Der gebürtige Sempacher Janis Fasser ist erfahrener Sportfotograf und hielt im Auftrag des Schweizerischen Turnverbands schon viele sportliche Events wie etwa die Gymotion fest. Als Geräteturner nahm er bereits an einigen davon selbst teil und schwang sich am Barren in die Luft.
Die besten Turnerinnen und Turner der Schweiz zeigen einem grossen Publikum durch eine spektakuläre Show, was sie können: Das ist die Gymotion. Sie fand kürzlich in Lausanne statt. Und mittendrin ist der 27-jährige Sportfotograf und Geräteturner Janis Fasser. Er hat an der Gymotion schon fotografiert sowie auch geturnt. Damit verbindet er Hobby und Leidenschaft.
Janis Fasser, welchen Blick auf sportliche Events wie die Gymotion haben Sie lieber: den eigenen oder den durch die Linse?
Definitiv den durch die Linse. Man erlebt den Anlass dadurch einfach auf einer anderen Ebene. Als Zuschauer ist man auf den Blickwinkel angewiesen, der vom Sitzplatz abhängig ist. Als Fotograf kann ich mir selbst aussuchen, von wo aus ich mit meiner Kamera die meisten Emotionen einfange. Und als Turner weiss ich genau, wo ich stehen muss, um das beste Bild zu machen. Bei der bisher erfolgreichsten Weltmeisterschaft im Kunstturnen in Antwerpen zum Beispiel konnte ich mir vorher genau überlegen, welchen Moment ich wie festhalten will, und war dadurch ganz nahe mit dabei.

Janis Fasser.
Foto zVg
Zur Person
Janis Fasser ist gebürtiger Sempacher. Der 27-Jährige trat schon im Teenageralter dem Geräteturnverein bei. Heute ist er aktives Mitglied beim STV Rickenbach. So kam er auch zur Sportfotografie: Der Verein benötigte Fotos von Wettkämpfen und Janis Fasser zückte seine Kamera. Mit dem STV Rickenbach nahm Janis Fasser bereits an grossen Wettkämpfen und Shows wie der Gymotion, organisiert vom Schweizerischen Turnverband, teil. Er fotografierte auch mehrmals an der Gymotion, da Janis Fasser bis vor Kurzem als Content Marketing Redaktor beim Schweizerischen Turnverein tätig war. Er trug die Verantwortung für visuelle Auftritte. Darunter waren auch der Swisscup Zürich oder die Weltmeisterschaft im Kunstturnen. Durch sein Studium in International Business Administration suchte sich Janis Fasser eine neue Herausforderung und arbeitet nun bei der Firma Heineken.
Dann erarbeiten Sie sich vor einem Einsatz als Sportfotograf ein Skript, wo Sie wann stehen müssen, um das beste Bild zu erhalten?
Definitiv, ja. Vieles kommt zwar mit der Erfahrung, aber es ist wichtig, sich gut auf einen Wettkampf oder eine Turnershow vorzubereiten.
Wie haben Sie sich auf die Gymotion vorbereitet?
Bei der Gymotion ist es so, dass vorher mehrmals geprobt wird und die Show selbst auch zweimal stattfindet. Dadurch hatte ich als Fotograf die Möglichkeit, mir bereits während den Proben Gedanken über mein Timing zu machen und dieses zu üben. Die erste Show dient dann dazu, alle Sujets zu fotografieren, die ich geplant habe, und die zweite Show dient auch dazu, Neues auszuprobieren.

