Skip to main content Skip to page footer

Suchformular

Anmeldung wird geprüft

Sempach

«Alles ist ein Gemeinschaftsprojekt»

Ramon Wolf 21. Mai 2026

Als er vor fünf Jahren die Pfarreien Sempach und Eich als Pfarreileiter übernahm, stand Franz Zemp vor vielen Herausforderungen. In seiner Amtszeit konnte er bis heute schon einiges lernen, bewirken und weiterdenken.

Als er vor fünf Jahren die Pfarreien Sempach und Eich als Pfarreileiter übernahm, stand Franz Zemp vor vielen Herausforderungen. In seiner Amtszeit konnte er bis heute schon einiges lernen, bewirken und weiterdenken.

Keine Pfarrei ist wie die andere und jede bringt ihre eigenen Sonderheiten, Spezialitäten, Bräuche und Traditionen mit. Dadurch ist es in gewisser Weise immer ein Sprung ins kalte Wasser, wenn man als Pfarreileiter neu eine Gemeinde verantwortet. Besonders bei einer geschichtsträchtigen und traditionsreichen Pfarrei wie Sempach. So brachte der Theologe Franz Zemp bei seiner Einsetzung vor fünf Jahren, am Sonntag, 2. Mai 2021, einige Fragezeichen, aber auch verschiedene Ziele mit sich. Beispielsweise war ihm bei Amtsantritt ein grosses Anliegen, etwa die Verbindung zwischen den Pfarreien Eich und Sempach zu stärken. Und auch grundsätzlich habe er möglichst viele neue Leute kennenlernen wollen: «Man muss mit der Bevölkerung sprechen und das Vertrauen zu ihr aufbauen, um eine Pfarrei prägen zu können.» Rückblickend habe das gut funktioniert, meint Zemp. Heute spüre er grosses Wohlwollen, und Offenheit gegenüber seinen Ideen – auch wenn er die Sachen manchmal etwas anders als gewohnt angehe: «Ich bin definitiv angekommen.»

Auf Neues einstellen

«Als Sempacher Pfarreileiter ist es sicher von Vorteil, wenn man reiten kann», schmunzelt Franz Zemp wissend. Als er vor fünf Jahren zum ersten Mal am Sempacher Auffahrtsumritt mitwirkte, erlebte er dies gleich am eigenen Leibe. Solche Traditionen, wie eben der Umritt an Christi Himmelfahrt, die Prozession an Fronleichnam oder die grosse Predigt zur Schlacht-Gedenkfeier, seien keineswegs verstaubte Altlasten, sondern wertvolle Möglichkeiten, um dem Glauben in einer anders dargebotenen Form näherzukommen, unterstreicht Zemp. Und das sei auch genau die Aufgabe der Kirche: «Wir müssen den Leuten nicht sagen, was sie glauben müssen. Wir müssen Gefässe bieten, die Raum für eigene Glaubenserfahrungen und -gedanken schaffen. Solche Traditionen bieten das.»

Frischen Wind eingebracht

Franz Zemp kam in seinen fünf Jahren nicht nur dazu, selbst Neues zu lernen, sondern sich auch einzubringen und die Pfarrei aktiv mitzugestalten. Beispielsweise rief er die Plauderei im Pfarrhausgarten Eich ins Leben, die regelmässig Leute zum gemeinsamen Austausch zusammenbringt, und mit seinen Kollegen von urbi@orbi gestaltet er seit mehreren Jahren unterhaltsame Fasnachtsgottesdienste – «die am besten besuchten Gottesdienste im ganzen Jahr!» Auch beim grossen Kirchenumbau konnte er seine Erfahrung einbringen, und auch die «Biichthüslibar» vom Jodlerfest in Sempach sei «auf seinem Mist gewachsen»: «Darauf bin ich heute noch ein wenig stolz», erinnert sich der Pfarreileiter freudig zurück. «Aber schliesslich mache ich als Pfarreileiter all das – Kirche als Ganzes – nicht alleine, alles ist ein Gemeinschaftsprodukt», hebt er hervor.

Momente des Zweifelns

Obwohl Franz Zemp in all den Projekten viel Mut und Zukunftsorientierung sieht, gibt ihm letztere Zukunft doch auch zu denken. Man dürfe in der Pfarrei zwar auf ein sehr gutes Team und die Unterstützung vieler freiwillig Engagierter zählen, doch werde es nicht einfacher, das nötige Personal zu finden, weiss er. Auch die Frage nach dem Sinn und der Wirkung der eigenen Arbeit stelle sich manchmal: «Aktuell machen sich aufgrund der täglichen Geschehnisse viele Menschen Sorgen um die Entwicklung der Welt. In solchen Situationen können Gefässe wie die Kirche Raum für Schutz, Sicherheit und Geborgenheit bieten. Aber manchmal fragt man sich, ob diese Stimme überhaupt noch gehört wird.» In solchen Momenten spendet ihm die Natur, insbesondere der Eicher Pfarrhausgarten, Ruhe, Kraft und Zeit, um nachzudenken. Solche Zweifel würden aber jeweils mit jeder positiven Rückmeldung nach Gottesdiensten oder persönlichen Gesprächen wieder aus dem Weg geräumt, so Zemp.

Immer am Ball bleiben

Besonders unter solchen Umständen muss die Kirche im Wandel bleiben, sich flexibler gestalten und kreative Ideen umsetzen, um stets aktuell zu sein. So beispielsweise mit einer organisatorischen Neuausrichtung des Pastoralraums, die eine Arbeitsgruppe demnächst angehen muss: «Im Pastoralraum sind wir im herausfordernden Spagat zwischen grossflächiger Organisation, um möglichst effizient zu arbeiten, und kleinräumiger Präsenz, um trotzdem überall zugegen zu sein.» Auch der Religionsunterricht und dessen Einbindung in den Schulalltag werde wohl künftig überdacht werden müssen, meint Zemp.

Schon gelesen ?