Das Projekt «Seeufer der Stadt Sempach» ist einen Schritt weiter. Vergangene Woche fand am Mittwochabend, 11. März, der zweite öffentliche Workshop zur Mitwirkung der Bevölkerung statt. Rund 100 Interessierte diskutierten gemeinsam über die vorgestellten Lösungsansätze. «Der Stadtrat setzt sich schon länger mit dem Seeufer auseinander. Jetzt haben wir die einmalige Chance, das Seeufer vom Seeclub Sempach bis zum Seewasserpumpwerk neu zu gestalten», sagte Marcel Hurschler, Stadtrat Sempach, einleitend. Es gilt, verschiedene Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. So soll etwa das Gebäude des Seeclubs Sempach künftig erweitert werden können, aber auch die Thematik rund um die Parkmöglichkeiten oder der Erhalt der als schützenswert eingestuften Schüür Seevogtei gehört dazu. «Unser Ziel ist, dass man das Seeufer erleben kann», betont Viktor Schmidiger, Leitung Naturgefahren Kanton Luzern. Er ergänzt: «Wir schaffen hier ein Projekt für den Menschen und die Natur, es ist ein Miteinander.»
Um dafür eine geeignete Lösung zu schaffen, hat ein Planerteam mögliche Varianten erarbeitet. Christoph Iseli, Markus Bieri und Josch Brun stellten den Anwesenden am Mittwochabend die drei Lösungskombinationen vor, die basierend auf den erarbeiteten Projektgrundlagen, dem vom Stadtrat und dem Kanton verabschiedeten Zielbild und den Impulsen der Bevölkerung vom ersten öffentlichen Workshop im Juni 2025 entstanden sind (diese Zeitung berichtete).
Die drei Lösungskombinationen wurden gestaffelt präsentiert, jeweils immer anhand dreier Schwerpunkte: Naturraum, Erholung und Wege/Seezugang.
Erste Lösungskombination
Die 1. Lösungskombination entspricht am ehesten dem Bestand, also der bereits bestehenden Aufteilung in Erholungs- und Naturraum. Nutzungsflächen werden bei dieser Variante kompakt gehalten, Besucher gelenkt. Beim Seeclub Sempach sowie ab dem Parkplatz Seevogtei bis zur Vogelwarte würde Naturraum entstehen, bei der Festhalle Sempach der Erholungsraum nach aktuell gültige Flächenverteilung gemäss Schutzverordnung bestehen bleiben.
Im Detail ist beim Schwerpunkt Naturraum vorgesehen, dass etwa durch eine Riedwiese, wechselfeuchte Tümpel oder ein Naturufer auf der Strecke bis zur Vogelwarte mehr Natur geschaffen werden soll. In Richtung Seeclub könnte dies durch ein bewachsenes Flachufer und Schilf erfolgen. Beim Schwerpunkt Erholung ist geplant, sich nahe am Bestand zu orientieren. Der Weg zum Parkplatz Seevogtei könnte optimiert und ein Kies- oder Flachufer sowie Sitztreppen könnten den See zugänglicher machen. Beim Schwerpunkt Wege/Seezugang sieht die 1. Lösungskombination bei der Festhalle eine Seepromenade vor. Der Weg entlang des Sees vom Seeclub bis zur Vogelwarte basiert auf dem Bestand, angereichert mit kleinen Stegen, die auf den See führen, sowie eines Stegs, der über Land zu einem Beobachtungsturm führt. Im Bereich des Parkplatzes Seevogtei ist zudem ein Kiesufer mit Steg geplant.
Zweite Lösungskombination
Die 2. Lösungskombination entfernt sich vom Bestand, weg vom Vorgegebenen, ein wenig «frecher», laut dem Planungsteam. Sie zeichnet ein neues Bild vom Weg entlang des Sees, und zwar durch Stege, die an diversen Stellen über den See führen. Dadurch bräuchte es aber mehr Grünfläche zur Kompensation, was etwa durch die Offenlegung des Äbersmoosbachs nahe des Parkplatzes Seevogtei möglich wäre.
Im Detail ist beim Schwerpunkt Naturraum vorgesehen, dass beim Seeclub Sempach eine grössere Naturfläche (Riedwiese) und in Richtung Vogelwarte mehr Gehölzgruppen als prägendes Landschaftsbild geschaffen werden sollen. Bei der Festhalle Sempach ist ein dynamisches Naturufer mit einem Steg, der übers Wasser führt, geplant. Zwischen Festhalle und Schüür/Parkplatz Seevogtei ist eine Naturfläche mit wechselfeuchten Tümpeln vorgesehen. Die Mündung des Äbersmoosbachs in den Sempachersee würde als Delta ausgestaltet werden. Diese naturnahe Gestaltung zeigt sich auf der Strecke bis zur Vogelwarte durch eine extensiv genutzte Wiese und naturnah gestaltete Ufer sowie ein Flachufer nahe des Seewasserpumpwerks. Dort würde ebenfalls ein längeres Stück Weg als Steg über den See verlaufen. Beim Schwerpunkt Erholung ist bei der Festhalle eine Quai-Anlage vorgesehen und der Parkplatz Seevogtei könnte als Multifunktionsplatz dienen. Die Scheune daneben könnte ebenso umgenutzt werden. Des Weiteren soll nahe des Parkplatzes ein Kiesufer als Zugang zum See dienen. Beim Schwerpunkt Wege/Seezugang weist diese Lösung eine Mischung aus Wegen und Stegen auf, wobei letztere über Land oder den See führen. Im Bereich Seeclub würde der Uferweg weiter nach hinten versetzt werden und die Route in Richtung Vogelwarte würde über Wege und Stege mit Seesicht führen.
