Der Wegzug der geflüchteten Personen aus der temporären Kollektivunterkunft in der Sempacher Allmend, die aufgrund der Umnutzung der Räumlichkeiten geschlossen wurde, bedeutet nun für die Aktionsgruppe Asyl Sempach (Agas) ein grosses Abschiednehmen. Denn mit vielen der dort untergebrachten Personen entstand in den vergangenen Wochen und Monaten ein partnerschaftliches Wirken. Und nicht nur persönliche Verbindungen sind in dieser Zeit entstanden – auch ganz praktisch haben die geflüchteten Menschen ihre Spuren hinterlassen. So halfen etwa ukrainische Bewohnerinnen der Unterkunft bei einem Projekt der Schule Sempach mit, indem sie rund 500 Fahnen zusammennähten, die von den Schülerinnen und Schülern gebastelt worden waren. Dieses farbenfrohe Gemeinschaftswerk ziert heute das Schulhausareal.
Vielseitige Arbeit
Seit nun mehr als zehn Jahren arbeitet die Agas, seinerzeit initiiert durch die Pfarrei St. Stefan, eng mit Geflüchteten zusammen und betreut sie auf ihrem Weg, sich in der Schweizer Gesellschaft zurechtzufinden. Von der Hilfe bei der Wohnungssuche über die Vermittlung von Kontakten bis zur Unterstützung beim Suchen einer Stelle – die begleitende Arbeit der Agas ist vielfältig: «So individuell wie die Menschen sind, so verschieden ist auch unsere Arbeit mit ihnen», erzählt Andrea Koster Stadler, Koordinatorin der Agas. Dabei habe man in all den Jahren auf unglaublich viel Dankbarkeit stossen dürfen, berichtet Koster Stadler. So spüre man förmlich, wie Freiwilligenarbeit sinnstiftend wirken könne: «Es ist sehr schön, so direkt mitzuerleben, wie aus Fremden Vertraute werden!» Mit der Schliessung der Gemeinschaftsunterkunft endet zwar das Kapitel in der Allmend im Wirken der Agas, ihre Arbeit mit den Geflüchteten wird jedoch wichtig und tragend bleiben. «Auch jetzt sind wir immer noch mit den Personen in Kontakt, unterstützen so gut wir können und haben auch künftig immer ein offenes Ohr für Menschen mit Migrationshintergrund, die unsere Hilfe brauchen können», hebt Andrea Koster Stadler hervor.
Menschlichkeit, Respekt und Geduld

Zuerst möchte ich der Schweiz und den Menschen, die hier leben, von Herzen für die vielen Möglichkeiten und die Unterstützung danken, die meine Familie und ich hier bekommen haben. Wir sind sehr dankbar, dass wir die Chance bekommen haben, in Sicherheit zu leben und uns ein neues Leben aufzubauen. Besonders in Erinnerung bleiben mir die vielen Menschen, die uns geholfen haben, vor allem die Unterstützung durch die Organisation Agas. Obwohl wir uns vorher nicht kannten, haben sie uns mit viel Menschlichkeit, Respekt und Geduld unterstützt. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass man auch in einer schwierigen Situation nicht alleine ist und dass Hilfe und Menschlichkeit sehr viel verändern können. Für mein Leben habe ich gelernt, dass es nie zu spät ist, etwas Neues zu beginnen. Auch wenn man vor grossen Herausforderungen steht, kann man mit Mut, Geduld und der Unterstützung anderer Schritt für Schritt wieder nach vorne gehen. Jetzt möchte ich meine Deutschkenntnisse weiter verbessern, eine passende Arbeit finden und der Gesellschaft etwas zurückgeben.
Erinnerungen, die bleiben

In meiner Tätigkeit mit Geflüchteten lernte ich viele Menschen kennen, mit denen ich sonst niemals in Kontakt gekommen wäre. Nebst irakischen, tibetischen, afghanischen und afrikanischen Geflüchteten suchten nun ukrainische Menschen Sicherheit in unserem Land. Trotz schmerzender Schicksale erlebte ich sie als herzlich, sehr dankbar und – ja, humorvoll. Unvergessliche Erinnerungen waren dabei: – Ein Schüler meinte in der Allmend: «Jetzt habe ich zum ersten Mal einem schwarzen Mann die Hand gegeben!» – Eine Lehrerin schenkte dem Kabuler Hochschullehrer alte Mathebücher – Die 6. Klasse spielte mit den Geflüchteten Fussball – Die grenzenlose Freude bei der «Modeshow» der Ukrainerinnen, als gebrauchte Kleider geliefert wurden Abgesehen davon, dass die Menschen unterstützt wurden im Lernen der deutschen Sprache, mit Materialien und bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, war ein offenes Ohr nötig für die Bewältigung des Alltags. Es bestätigt mich immer wieder, wie viele herzensgute Menschen es auf der Welt gibt, welche nichts anderes wollen, als ein sicheres Leben für ihre Kinder. Offen und bereit zu sein für andere Kulturen ermöglicht Kontakte, manchmal fürs Leben. Meine eigene Dankbarkeit ist gross, in so einem wunderschönen und vor allem sicheren Land leben zu dürfen.
