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Hildisrieden

«Unter Druck sind Checklisten Gold wert»

Franziska Kaufmann 12. April 2026

Naturereignisse, Stromausfälle oder Pandemien – gerät eine Gemeinde in eine ausserordentliche Lage, braucht es klare Abläufe und eine koordinierte Führung. Genau dafür gibt es den Chef Bevölkerungsschutz. Seit Januar hat Hildisrieden wieder eine eigene Ansprechperson für diese Aufgabe: Rolf Graf.

Naturereignisse, Stromausfälle oder Pandemien – gerät eine Gemeinde in eine ausserordentliche Lage, braucht es klare Abläufe und eine koordinierte Führung. Genau dafür gibt es den Chef Bevölkerungsschutz. Seit Januar hat Hildisrieden wieder eine eigene Ansprechperson für diese Aufgabe: Rolf Graf.

Mittwochnachmittag beim Zentrum Inpuls in Hildisrieden. Auf dem Pausenplatz spielen Schülerinnen und Schüler Fussball, die Sonne scheint und stahlblauer Himmel prägt die Szenerie. Rolf Graf steht bereits am Treffpunkt. Unter den Arm geklemmt: eine dicke Ledermappe. Darin befindet sich viel Papier – derzeit das Hauptaugenmerk seines 10-Prozent-Pensums als Chef Bevölkerungsschutz der Gemeinde Hildisrieden.

Der Ort des Treffens ist nicht zufällig gewählt. Hier, vor dem Eingang des Zentrums Inpuls, befindet sich der Notfalltreffpunkt Hildisriedens. Kommt es zu einer grossen Störung oder gar Katastrophe, ist dies die erste Anlaufstelle für die Bevölkerung.

Seit dem 26. Januar ist Rolf Graf für die Vorbereitung auf solche Situationen zuständig. Zuvor waren die Gemeinden am Oberen Sempachersee seit 2008 überregional organisiert und teilten sich einen gemeinsamen Chef Bevölkerungsschutz. Nun übernimmt Hildisrieden diese Aufgabe wieder eigenständig.

Vorbereitung hinter den Kulissen

Die Hauptaufgabe eines Chefs oder einer Chefin Bevölkerungsschutz besteht darin, die Gemeinde auf Katastrophen oder Notlagen vorzubereiten und Partnerorganisationen wie etwa Feuerwehr, Behörden oder weitere Organisationen mit Sicherheitsaufgaben zu koordinieren.

Für Rolf Graf bedeutet die Ende Januar übernommene Aufgabe zunächst vor allem eines: viel Arbeit am Schreibtisch. Der gesamte Einsatzordner der Gemeinde wird nämlich überarbeitet. Dafür erstellt Rolf Graf eine Liste potenzieller Gefahren, priorisiert diese entsprechend und erarbeitet für jedes Szenario ein eigenes Dossier. Dabei zieht er nicht nur den Katastrophen- und Notlagenkatalog des Bundesamts für Bevölkerungsschutz zu Rate. Er beruft sich auch auf Erfahrungen aus Ereignissen, die die Gemeinde bereits erlebt hat. Die Risiken reichen von Naturereignissen wie Hagel oder Hochwasser über gesellschaftliche Krisen wie Tierseuchen oder Pandemien bis zu technischen Problemen wie Strommangellagen.

Erfahrung aus Politik und Militär

Dass Rolf Graf diese Aufgabe übernimmt, kommt nicht von ungefähr. Der Gemeinderat bezeichnet ihn in einer Mitteilung als ideale Besetzung. Rolf Graf war acht Jahre lang selbst Mitglied des Gemeinderats, unter anderem zuständig für das Ressort Sicherheit, und kennt die Abläufe gut. Zudem blickt er auf eine 25-jährige Karriere im Berufsmilitär zurück. Dadurch ist ihm die Kommandosprache von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben bestens vertraut.

