«Naturschutz ist eine Managementaufgabe» und «die Natur ist kein Pflegefall». Diese Aussagen zweier Referenten prägten die Naturtagung und regten die vielen Teilnehmenden zu lebhaften Diskussionen an. Adrian Zangger von «Hintermann & Weber AG» zeigte im Inputreferat, wie Naturschutz als Management gelingen kann. Die Herausforderungen reichen von invasiven Arten über den Klimawandel bis zu verschiedenen Nutzungsansprüchen und knappen Mitteln.
Natürliche Entwicklungen in wertvollen Lebensräumen können je nach Schutzziel nur bedingt zugelassen werden. Ohne Nutzung oder Unterhalt verbuschen und verwalden Feuchtgebiete, Trockenwiesen und andere Naturflächen weitgehend. Laura Schuler vom Kanton Uri zeigte, wie mit dem Wildheuen Nutzung, Brauchtum und Artenförderung verbunden werden. Schutz und Nutzung werden auch bei der Beweidung von Naturschutzgebieten kombiniert. Darüber berichtete Christoph Flory von Pro Natura Aargau, der seit über 35 Jahren robuste Nutztierrassen zum Offenhalten von Feucht- und Trockenwiesen einsetzt. Hubert Schürmann, Landwirt in Sempach Station, berichtete, wie er Wiesen, Säume und Kleinstrukturen rund ums Jahr pflegt und Freiwillige einbezieht, ohne seinen Betrieb zu überlasten.
Voraussehende Planung
Der spätere Erhalt oder eben Unterhalt eines Lebensraums beginnt bereits mit der Projektplanung. Dies erläuterte Kerstin Schollenbruch vom Kanton Obwalden am Projekt Teichperlen in der Naturschutzzone Wichelsee. Marianne Baruffa von Pro Natura Luzern zeigte den Alltag der Reservatspflege und Beat Haller vom Verband Baustoff Kreislauf Schweiz beleuchtete die Entwicklung von Pionierstandorten kritisch. Abschliessend gab Peter Kull vom Kanton Luzern einen Überblick, wie bei einer kantonalen Verwaltung die Pflege von Naturvorranggebieten strategisch geplant und begleitet wird, im Spannungsfeld zwischen Vorgaben, Wissen und Möglichkeiten.
Die Ziele müssen klar sein und gleichzeitig gilt es, flexibel zu bleiben und neugierig zu beobachten, lautete das gemeinsame Fazit. Pflegepläne bilden eine Grundlage für ein adaptives Management. Der Bedarf, vor allem an Arbeitskräften, ist grösser als die vorhandenen Ressourcen. Deshalb braucht es eine Ressourcenallokation und sorgfältig abgewogene Priorisierungen, etwa im Sinne eines «Biodiversitätsmanagements». «Naturschutz gelingt nur, wenn alle am gleichen Ziel arbeiten. Wer heute plant, muss auch die Pflege von morgen mitdenken», sagt Philipp Christen, Projektleiter bei der Albert Koechlin Stiftung (AKS) und Moderator der Naturtagung.
Bei Kaffee und Kuchen und zum Abschluss der Tagung bei einem regionalen Apéro diskutierten die Teilnehmenden rege. Zeit, zu geniessen und Kontakte zu pflegen, ist ein wichtiges Ziel der Zentralschweizer Naturtagung. Die 8. Zentralschweizer Naturtagung findet am 23. Oktober 2027 in Luzern statt. Die Lokalität liegt dann direkt beim Bahnhof Luzern und bietet mehr Platz.