Dritte Lösungskombination
Die 3. Lösungskombination bietet noch mehr Abwechslung. Hier ist vorgesehen, dass die Schüür abgerissen wird, wodurch ein grösserer Platz entsteht, der unterschiedlich genutzt werden könnte. Dort sind auch ein Pavillon und Sportgeräte vorgesehen. Ebenso sollen grössere, Plattformen entstehen und auf den See hinausführen, sowie der Natur mehr Raum geboten werden.
Im Detail ist beim Schwerpunkt Naturraum geplant, dass beim Seeclub Sempach mehr Natur ihren Platz findet. Bei der Festhalle Sempach soll ein bewachsenes Flachufer und dort, wo aktuell die Schüür steht, eine extensiv genutzte Wiese entstehen. Bis hin zur Vogelwarte ist das Ufer von einem Mündungstrichter beim Äbersmoosbach über ein dynamisches Naturufer bis hin zu Gehölz sehr naturnah gestaltet. Beim Schwerpunkt Erholung soll bei der Festhalle über ein Kiesufer Zugang zum See geboten werden. So auch beim Parkplatz, der durch den möglichen Abriss der Schüür mehr Platz für neue Möglichkeiten bietet. Dazu trägt auch der geplante Pavillon bei. Beim Seeclub Sempach ist zudem ein Sportplatz vorgesehen. Diese Variante bietet weniger Zugang zum See, die Aufenthaltsmöglichkeiten sind jedoch breiter gefächert. Beim Schwerpunkt Wege/Seezugang wird bei dieser Lösungskombination weniger auf Stege gesetzt, sondern auf zwei Plattformen im Abschnitt zwischen der Festhalle und der Vogelwarte. Direkt vor dem Seewasserwerk hingegen würde der Weg über einen Steg verlaufen. Im Bereich des Seeclubs Sempach würde der Uferweg auch versetzt werden.
Miteinander kombinieren
Laut Claudio Wiesmann, Projektleiter Kanton Luzern, sollten die vorgestellten Ansätze bewusst nicht als drei einzelne Varianten angesehen werden, da sie kombiniert werden könnten. Somit ergäben sich mehr als drei Lösungsvarianten für die Neugestaltung des Seeufers bei Sempach. Wo die Bevölkerung Vor- sowie auch Nachteile sah, wurde anschliessend in Gruppen rege diskutiert.
Gekonnt führte erneut Gaby Wyser durch den Abend. Sie koordinierte die drei Diskussionsrunden und sammelte nach jeder Runde einige Stichpunkte, die im Zentrum der verschiedenen Diskussionen standen. Dazu gehörte unter anderem, dass Flachufergestaltungen begrüsst würden. Jedoch zeigte man sich besorgt, dass dadurch der Tourismus weiter angekurbelt und damit zum Baden eingeladen werde. Positiv sei, dass der Uferweg zwischen Festhalle und Vogelwarte naturnaher gestaltet werde, jedoch solle der Weg nicht zu nah an der Kantonsstrasse verlaufen. Auch die Freilegung des Äbersmoosbachs werde begrüsst, ein Beobachtungsturm jedoch weniger. Ein multifunktionaler Parkplatz sei ebenfalls wünschenswert, zu viele neue Bauten wie ein Pavillon jedoch weniger. Hier werde ebenfalls befürchtet, dass dies den Massentourismus fördere. Die Gestaltung rund um die Festhalle solle zudem für alle Generationen etwas bieten.
Wie es weitergeht
Nun werden die Ergebnisse des zweiten öffentlichen Workshops bis diesen Sommer ausgewertet. Die Resultate sollen Anfang Mai auf der Website des Kantons Luzern aufgeschaltet werden. Voraussichtlich im September dieses Jahres soll zudem öffentlich darüber informiert werden, welche Lösungskombination als Favorit gilt und das Vorprojekt bildet. «Die Inputs von heute Abend sind für den weiteren Verlauf wichtig. Es ist wichtig zu sehen, was sich als geeignet erweist und wo wir noch Hausaufgaben haben», sagt Marcel Hurschler abschliessend.







