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Sempach

Nachgefragt: «Schreiben ist  ein Marathon, eine Rede ein Sprint»

Ramon Wolf 12. Juli 2026

Jacqueline Matheis, in vier Minuten Redezeit kann man doch einiges erzählen. Wie bereiten Sie sich auf eine Rede vor, damit diese inhaltlich passt, Sie sich alles merken können und sie zugleich das Publikum packt? Und wie lange dauert das?

Jacqueline Matheis, in vier Minuten Redezeit kann man doch einiges erzählen. Wie bereiten Sie sich auf eine Rede vor, damit diese inhaltlich passt, Sie sich alles merken können und sie zugleich das Publikum packt? Und wie lange dauert das?

Ganz ehrlich: Vier Minuten sind extrem kurz. Es ist viel einfacher, 15 Minuten zu sprechen als vier. Wenn in vier Minuten wirklich eine Botschaft ankommen soll, muss ich sehr genau wissen, was ich sagen will.

Ich arbeite dabei stark mit Bildern, Gesten und Bewegungen. Für mich sind das kleine Bausteine, die ich in der richtigen Reihenfolge aneinanderreihe. Es fühlt sich oft so an, als würde sich in mir ein Film abspielen – und diesen Film bringe ich dann nach aussen.

An dieser Rede habe ich etwa drei Tage lang immer wieder in Etappen getüftelt. Einzelne Elemente hatte ich schon vorher einmal vor Publikum verwendet, das hilft natürlich. Der Radschlag am Ende war allerdings neu. Die Idee kam mir an diesem Tag – und ich habe sie einfach umgesetzt.  Zugegeben: Mittlerweile habe ich diverse Weiterbildungen und zahlreiche Übungssessions hinter mir. Das hat mir den ganzen Prozess auch erleichtert, bzw. ich konnte noch viel mehr rausholen.

Damit eine Rede das Publikum packt, braucht es für mich vor allem Emotionen und eine Geschichte. Menschen erinnern sich nicht nur an Worte, sondern an Bilder und Gefühle.

Ob eine Rede überzeugt, ist bis zu einem gewissen Grad auch subjektiv. Anhand welcher Punkte bewertet eine Slam-Jury die entsprechenden Vorträge?

Natürlich ist Wirkung immer auch subjektiv. Aber gute Reden haben aus meiner Sicht etwas gemeinsam: Sie erzeugen Gänsehaut.

Bei einem Speaker Slam zählen neben Inhalt und Aufbau vor allem Bühnenpräsenz, Klarheit der Botschaft, Storytelling, Originalität und die Wirkung auf das Publikum. Eine Rede muss in sehr kurzer Zeit verständlich, emotional und erinnerbar sein.

Ich glaube, dass starke Bilder entscheidend sind. Wenn beim Publikum ein inneres Bild hängen bleibt, dann hat die Rede etwas ausgelöst. Und genau das wollte ich mit meiner Rede erreichen: nicht nur erzählen, sondern spürbar machen, wie es ist, aus innerer Erstarrung wieder zurück ins Leben zu kommen.

Was macht für Sie den Reiz aus, sich als Speakerin mit anderen zu messen? Und wo werden Sie als Nächstes zu hören sein?

Ich mag Wettbewerbe grundsätzlich sehr. Nicht, weil man immer gewinnen kann – das tut man natürlich nicht –, sondern weil sie einen herausfordern. Man muss auf den Punkt kommen, präsent sein und im entscheidenden Moment abliefern.

Im Sport ist es selbstverständlich, dass Menschen gegeneinander antreten. Es gibt Rennen, Meisterschaften, Olympia. In der Redekunst ist das ähnlich: Auch dort kann man sich messen, wachsen und sehen, wie stark eine Botschaft wirklich trägt.

Mein nächster öffentlicher Auftritt ist am 29. August in 79733 Görwihl bei der Summer Stage. Und natürlich der Auftritt in New York, aber den musste ich leider wegen Terminkollisionen auf nächstes Jahr ansetzen.

Sie sind nicht nur Rednerin, sondern schreiben auch an einem Buch. Inwiefern unterscheidet sich für Sie das Ausdrücken in Schrift und Sprache?

Auf der Bühne ist alles unmittelbarer. Es ist aufregender, körperlicher und intensiver. Man steht da, die Nervosität ist da, das Publikum ist da – und dann geht es los. In diesem Moment muss man liefern. Was gesagt ist, ist gesagt. Es gibt kein Zurück. 

Ein Buch ist ganz anders. Schreiben ist für mich eher ein Marathon, eine Rede eher ein Sprint. Beim Schreiben kann ich Sätze umstellen, streichen, neu formulieren, wieder zurückgehen. Auf der Bühne entsteht der Moment live. Zudem steht man auf der Bühne (meistens) alleine. Wohingegen man an einem Buch mit vielen Menschen und mittlerweile auch mit KI zusammenarbeitet. 

Mein Buch trägt aktuell den Arbeitstitel «Die Zombie-Raupe». Darin geht es darum, wie Menschen aus einem inneren Zombie-Dasein wieder zurück zu mehr Lebendigkeit im Alltag finden. Das Thema ist also eng mit meiner Keynote verbunden – nur in einer anderen Form.

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