Skip to main content Skip to page footer

Suchformular

Anmeldung wird geprüft

Hildisrieden

S wie «Sierra» oder «Siegerin»

Ramon Wolf 12. Oktober 2026

Am vergangenen Samstag, 10. Oktober, wurde an der traditionellen Viehschau der Braunviehzuchtgenossenschaft Hildisrieden die neue «Miss Hildisrieden» gekürt. Trotz des regnerischen Wetters zog es zahlreiche Interessierte ins Obermoos, um dies mitzuerleben.

Am vergangenen Samstag, 10. Oktober, wurde an der traditionellen Viehschau der Braunviehzuchtgenossenschaft Hildisrieden die neue «Miss Hildisrieden» gekürt. Trotz des regnerischen Wetters zog es zahlreiche Interessierte ins Obermoos, um dies mitzuerleben.

Samstagmorgen, 8 Uhr, leichter Nieselregen. Im Hildisrieder Dorf scheint etwas los zu sein, wie das Flatterband erahnen lässt, das schon seit dem Vortag die Hauptstrasse entlang gespannt ist. Wer noch nie dabei war, wundert sich. Wer sich auskennt, steht wetterfest eingepackt am Strassenrand, gespannt auf das grosse Treiben, das via Kreisel in Richtung Obermoos losgehen wird. Kurz darauf dann erstes Glockengebimmel. Vom Bäseris her kommt die erste Gruppe Kühe, begleitet von Männern mit Schnüren und Treibstöcken. Vorbei am Kreisverkehr und dem hölzernen Schild nach, das die heutige Viehschau ankündigt. Der ersten Gruppe folgen weitere aus der entgegengesetzten Richtung. Die einen brav im Schritt, die anderen mit etwas mehr Flausen im Kopf. Allesamt finden die Kühe jedoch ihren Weg bis ins Obermoos, wo sie nicht nur den interessierten Zuschauenden, sondern besonders auch zwei Schaurichtern vorgeführt werden.

Schauen, bewerten, erklären

Im Sägemehl zwischen Schüür und Maschinenhalle wird es dann ernst: In zwölf Abteilungen eingeteilt werden die insgesamt über 150 Tiere Gruppe um Gruppe dem scharfen Auge der Schaurichter präsentiert. Beginnend mit den «Braunvieh-Rindern» und abgeschlossen mit der Abteilung «Red/-Holstein über 48’000 kg», was so viel bedeutet, wie dass die angetretenen Kühe in ihrem Leben bereits über 48’000 Kilogramm Milch produziert haben. Erst werden die Tiere eine Runde über den Platz geführt, vorbei an den Richtern. Das ist gar nicht immer so einfach und braucht etwas Kraft, Reaktion und Feingefühl der Vorführenden.

Rahmen, Beine und Klauen, Euter und Zitzen – alles wird genau beobachtet, um die Tiere und somit auch die Zuchtarbeit der ausstellenden elf Züchter beurteilen zu können. Und das nicht nur von den Schaurichtern. Auch bei den interessierten Zuschauenden, die sich rundherum so gut es geht vor den vorbeiziehenden Regenschauern unterstellen, wird kritisch beäugt und bewertet. Schliesslich werden die Tiere nach der finalen Rangierung aufgestellt und die Abteilungssiegerin  mit der entsprechenden Erklärung der guten Beurteilung präsentiert. Dann wird es Zeit für die nächste Abteilung. «Wieso nur Platz vier? Ich fände die Braune auch noch eine Schöne», meint einer zu seinem Nebenmann. Da beim Viehschau-Publikum nicht nur Landwirte und Selbstzüchter nebeneinander stehen, sondern auch zahlreiche, die ansonsten kaum etwas mit Braunviehzucht am Hut haben, ergab es sich immer wieder, dass links und rechts fleissig erklärt und diskutiert wurde. So fand auch der besagte 4. Platz spätestens nach einer ausgiebigen Besprechung über die Mittagspause in der trockenen Festwirtschaft seine Berechtigung. 

Sierra trägt das Miss-Krönchen

Wo am Morgen noch die Grossen über den Platz zogen, traten nach dem Mittag die Kleinen ins Rampenlicht: Beim Kälberwettbewerb führen die jüngsten «Chäublizöchter» vor und präsentieren unter der Moderation von Gemeindepräsidentin Monika Emmenegger ihre Tiere. Dass beide, Kälbli und Vorführende, jeweils im zusammenpassenden, kreativen Look daherkommen oder ein auswendig gelerntes Sprüchli zum Besten geben, gibt natürlich den einen oder anderen Niedlichkeitspunkt bei der Publikumsjury. Schliesslich konnten sich Lorena und Lynn Käppeli mit Kälbli Fiona durchsetzen. Dank Punktegleichstand erreichten Lena Troxler mit Flavia sowie Jasmin, Nadja und Remo Disler mit Sbrinzli gemeinsam den zweiten Platz.

Später kommt dann auch fürs grosse Vieh in Sachen Spezialpreise die Stunde der Wahrheit. Nach der Bekanntgabe der Siegerinnen des Mutter-Tochter-Wettbewerbs sowie der Vergabe der Schöneuter-Preise wird die neue «Miss Hildisrieden» gekürt: Mit Sierra aus dem Stall von Thomas Wermelinger bekommt «eine Braune» die Auszeichnung, die sich zuvor sogar schon beim «Schöneuter Braunvieh» gegen ihre Kontrahentinnen durchsetzen konnte. Die neue Miss ist somit der beste Grund, nach der abendlichen Preisverleihung noch ordentlich zu feiern und zu den Blech-Melodien der Brassianer gebührend anzustossen. 

Während für die einen die Party erst startet, heisst es für die anderen wieder, den Heimweg unter die Klauen zu nehmen. Und wenn die Kühe dann wieder daheim im Stall stehen, ist der Trubel abermals für drei Jahre vorbei. Das Flatterband im Dorf ist weg, die neue Miss im Dorf bleibt bescheiden. Interviews zu ihrem Titel will Sierra keine geben.

Schon gelesen ?

169192_169404.jpeg

Hildisrieden

Velo flicken «on the go»

PD 08. Oktober 2026
169057_169059.jpeg

Hildisrieden

Zwei Schulhäuser feiern Jubiläum

Ramon Wolf 02. Oktober 2026
168342_168344.jpeg

Hildisrieden

Ein Garten mit Zukunft

Ramon Wolf 24. September 2026
167729_167745.jpeg

Hildisrieden

Luft verrät mehr, als man denkt

Ramon Wolf 20. September 2026