Marcel Gabriel, Sie sind als Marktkommissionspräsident hier – aber nicht allein. Wie kommt es?
Marcel Gabriel (MG): Genau. Leider ist es mein letzter Märt als Präsident der Marktkommission. Da ich ja am 1. September das Amt des Stadtpräsidenten antreten darf, gäbe es unglückliche Überschneidungen innerhalb der Stadtrat-Ressorts. Deshalb haben wir uns auf die Suche nach einer passenden Nachfolge gemacht und wurden innerhalb der Kommission fündig: Silvia Fleischlin wird das Präsidium von mir übernehmen, was mich mega freut.
Silvia Fleischlin, als bisheriges Kommissionsmitglied wissen Sie schon bestens, was mit dem neuen Amt auf Sie zukommt?
Silvia Fleischlin (SF): Ja, ich organisiere seit ein paar Jahren vor allem die Märt-Attraktionen – das Märtschiessen, das Ponyreiten, das Karussell etc. – und kenne mich deshalb schon mit der Märtorganisation aus. In der Kommission sind wir ein eingespieltes Team, die Zusammenarbeit macht sehr Spass, und ich finde den Märt allgemein eine super Sache. Deshalb habe ich mich auch entschieden, das Amt als Kommissionspräsidentin weiterzuführen.
Für ihre eigene Nachfolge in der Kommission haben Sie ebenfalls schon eine Lösung?
SF: Nein, diese ist aktuell noch offen und wir sind auf der Suche nach motivierten Leuten, die bei der Organisation mitwirken würden. Der Fokus liegt dann bei dieser Aufgabe vor allem auf der Werbung, die Marcel bisher übernommen hat.
Marcel Gabriel, wie fühlt es sich für Sie nun an, nach 14 Jahren Marktkommission, Ihr Amt weiterzugeben?
MG: Ich freue mich sehr auf mein neues Amt als Stadtpräsident – dass ich dafür den Marktkommissions-Posten weitergebe, versteht sich von selbst. Die Arbeit selbst hätte ich allerdings gerne noch länger gemacht, am liebsten bis zur Amtszeitbeschränkung von 16 Jahren (lacht). Der Städtlimärt liegt mir einfach sehr am Herzen. Er ist eine wichtige Sache für Sempach und gehört einfach zum Städtli dazu.
«Die Vielfalt ist wahrscheinlich auch das, was den Reiz eines Markts zu heutigen Zeiten von Online-Shopping und Grosshandel ausmacht.»
Wie hat sich der Markt in den letzten Jahren verändert?
MG: Mir war immer wichtig, dass der Städtlimärt wirklich ein Markt bleibt. Wir wollten nie durch zusätzliche Infrastruktur oder ein Programm ein anderes Fest im Städtli konkurrenzieren. Das war nie das Ziel, und ich hoffe, es bleibt auch unter der neuen Präsidentin so.
SF: Wir bemerken auch, dass es zunehmend weniger klassische Marktfahrer mit den herkömmlichen Ständen gibt. Dafür haben wir neben den Detaillisten und Vereinen vermehrt Kleinstaussteller, die selbstgemachte Sachen anbieten – Konfitüre, Schmuck, Genähtes, Bier etc. Unsere Marktchefin Barbara Friedli Künzli achtet auf ein ausgewogenes Angebot. Ich glaube, genau das zieht auch das Publikum an. Diese Vielfalt ist wahrscheinlich auch das, was den Reiz eines Markts zu heutigen Zeiten von Online-Shopping und Grosshandel ausmacht.
Haben Sie persönliche Lieblingsstände?
MG: Für mich gehört klar das Magenbrot zum Städtlimärt. Das braucht es einfach, besonders wenn es frisch und noch warm ist.
SF: Da schliesse ich mich an. Auch Bäckerei-Stände mit Schänkeli oder Berlinern gehören für mich zur Kindheitserinnerung dazu. Etwas Feines, direkt zum Geniessen. Aber auch der Gewürzstand, bei dem ich nicht unbedingt etwas kaufe, das ich jede Woche brauche, aber ich mag den klassischen Charakter.
«Für mich gehört das Magenbrot zum Städtlimärt.»
Welche spezielle Anekdote verbinden Sie mit dem heurigen Jubiläum?
MG: Der Markt wurde vor 40 Jahren nicht zufällig gleichzeitig mit der Proklamation des Sempacher Stadtrechts ins Leben gerufen. Geschichtlich bedingt brauchte eine historische Stadt neben Stadtmauer und eigener Gerichtsbarkeit unter anderem auch ein Marktrecht. Das war im Mittelalter ein konstitutiver Bestandteil einer Stadt. So könnte man überspitzt und mit einem grossen Augenzwinkern sagen «Ohne Markt keine Stadt» oder noch besser «Eine richtige Stadt braucht einen richtigen Markt». Deshalb war es 1986 nur folgerichtig, dass mit dem wiedererlangten Stadtrecht auch wieder ein Stadtmarkt einherging.
Was ist am diesjährigen Jubiläumsmärt speziell geplant?
SF: Wir haben uns bewusst gegen viel Zusatzprogramm entschieden. Der Markt soll Markt bleiben. Trotzdem gibt es ein paar Jubiläumshighlights: einen grösseren Kinderparcours mit Preisen, besondere musikalische Unterhaltung sowie eine historische Schifflischaukel. Ansonsten feiern wir das Jubiläum, indem wir an Bewährtem festhalten.
Ist das auch der Plan für die künftigen Ausgaben des Städtlimärts?
SF: Absolut. Es gibt so viele treue Märtbesucherinnen und -besucher, die sich jedes Jahr aufs Neue auf einen bestimmten Stand oder eine bestimmte Attraktion freuen. Da wäre es schade, alles komplett auf den Kopf zu stellen.
Was wünschen Sie sich fürs Jubiläum?
SF: Vor allem trockenes Wetter. Das ist der Punkt, den man bei der ganzen Planung nicht in der Hand hat – aber genau davon hängt vieles ab, gerade für die Aussteller mit ihren selbstgemachten Sachen.
MG: Genau, es gibt zwar schon einige «eingefleischte» Marktgänger, die jedes Jahr, auch bei strömendem Regen, durch den Markt schlendern. Aber mit dem richtigen Wetter haben alle etwas davon.
