie gefunden.» Heute trainiert er noch zweimal in der Woche, und das Gesellige hat ebenso Platz wie die sportlichen Ambitionen. Als ihm noch eine Spitzensportkarriere winkte, war dies anders. Sechs bis sieben Mal pro Woche lief er auf dem Rasen auf, der Fussball kam immer an erster Stelle, und in Sachen Kollegen und Ausgang war Verzicht angesagt.
Die Erfahrungen bleiben
Er, der seinen Fussballtraum eine Zeit lang auch hatte leben können, weil er an der Talent School der Frei’s Schulen das KV hatte machen können, steht heute im letzten Studienjahr zum Primarlehrer an der pädagogischen Hochschule Luzern. «Wenn ich heute einen Spitzenfussballmatch sehe, empfinde ich keine Wehmut», sagt Luca Müller nüchtern. «Ich bin froh, dass ich es versucht habe. Ich konnte Erfahrungen machen, die mir niemand mehr nehmen kann.»
Joel Lütolf in der Spur
«Rückschläge gibt es immer mal wieder», sagt der Sempacher Skirennfahrer Joel Lütolf. Nicht immer fallen die erhofften Resultate, mal zwickt der Rücken, mal löst sich ein Ski, während man ausgezeichnet im Rennen liegt. Abgesehen von einem Schienbeinbruch vor vielen Jahren blieb das 20-jährige Skitalent bisher von schwerwiegenderen Verletzungen verschont. Bereits kann er mehrere Junioren-Schweizermeister-Titel in seinem Palmarès ausweisen. Die Erfolge haben Joel Lütolf einen Platz im C-Kader von Swiss Ski beschert. In diesem Jahr wartet die erste Europacup-Saison, in der er nicht nur in seiner Paradedisziplin, dem Slalom, für Furore sorgen will. «In ein, zwei Jahren möchte ich im Weltcup mittun.»
In den letzten Jahren konnte sich der Sempacher kontinuierlich steigern. Dass es auch anders sein könnte, ist ihm jedoch bewusst. Ein guter Kollege verletzte sich einmal schwer am Kopf und brauchte ein Jahr für die Rückkehr in den Schnee. «Es wird einem in so einem Moment vor Augen geführt, wie schnell es gehen kann.» Umso mehr schätze man es, wenn man gesund und fit sei, betont Joel Lütolf.
Der Kopf ist entscheidend
Verletzungen sind das eine. Unvorhersehbare Ereignisse wie schlechtes Wetter am Rennen oder eine ruppige Piste das andere. «Man muss solches ausblenden, sich nicht durch negative Erinnerungen oder gar Angst aus dem Konzept bringen lassen», weiss Joel Lütolf. Vielmehr gelte es, positive Emotionen und eingespielte, im Training verinnerlichte Mechanismen abzurufen. Das Mentale könne für den entscheidenden Unterschied sorgen. «Auf den Punkt genau eine Topleistung abzurufen, ist nicht bloss hartem Training zuzuschreiben», macht Joel Lütolf deutlich.
Fahren am Limit
Im Sommer sind die Skifahrer beinahe täglich in zwei Einheiten am Trainieren, vor allem die Kraft, aber auch Ausdauer, Beweglichkeit und Stabilität. Im Winter reiht sich ein Schneetag an den nächsten. Joel Lütolf glaubt indes nicht, dass den jungen Athleten zu viel abverlangt wird. «Man muss den Körper ans Limit und auch mal darüber hinaus führen. Nur so lernt man ihn richtig kennen.»
Gebrochene Nasen, blaue Flecken
Schweren Verletzungen konnte Karateka Fabienne Kaufmann bisher entgehen. Abgesehen von kleineren Blessuren wie Nasenbluten, blauen Flecken und überdehnten Bändern sei sie bisher «glimpflich davongekommen». Bei Karatekas gängig seien Knie-, Hand- und Fingerverletzungen, da diese immerzu belastet würden, sowie gebrochene Nasen. «Wir schlagen immer fest zu, fängt es aber an zu bluten, war es zu fest. Dann gibt es eine Verwarnung. Wir können nicht voll durchziehen wie Boxer, unsere Schläge müssen immer kontrolliert sein», sagt die 23-Jährige. Angst davor, Schläge zu kassieren, hat sie nicht. «Wenn du fürchtest, getroffen zu werden, hast du bereits verloren. Du musst alles geben, was du hast. Wenn du halbherzig kämpfst, passieren Verletzungen.»
Punktekampf um Olympia
Kaufmann trainiert neun bis elf Mal pro Woche. Vier Mal Karate, vier Mal Fitness- und ein bis zwei Mal Ausdauer. Der Sonntag ist ihr Ruhetag, aber manchmal trainiert sie auch dann. Dazu kommen Dehnen, Massagen und Mentaltraining. Ihr Körper habe sich an das strenge Programm gewöhnt, sagt sie. «Muskelkater ist etwas Positives. Nur wenn ich meinen Körper fordern kann, komme ich weiter.» Als Strapaze würde sie es nicht bezeichnen, denn sie trainiere gerne und sei 90 Prozent der Zeit auch motiviert, an die Grenze zu gehen.
Ob sich die Hingabe im Hinblick auf Corona lohnt, bleibt abzuwarten. Bisher wurden sämtliche Turniere dieses Jahres abgesagt, den letzten Kampf bestritt Kaufmann im März. Ihr 40-Prozent-Pensum beim Luzerner Bauernverband hat sie aus diesem Grund um 20 Prozent aufgestockt. Die Hoffnung bleibt, dass die Schweizermeisterschaft in Sursee am 12./13. Dezember stattfinden kann. Das nächste Turnier fände im Februar in Portugal statt. Höchste Priorität hat für Kaufmann, Punkte für das Olympia-Ranking zu holen. Im Moment besetzt sie Platz 65.
Corona-Verschnaufpause
Seit sie fünf Jahre alt ist, trainiert Kaufmann Karate. Der Wandel vom Hobby zum Leistungssport war fliessend. «Der Weg ist nicht für alle», weiss sie. Leistungsdruck und Selbstzweifel seien Dauerbegleiter. Gerade am Anfang der Corona-Pandemie musste sich Kaufmann eine Pause gönnen. «Ich war im Übertraining. Meinem Körper wurde es zu viel», sagt sie. Die Turniere, die vielen Auslandreisen und zu kurze Verschnaufpausen zwischen den Kämpfen forderten ihren Tribut. «Das gesteht man sich nicht gerne ein. Manchmal bemerkt man es selber auch gar nicht», sagt sie. Die Balance zu finden, sei wichtig.
An ihrem Plan B, für die Zeit nach dem Spitzensport, arbeitet Kaufmann zurzeit. Sie macht eine Ausbildung zur Bewegungs- und Fitnessinstruktorin. Ihr Wunsch wäre es, zur Hälfte im Büro und zur Hälfte im Sportbereich arbeiten zu können.