In den geschichtsträchtigen Mauern von Kirchbühl scheint die Zeit wie stillgestanden: die historischen Gemäuer, der altehrwürdige Kirchturm, die bemalten Kirchenwände – allesamt Überbleibsel von vor vielen Jahrhunderten. «Einige würden sagen, Kirchbühl ist ‘verstaubt’, auch wenn es das ganz und gar nicht ist», sagt Stiftungsratspräsident von Pro Kirchbühl, Alexander Lieb. Denn vor Ort gäbe es so vieles zu entdecken, dass es auch für erfahrene Kirchbühl-Besuchende immer wieder Neues zu lernen gibt, weiss Lieb. So etwa auch am vergangenen Samstagmorgen, als der Sempacher Museumsverein zum Rathaus unter Liebs Führung einen Rundgang durch Kirchbühl machte.
Wissenswertes rund um Kirchbühl
Gemeinsam erkundeten sie beispielsweise das Beinhaus, vor dessen Ostwand unter dem «Seelengatter» seinerzeit Knochen deponiert wurden, die so als Memento mori mahnten, sich im vergänglichen Leben richtig zu verhalten, um später die Erlösung im Himmel erreichen zu können. Auch ein ausgiebiger Blick auf die Kirche St. Martin durfte nicht fehlen. Von aussen wurde damit klar, weshalb diese – anders als jüngere Kirchen des Landes – noch Kreuz und Hahn zugleich auf der Kirchturmspitze trägt. Und von innen vermochten die idealen morgendlichen Lichtverhältnisse einige Wandmalereien zu erkennen geben, die später am Tag kaum zu sehen sind. Mit den Ergänzungen von Alexander Lieb wurden aus simplen Mustern und Zeichnungen so Abbildungen mit Sinn und Geschichte. Etwa diente der «Chelezänni» – ein Mann mit herausgestreckter Zunge – nicht einfach als unterhaltsame Darstellung auf der rechten Seite neben dem Haupteingang, sondern er übernahm eine erzieherische Funktion. Schliesslich soll man während der Messe nicht nach hinten schauen, sondern sich nur auf den Priester und seine Worte konzentrieren. «Besonders bei den Wandmalereien ist vielen erst heute ein Licht aufgegangen, obwohl sie diese bereits viele Male betrachtet haben», erzählt Lieb.
Grosse Projekte stehen an
Künftig soll all solches Zusatzwissen zu Kirchbühl und der Kirche St. Martin nicht nur auf geführten Rundgängen zu erfahren sein, man soll das Gelände auch gleichermassen auf eigene Faust erkunden können. «Geplant sind aktuell rund elf schmiedeeiserne Stelen, die mit QR-Codes Hintergrundwissen liefern», erklärt Alexander Lieb. Dafür sei man bereits mit der kantonalen Denkmalpflege im Gespräch und hoffe, das Projekt bis im kommenden Frühling realisieren zu können. Ebenfalls sei momentan in Abklärung, wie es um die baulichen Voraussetzungen im Beinhaus stehe, denn es sei angedacht, dass künftig zwei Filme zur Baugeschichte und den Wandmalereien darin vorgeführt werden, so Lieb: «Zudem diskutieren wir zurzeit mit vier Fachexpertinnen die optimalen Möglichkeiten zur Restauration der Malereien im Beinhaus, die wir möglichst bald vornehmen möchten.» Obwohl die Baubewilligungen und die entsprechende Finanzierung dieser Projekte noch ausstehen, lassen diese Ideen bereits Vorfreude auf einen nächsten Besuch in einer der ältesten Landkirchen im Kanton Luzern aufkeimen.



