Der 16-jährige Kunstturner Levin Sager hat an der Junioren-Schweizer-Meisterschaft (SMJ) kürzlich sechs Goldmedaillen gewonnen: einmal im Mehrkampf, wo man alle sechs Geräte im Kunstturnen (Sprung, Boden, Barren, Reck, Pferdpauschen, Ringe) turnt, einmal im Team und in den Finals an den Geräten Sprung, Barren, Reck und Pferdpauschen. Der Neuenkircher Junioren-Schweizer-Meister spricht im Gespräch über den Wettkampf und seine Ambitionen, zur Elite zu gehören.
Levin Sager, Sie sind Junioren-Schweizer-Meister im Kunstturnen. Wie blicken Sie auf die SMJ zurück?
Es war für mich ein absolut gelungener Wettkampf. Dabei sind viele Emotionen mitgeschwungen, denn ich gelte als einer der Favoriten in meinem Jahrgang. Dies nicht an mich heranzulassen, ist nicht einfach.
Wie meinen Sie das?
Auch wenn alle sagen, dass ich gewinnen kann, ist es wichtig, nicht mit erhobener Nase in den Wettkampf zu starten, sondern sich auf seine Geräte zu konzentrieren und sauber zu turnen, wie man es trainiert hat. Das ist mir gelungen.
Auf welchen Erfolg bei der Junioren-Schweizer-Meisterschaft sind Sie besonders stolz?
Mir bedeutet der Sieg im Mehrkampf am meisten. Dabei turnt man alle sechs Geräte im Kunstturnen. Die meisten Kunstturner spezialisieren sich mit der Zeit je nach Stärken auf einzelne Geräte, aber beim Mehrkampf muss man sich in allen beweisen.
Vor der SMJ konnten Sie aufgrund von Rückenschmerzen nur reduziert trainieren. Mit welchen Erwartungen sind Sie nach dieser Trainingsphase in den Wettkampf gestartet?
Seit ich vor zwei Jahren zwei Lendenwirbel gebrochen habe und etwa ein Dreivierteljahr nicht bzw. eingeschränkt trainieren konnte, meldet sich der Rücken bei grosser Belastung manchmal. Das habe ich schon einige Zeit vor der SMJ gemerkt und mein Training entsprechend angepasst. Es war aber nicht so, dass dadurch meine Wettkampfvorbereitungen beeinträchtigt wurden, daher war ich zuversichtlich.
Haben Sie an der SMJ mit Schmerzen geturnt?
Nein, überhaupt nicht.
Was bedeutet es für Sie, dass Sie die Region aufgrund Ihrer Leistung an Wettkämpfen wie der Schweizer Meisterschaft vertreten können?
Es ist natürlich sehr schön, wenn man weiss, man kann seine Region vertreten. Vor allem, wenn man, wie ich, eine so riesige Unterstützung vom eigenen Verein und auch von Familie und Freunden erhält. Der STV Neuenkirch reist regelmässig mit und feuert mich bei Wettkämpfen an. Dieser Riesen-Support pusht einen extrem, man will die Vereinskollegen ja auch stolz machen, und wenn man abliefern kann, ist das umso schöner.
Sie sind Mitglied beim STV Neuenkirch, turnen aber nicht aktiv bei den Sektionen mit. Weshalb sind Sie Kunstturner, und nicht Geräteturner?
Es ist so, dass ich früh vom STV Neuenkirch gefördert wurde und ich dadurch ans regionale Leistungszentrum kam. Ab da trainierte ich Kunstturnen und bin dabei geblieben, weil es mir mit der Zeit immer mehr Spass gemacht hat.
Worauf trainieren Sie nun hin, nachdem Sie Junioren-Schweizer-Meister geworden sind?
Im August werde ich an den Junioren-Europameisterschaften teilnehmen und versuche mich für die Junioren-Olympiade im November zu qualifizieren.
Ist der Sprung in die Elite bereits ein konkretes Thema?
Auf jeden Fall. Ich will den Sprung ins Nationalkader schaffen. Zuerst ist es für mich aber wichtig, meine Ausbildung als Kaufmann EFZ an der Frei’s Talent School in Luzern abzuschliessen und dann zu schauen, ob ich studieren werde. Im Leistungssport ist es immer gut, einen Plan B zu haben, es gibt immer ein Leben danach.
Sie trainieren gemeinsam mit Alain Bregenzer in der Halle, er hat auch Ambitionen, Teil der Schweizer Nati zu sein. Wie ist das für Sie?
Wir sind immer noch ein Team im regionalen Leistungszentrum. Es soll ein Miteinander sein und kein Gegeneinander. Wir motivieren uns gegenseitig, uns zu verbessern, denn wir haben verschiedene Stärken. Ich bin besser am Gerät Pferdpauschen, Alain Bregenzer turnt dieses Gerät mittlerweile nicht mehr. Dafür ist er stark am Boden und im Sprung.

