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Kolumne: Gemeinsam tüütets besser

09. Februar 2026

Ein Trompetli und ein Sousaphon schauen mit grosser Vorfreude auf die Fasnacht, die vor der Tür steht, denn schon bald werden sie zum ersten Mal gemeinsam «tüüten».

Ein Trompetli und ein Sousaphon schauen mit grosser Vorfreude auf die Fasnacht, die vor der Tür steht, denn schon bald werden sie zum ersten Mal gemeinsam «tüüten».

Man nehme einen Hildisrieder und lasse ihn in Sempach z’Fasnacht. Was daraus entsteht? Die Fasnacht 2026 unter der Führung von Urs I.

Das neue Oberhaupt der Hildisrieder Fasnacht ist nicht nur eingefleischter Fasnächtler, sondern langjähriger Guuggenmusikant mit Bäribrommer-DNA. Als Gründungsmitglied hat er diese Leidenschaft 15 Jahre lang gelebt und das musikalische Gen auch erfolgreich weitervererbt: Seine Kinder Tim und Lisa zog es ebenfalls zur Sempacher Truppe. Zudem kann ich mich nicht daran erinnern, Urs I. und Daria Käppeli jemals im Publikum vermisst zu haben, wenn die Brommer irgendwo ein Ständli bliesen.

Als wäre das noch nicht genug, ziehen in diesem Jahr mit den Bäribrommern und den Lüütertütern zwei Guuggenmusiken aus den beiden Gemeinden am selben Strang: Mit «What I’ve done» gibt man eine gemeinsame musikalische Darbietung zum Besten. Erste «Bäritüüter»-Proben haben bereits stattgefunden, am kommenden Wochenende folgt nun der erste Auftritt im Doppelpack. Mit knapp 110 Mitwirkenden rollt eine wahre Guuggen-Front auf das Publikum zu, die sich wie eine akustische Flutwelle über die Schaulustigen ergiessen dürfte. Die Vorfreude (und Nervosität) ist gross. Wer Ohrschützer besitzt, ist klar im Vorteil.

Auch ich darf in dieser Front mitwirken und mit meinem Trompetli zur allgemeinen Geräuschkulisse beitragen. Für mich persönlich ist dieser gemeinsame Auftritt ein absolutes Highlight – schon beim Gedanken daran werfe ich innerlich Konfetti in die Luft. Mit neuen und alten Freunden sowie Kollege Wolf auf der fasnächtlichen Konfettibühne stehen zu dürfen, lässt mein Herz nämlich höherschlagen. Geteilte Freude wirkt bekanntlich doppelt. Dass nun auch der Zunftmeister der Götschizunft eine Verbindung zu den Bäribrommern hat, ja regelrecht für deren Bestehen mitverantwortlich ist, sehe ich als sprichwörtliche Kirsche auf dem Fasnachtsküchlein. Da fragt man sich unweigerlich, ob da nicht vielleicht ein Vöglein seinen Schnabel im Spiel hatte und während der Rauchsitzung in der Zunftstube einen heissen Tipp gezwitschert hat.

Doch Vogel hin oder her: In Anlehnung an das Fasnachtsmotto von Urs I. wage ich eine steile These: «D’Bäritüüter send los … drom werd die Fasnacht tierisch grandios!» 

                  Franziska Kaufmann, Mitglied der Bäribrommer

Erst noch meinte ein Fasnächtler gestandenen Alters in einem Kafizelt zu mir: «Wenn alle das ganze Jahr so miteinander umgingen wie an der Fasnacht, gäbe es das eine oder andere Problem weniger auf der Welt.» Und wo er recht hat, hat er recht. Denn zur Fasnachtszeit entstehen wohl so viele spontane Freundschaften wie sonst das ganze Jahr über nie, wenn man dem fremden Tischnachbarn einen Tee zuhält, Arm in Arm vor der Guuggenbühne mitgröhlt oder einen das rüstige Grosi zum Tanz auffordert.

Auch unter Guuggenmusikanten kommt es mehr als gelegentlich vor, dass man sich trotz gesunder Rivalität an der gleichen Bar wiederfindet. Dort werden unter Gleichgesinnten zu später Stunde haufenweise (wahre und unwahre) Geschichten erzählt, Ideen gesponnen und Pläne geschmiedet. Und manche davon, – zum Glück nur ein Bruchteil – werden sogar umgesetzt. Ziemlich genau so fand auch das Gemeinschaftsprojekt der Lüütertüter und der Bäribrommer seine Anfänge. Obwohl mit der Verkündung «unseres» Zunftmeisters die Vermutung nahe läge, dass dieser auch bei dessen Ur(s)sprung mitwirkte.

Für mich, wie für so viele aus meinen und den nachbarschaftlichen Reihen, ist dieses guuggenübergreifende Tüüten ein fasnächtlicher Höhepunkt sondergleichen. Und besonders faszinierend finde ich dabei, wie diese Vorfreude bereits ab Minute eins zu spüren war. Schon Wochen vor dem ersten musikalischen Zusammentreffen wurde ihm entgegengefiebert, die gemeinsamen Probentermine (und der Tag danach) dick in den Kalender eingetragen. Und jetzt, wenige Tage vor dem ersten Doppel-Auftritt, ist die Euphorie schon aus den Instrumenten zu hören, ohne sie überhaupt angesetzt zu haben.

Natürlich erzeugt all diese Vorfreude eine gewisse Erwartungshaltung an unsere musikalische Umsetzung – obwohl Kollegin Kaufmann nicht zu Unrecht von einer «akustischen Flutwelle» spricht –, doch rückt das Endergebnis, zumindest meines Erachtens, schliesslich in den Hintergrund. Was bis am Aschermittwoch zählt, sind die Freude und die Bekanntschaften, die im Zuge dieses Projekts entstanden sind. Und was mit Freude beginnt, steht ja bekanntlich meist grundsätzlich schon unter einem guten Stern.

                  Ramon Wolf, Mitglied der Lüütertüter

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