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Kommt Städtliattraktivierung nicht schnell genug?

Stefan Kämpfen 30. Januar 2026

Sempachs Stadtverantwortliche brüten über einer Attraktivierung des Städtlis. Derweil gab es einige Änderungen bei den Gewerbetreibenden in der Altstadt. Geht der gewünschte Trend in die falsche Richtung?

Sempachs Stadtverantwortliche brüten über einer Attraktivierung des Städtlis. Derweil gab es einige Änderungen bei den Gewerbetreibenden in der Altstadt. Geht der gewünschte Trend in die falsche Richtung?

Seit über 17 Jahren ist die Begegnungszone im Städtli von Sempach auf Tempo 20 limitiert und Leute, die per pedes unterwegs sind, haben Vortritt im gesamten Strassenraum. Trotzdem hat die letzte Bevölkerungsumfrage deutlich gemacht, dass die aktuelle Situation mit dem vielen Asphalt, der sich an heissen Tagen erhitzt und den zahlreichen Fahrzeugen, die darauf verkehren, als unbefriedigend betrachtet wird. «Ein wesentlicher Treiber der Ist-Situation ist der hohe Anteil des Durchgangsverkehrs im Städtli. Mit gezielten Verbesserungen wollen wir die Attraktivität des Städtlis für die Bewohnenden, für das Gewerbe und auch für Besuchende weiter erhöhen», sagt Marcel Hurschler, Stadtrat Ressort Raum, Umwelt und Energie.

Was bisher geschah

An zwei Workshops im 2023 wurde die Weiterentwicklung des Städtlis in der vom Sempacher Stadtrat eingesetzten Spurgruppe diskutiert. Sie vertritt die Interessen der Bevölkerung, des Gewerbes, der Grundeigentümer und -eigentümerinnen, der Gastronomie, der politischen Parteien sowie verschiedener Nutzendengruppen. Man war sich einig, dass der Durchgangsverkehr im Städtli beseitigt werden muss. Im März 2024 fand ein öffentlicher Bevölkerungsworkshop in der Festhalle Seepark Sempach statt, an dem drei Varianten zum Verkehrsregime sowie Möglichkeiten zur Strassenraumgestaltung vorgestellt wurden. «Generell waren die Ängste vor Veränderungen stark spürbar, sodass auf die aufgezeigten Verkehrsvarianten und Gestaltungsszenarien nur wenige konkrete Rückmeldungen gemacht wurden», erklärt Marcel Hurschler. Trotzdem habe der Workshop den grossen Handlungsbedarf widerspiegelt.

Testphase noch unkonkret

Doch weshalb ist seit dem Bevölkerungsworkshop so viel Zeit verstrichen? Dazu sagt Marcel Hurschler: «Es zeigte sich am Workshop und an der anschliessenden Gemeindeversammlung, dass grosse Differenzen bei der Beurteilung des Handlungsbedarfs bestehen.» Zum Abbau dieser Differenzen fanden anschliessend verschiedene Sitzungen mit den Städtli-Detaillisten statt. Man habe diese Differenzen nun beigelegt und vor rund einem Jahr wurden in einer Abstimmung die Vorgaben verabschiedet. Aufgrund des Rücklaufs wurden die Stossrichtungen überarbeitet und geschärft und der Spurgruppe erneut zur Vernehmlassung vorgelegt. Aktuell werden die Vorbereitungen für eine erste «Testphase 0» getätigt, zu der Hurschler aber noch keine konkreten Angaben machen kann. Das eingeschränkte Budget führe dazu, dass nur spezifischen Themen in die «Testphase 0» aufgenommen werden können. Hier gelte es, in den nächsten Wochen den notwendigen Mix der Aktivitäten im und um das Städtli zu machen. Im laufenden Sommerhalbjahr wird der genaue Zeitraum für die Durchführung der Testphase fixiert. Nach Abschluss dieser Testphase werden die qualitative Auswertung erfolgen und die nächsten Schritte beschlossen.

Vom Städtli nach Sempach Station

Bis also konkrete Ergebnisse vorliegen, wird noch einige Zeit verstreichen. So lange wollten Nicole Michel und Vera Duss von «Ida und Frida», einem Atelier für Handgemachtes, nicht warten. Sie zügelten kürzlich ihren Shop vis-à-vis vom Sempacher Rathaus nach Sempach Station. Zu den Gründen sagt Nicole Michel: «Auf der Suche nach einem grösseren Ladenlokal sind wir auf den jetzigen Standort in Sempach Station gestossen. Hier stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis, es ist alles an einem Ort, wir haben Platz zum Präsentieren unserer Produkte und jetzt haben wir auch eine Heizung und ein eigenes WC.» Am alten Standort mussten die beiden Shop-Betreiberinnen ohne eigene Toilette und nur mit einer Elektroheizung auskommen. Nach acht Jahren im Städtli hatten sie das Gefühl, sich nun etwas mehr Komfort gönnen zu dürfen.

«Wir haben jetzt eine Heizung und ein eigenes WC.»

Nicole Michel, Shop-Betreiberin «Ida und Frida»

Dass der Shop am neuen Standort weniger Laufkundschaft haben könnte, darüber macht sich Nicole Michel keine grossen Sorgen: «Da uns viele Leute kennen, wir viele Auftragsarbeiten annehmen und auf Wünsche der Kundschaft eingehen, sehen wir das nicht als Problem.» Auch im Städtli Sempach sei der Personendurchlauf nicht so gewaltig gewesen, aber einen Vergleich anzustellen, sei schwierig. Erst die Zukunft werde zeigen, ob sich der Umzug in Sachen Kundenzulauf tatsächlich gelohnt habe.

Städtli ist in Bewegung

Das Gewerbetreiben in der Altstadt Sempachs ist in letzter Zeit sehr dynamisch. Orest Jaworsky schloss im März 2024 die Türen seines Restaurants Bierhaus 1785. Er führt derzeit die Beiz der Sempacher Minigolf-Anlage. Skender Seferi machte aus dem Bierhaus das «Bier & Steakhouse», das aber im Herbst letzten Jahres Konkurs ging. Heute hat sich das Ristorante Borgo in diese Räumlichkeiten eingemietet. Auch bei der italienischen Konkurrenz, dem alteingesessenen Ristorante Una Storia, stehen bauliche Veränderungen ins Haus. Ende September wird das Lokal für vier bis fünf Monate geschlossen, damit es vergrössert werden kann. Und im ehemaligen Laden von «Ida und Frida» haben sich jetzt die Töpferei und das Grafikatelier von Eve Mächler niedergelassen. Inwiefern diese Bewegungen mit der noch fehlenden Attraktivität des Städtlis zu tun haben und ob sich das mit den Attraktivierungsbemühungen in Zukunft ändern wird, ist und bleibt wohl auch weiterhin Gegenstand von Spekulationen. Für Marcel Hurschler ist klar: «Ein attraktives Städtli belebt die Nachfrage in den Geschäften. Sempach hat heute einen sehr attraktiven Gewerbemix. Es gilt Sorge zu diesem Gewerbemix zu halten, denn er ist nicht selbstverständlich.»

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