Auf der Hand liegt zudem ein weiterer Vorteil: Rolf Graf lebt seit über 30 Jahren in Hildisrieden. Er kennt die örtlichen Gegebenheiten, die Menschen und die Topografie – auch über die Gemeindegrenzen hinaus. Denn der 68-Jährige erklärt: «Ein Ereignis hört nicht an Gemeindegrenzen auf.» Gerade deshalb sei die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden und dem Kanton entscheidend. Diese bringe allerdings auch Herausforderungen mit sich: «Die Strukturen der Gemeinden sind unterschiedlich», erklärt er weiter. Dennoch kann Rolf Graf bei seiner Arbeit auf Erfahrungen und Unterlagen aus anderen Gemeinden zurückgreifen.

Organisatorisch ist der Chef Bevölkerungsschutz direkt der Gemeinderätin Sicherheit unterstellt – in Hildisrieden ist dies Linda Kronenberg. Als unmittelbare Mittel stehen ihm Gemeinde und Feuerwehr zur Verfügung. Werden zusätzliche Ressourcen benötigt, kann der Kanton beigezogen werden.

Checklisten für den Ernstfall

Neben den Gefahrenanalysen erstellt Rolf Graf entsprechende Dossiers, die später bei Ausbildung, Führung und Einsätzen verwendet werden sollen. Gleichzeitig besucht er selbst regelmässig Weiterbildungen. Rund fünf Ausbildungen oder Informationsveranstaltungen pro Jahr sind vorgesehen.

Sind die Grundlagen geschaffen, folgt der nächste Schritt: der Aufbau der nötigen Infrastruktur. Im Herbst 2026 plant Rolf Graf die Einrichtung eines Kommandopostens. Danach soll auch der Notfalltreffpunkt aktualisiert werden. Dabei geht es nicht nur um die Beschaffung von Material, sondern auch um eine genaue Dokumentation – etwa mit Fotos, damit im Ernstfall klar ist, wie alles aufgebaut werden soll. Der Papieraufwand ist gross, doch für Rolf Graf ist er unverzichtbar. «Je unerwarteter ein Ereignis eintrifft, desto mehr muss man sich auf Papier abstützen können», sagt er. «Denn wenn man unter Druck steht, sind solche Checklisten Gold wert.»

Probelauf folgt später

Bis die Strukturen stehen, dauert es noch etwas. Für Herbst 2027 plant die Gemeinde eine erste Stabsübung. «Es braucht ein gutes Szenario, ein gutes Drehbuch und eine gute Übungsleitung», sagt Rolf Graf. Letztere stellt der Kanton. Denn diese Fachperson wird schliesslich beobachten, ob die Abläufe im Ernstfall funktionieren.

Gerade bei Einsätzen in Krisensituationen sei strukturiertes Vorgehen entscheidend. Zunächst werde das Problem erfasst, danach folgen Sofortmassnahmen. «Sie müssen helfen, entlasten, dürfen aber nicht belasten», erklärt Rolf Graf. Anschliessend werden Lösungen entwickelt, ein Entscheid gefällt und umgesetzt. Schliesslich überprüft die Einsatzleitung die Wirkung, danach beginnt die Situationsanalyse erneut.

Selbst vorsorgen

Auch die Bevölkerung kann ihren Teil zur Vorsorge beitragen. Rolf Graf empfiehlt, sich regelmässig darüber zu informieren, wo sich der nächstgelegene Notfalltreffpunkt befindet, und einen kleinen Notvorrat anzulegen. Dazu gehören haltbare Lebensmittel und Trinkwasser für etwa eine Woche. Ebenfalls empfohlen werden ein batteriebetriebenes Radio für die Information der Bevölkerung durch den Bund in Krisenlagen (Ibbk), eine Taschenlampe mit Ersatzbatterien sowie Kerzen, Streichhölzer oder ein Feuerzeug. Weitere Informationen finden sich in der Broschüre «Kluger Rat – Notvorrat» des Bundesamts für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL).

Rolf Graf betont, dass solche Massnahmen nichts mit Angstmacherei zu tun haben. Es gehe vielmehr um Verantwortungsbewusstsein. «Es wird meist heisser gekocht als gegessen», sagt er. Natürlich hoffe man, dass solche Vorkehrungen nie gebraucht werden. Doch wenn der Ernstfall eintritt, bleibt keine Zeit mehr für Vorbereitung.

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