Trotz des sonnigen Herbstwetters pfiff am vergangenen Sonntag im Sempacher Seeland ein anderer Wind als üblich: Mit den Frauen des FC Zürich standen der 1. Mannschaft der FC Sempach-Frauen in der zweiten Runde des Schweizer Women’s Cup sehr starke Kontrahentinnen auf dem Feld gegenüber. Die Zürcherinnen spielen erfolgreich in der AXA Women’s Super League (AWSL) und bringen als Rekordmeisterinnen mit 24 Titeln und als 16-fache Rekordcupsiegerinnen einiges an Spielerfahrung, Technik und taktischem Verständnis mit. Das bedeutete für den FC Sempach Höchstliga-Standard, nicht nur auf, aber auch neben dem Feld. Dass das Cup-Los sie nun gegen «das erfolgreichste Team im Schweizer Frauenfussball» auf den Heimplatz führte, sah man in Sempach jedoch weniger als einschüchterndes Schreckgespenst, sondern als bereichernde Chance: «Die Kräfteverhältnisse und der Ligaunterschied sind am heutigen Spieltag deutlich. Doch genau solche Begegnungen machen den Schweizer Cup reizvoll. Wir nehmen diese Herausforderung mit viel Vorfreude an und wollen die FCZ-Frauen mit Leidenschaft, Mut und Teamgeist so lange wie möglich fordern», schrieb der FC Sempach vorgängig. Und dass sie das ernst meinten, wurde am Sonntagmittag mehr als deutlich.
Torreiche Partie
Die gespannte Stimmung war im bestens besuchten Seeland förmlich zu spüren. Dann gings schnell: Einmarsch unter epischer Hymne vor rund 400 Zuschauenden, ein freundlicher Handshake der beiden Captains, Austausch der Wimpel sowie ein vom Zürcher Team unterschriebenes Shirt für die Sempacherinnen. Viel Zeit für Freude über letzteres Präsent blieb allerdings nicht, denn nach dem Anpfiff ging es direkt intensiv in die Partie. Die Anfangsphase des Spiels verlief relativ ausgeglichen und die Sempacherinnen vermochten, den Züricher Frauen wirksam Paroli zu bieten. In der 28. Minute fiel dann trotz aller Gegenwehr der erste Treffer zugunsten des FCZ und nur vier Minuten später verwandelte Martina Cavar einen Penalty zur 0:2‑Führung. Kurz vor der Pause folgte nach einem unglücklichen Ballwechsel ein weiteres Tor für die FCZ-Frauen, was zu einem Halbzeit-Zwischenstand von 0:3 führte. Vom punktemässigen Rückstand liessen sich die Frauen des FC Sempach allerdings nicht entmutigen. Die gelb-roten Spielerinnen schlugen sich auch in der zweiten Spielhälfte tapfer und bewiesen Ehrgeiz, obwohl ihnen die Zürcherinnen immer einen Schritt voraus blieben. Diese erzielten mit präzisen Pässen und schnellem Denken noch vier weitere Tore. Bis zum Abpfiff zeigte die Anzeigetafel somit einen Schlussstand von 0:7.
Viel daraus mitnehmen
Trotz der Niederlage zeigten sich die Frauen des FC Sempach mit ihrer Partie durchaus zufrieden: «Wir sind besonders stolz auf die erste, torlose halbe Stunde», resümierte die Sempacher Captain Aline Güttinger. Man habe sich allerdings als Team darauf einstellen müssen, dass wohl der eine oder andere Ball im eigenen Netz lande. Somit sei eine Niederlage im einstelligen Torverhältnis Glück im Unglück, meinte Güttinger lachend.
Und sowieso sei ein Spiel gegen solche Gegnerinnen an sich schon etwas ganz Besonderes, so Güttinger. Zwar winkt keine nächste Cup-Runde, «dafür können wir viel fürs Herz daraus mitnehmen.» Und auch vom schnellen Um- und Vorausdenken auf dem Spielfeld könne man sich für die Zukunft eine Scheibe abschneiden. So blieb für die Spielerinnen nach 91 erschöpfenden Minuten auf dem Feld noch Zeit für ein gemeinsames Abschlussfoto und für die Jüngsten unter den Zuschauenden Gelegenheit, Autogramme abzuholen. Diese ergatterten sie sich jedoch keineswegs bei den berühmten Zürcher Gästen, sondern direkt bei «ihren» Sempacherinnen. Ob Sieg oder Niederlage, somit hatten alle im Seeland einen Grund, diesen Fussball-Sonntag zu geniessen.