Die Gruppe «the.gang» während der Gymotion 2023.
Foto STV/Janis Fasser
Wann entstehen die besten Bilder, mit Planung oder durch Spontanität?
Das kann ich so nicht sagen, es braucht auf jeden Fall eine gute Mischung aus beidem.
Als aktiver Geräteturner bringen Sie bereits viel Erfahrung in diesem Sport mit. Das ist ein grosser Vorteil für Ihre Arbeit als Sportfotograf.
Ja, es wird wohl bei jeder Sportart anders sein, aber wenn ich einen Turner am Barren fotografiere, kann ich anhand seiner Mikrobewegungen sehen, was er als Nächstes machen wird. Wenn man das nicht sieht, drückt man meistens zu spät ab und kann nicht das Foto schiessen, das man sich vorgenommen hat, weil alles so schnell geht.
Durch was zeichnet sich die Sportfotografie aus?
Vielfältigkeit und Schnelligkeit. Man hat nur einen Bruchteil einer Sekunde Zeit, um das Foto zu machen. Wenn man es nicht schafft, ist der Moment vorbei und es gibt keine zweite Chance, um ihn festzuhalten. Ausserdem muss man sich immer an den Sportler anpassen, da man ihn nicht bitten kann, einen Schritt nach rechts zu machen, damit er im besseren Licht steht. Man arbeitet mit dem, was man hat.
Welches Sujet wolle Sie unbedingt noch vor die Linse bekommen?
Grundsätzlich bin ich offen für alles und möchte verschiedene Sportarten und Events fotografieren, um noch mehr Erfahrung zu sammeln. Aber das Red Bull Cliff Diving interessiert mich sehr, denn wer dort fotografiert, gehört zu den Besten, und ein solcher Event benötigt wohl noch einmal eine ganz andere Vorbereitung als eine Gymotion.
Was die Gymotion genau ist
Die Gymotion findet jährlich statt und wird vom Schweizerischen Turnverband organisiert. Der Veranstaltungsort ist nicht jedes Jahr gleich (2024 in Zürich, 2025 in Lausanne), sowie auch die Geräteturnenden, welche auftreten. Die verschiedenen Gruppen und Vereine kommen aus der ganzen Schweiz. Darunter sind jedes Jahr auch Mitglieder des Nationalkaders im Kunstturnen. Die Show zeichnet sich durch ein lebendiges Turn-Programm mitsamt Live-Musik verschiedener Künstler aus. Die Turnerinnen und Turner präsentieren ihre besten und schwierigsten Elemente am Boden, Reck, Barren, Trampolin, Vertikaltuch und mehr. Die Show findet traditionell Anfang des neuen Jahres statt und der STV heisst jährlich über 10’000 Zuschauende willkommen.
Und was braucht es, wenn man für den Schweizerischen Turnverband fotografiert?
Wenn man Turnerinnen und Turner fotografieren will, ist das Equipment enorm wichtig, denn bei dieser Sportart fotografiert man meistens in einer Halle und ist dadurch auf externe Lichtquellen angewiesen und benötigt daher ein gutes Objektiv.
Ein teures Hobby.
Jein. Bereits als ich während meines Studiums an der Hochschule Luzern mit Fotografieren anfing, kaufte ich mir ein wenig Equipment und durch meinen Job beim STV wurde mir dann auch einiges mehr zur Verfügung gestellt. Ich hatte aber von Anfang an das Gefühl, dass mein Fotoequipment eine gute Investition ist und das hat sich auch bestätigt. Es war cool, neben dem Studium mit dem Fotografieren Geld zu verdienen.

Die Gruppe «the.gang» während der Gymotion 2023.
Foto STV/Janis Fasser
Nun arbeiten Sie seit 2024 als Brandmanager und sind im internationalen Marketingbusiness tätig. Wieso der Wechsel?
Fotografieren erlaubt mir, extrem viel Kreativität und Vielfältigkeit ausleben zu können. Es war die perfekte Kombination, dieses Hobby beim STV mit der Leidenschaft Geräteturnen beruflich verbinden zu können. Eigentlich habe ich aber an der Hochschule Luzern studiert und nach gut zwei Jahren beim STV ist es Zeit geworden, diesen anderen Weg weiterzuverfolgen.
Also, Fotografie und Turnen bleiben weiterhin Bestandteile Ihres Lebens. Werden Sie bei der nächsten Gymotion als Turner mit von der Partie sein?
Ich bin bereits 2021 mit dem STV Rickenbach aufgetreten, was eventuell bei der nächsten Gymotion wieder der Fall sein wird, aber ich kann mir sicher auch vorstellen, einmal im Publikum zu sitzen. Bisher habe ich es nämlich nicht geschafft, die Show aus der Sicht der Zuschauenden anzusehen.
Welche Bedeutung haben für Sie Events wie die Gymotion?
Der STV schafft mit der Gymotion nochmals eine andere Plattform für unseren Sport. Ich hätte nie gedacht, dass ich irgendwann als Turner bei der Gymotion auftreten werde, denn dann gehört man zu den Besten der Besten. Es sind tausende Blicke auf einen gerichtet und man muss einfach abliefern. Es ist ein einmaliges Erlebnis, das etwas Magisches an sich hat.

Gemeinsam mit den Turnerinnen und Turnern der Gymotion 2023 knackte der STV Rickenbach während der Show den Weltrekord von 659 gestandenen Doppelsalti.
Foto STV/Janis Fasser
Wird Ihnen genau dieses Magische der Gymotion künftig fehlen, wenn Sie anderweitig als Fotograf unterwegs sind?
Ob Gymotion oder Hochzeit, solche Events sind grundsätzlich toll zu fotografieren, weil da die meisten Emotionen abzuholen sind. Und genau darum geht es doch, diese höchst emotionalen Momente, die ich mit der Kamera festhalten kann, schätze ich am meisten. Dabei kann ich selbst ganz emotional werden und wenn ich die Fotos bei der Nachbearbeitung auf dem PC anschaue, freue ich mich nochmals riesig über das Ergebnis, das ich schaffen konnte.
Weshalb greifen Sie so gerne nach der Kamera, anstatt den Moment ohne Blick durch die Linse zu geniessen?
Wenn man an den Events mit dabei ist, weiss man, man macht es, weil anschliessend alle Leute nach Fotos oder Videos fragen. Das war meine grösste Motivation, überhaupt mit dem Fotografieren anzufangen. Denn ich selbst hatte nie Fotos von mir als Turner. Das wollte ich ändern für alle, die ebenfalls gerne eine Erinnerung an ihren Sieg oder einen erfolgreichen Auftritt haben möchten.


