Mit diesem Gottesdienst beginnt auch die Zeit der Trauer, Stille und des Innehaltens. Denn während dieser Messe erklingen in der Kirche das letzte Mal Töne und die Glocken singen ein letztes Lied, bevor sie bis zur Osternacht und Osterfeier am Samstag erstummen. Im Rahmen des Gottesdienstes fand ausserdem das Ritual der Fusswaschung statt, bei dem den Erstkommunionkindern von Erich Hausheer, Elisabeth Imfeld-Koch und Erika Estermann die Füsse gewaschen wurden. Genauso wie es Jesus damals für seine Jünger vor seinem letzten Abendmahl getan hat. Es ist ein Zeichen der Fürsorge, Nächstenliebe und Wertschätzung des anderen, aber auch der Demut. Ausserdem bekamen die Schüler die von ihren Eltern geschnitzten Specksteinkreuze mit auf den Weg, nachdem diese gesegnet worden waren.
Nach dem Besinnen Suppe essen
Am darauffolgenden Freitag fand der alljährliche Fastensuppentag statt, welcher nun schon seit 45 Jahren organisiert wird. Vorab lud die Kirche zur Karfreitagsbesinnung ein, an der die Kinder der 5. Klasse aus Rain zusammen mit der Katechetin Regula Soom die Passionsgeschichte erzählten. Für einige dieser Stationen gestalteten die Schüler vorab Illustrationen aus Karton, Farben, Naturmaterialien und Playmobil, welche anschliessend als Kreuz im Chor ausgestellt wurden. Die Suppe dafür wurde von Alain Strüby gekocht und zur Verfügung gestellt, durch die fleissigen Helfer aufgewärmt und den Besuchern ausgeschenkt. Dazu gab es, wie es sich gehört, ein Stück Brot und zur Nachspeise einen Apfel. Wie jedes Jahr war der Anlass wieder gut besucht und die Leute kamen gerne für einen kleinen Happen sowie das gesellige Beisammensein ins Pfarrheim. Die Einnahmen der Fasteskollekte während des Anlasses kommen dem Projekt «Zukunft Säen» in Guatemala zugute.
«Eiertötsche» in der Osternacht
Der dreitägige Gottesdienst fand seinen Höhepunkt in der Osternacht am vergangenen Samstag und wurde durch Simone Häfliger geleitet und von Franz Troxler und Werner Bucher unterstützt. Um 20.30 Uhr kamen die Leute auf dem Kirchvorplatz vor der Pfarrkirche beim Osterfeuer zusammen, welches von der Pfadi Bäseris vorbereitet wurde, um der Auferstehung Jesu zu gedenken. Dieses wurde durch Franz Troxler und Simone Häfliger gesegnet und dem Feuer wurde eine Kohle für die Segnung sowie Entzündung der Osterkerze entnommen. Die Anwesenden wurden dazu eingeladen, ihre Sorgen, Leiden und Reue am Osterfeuer zu lassen und mit erneuter Kraft auf die Zukunft zu schauen. Anschliessend fanden sich die Kirchenbesuchenden in der dunklen Kirche ein und nahmen eine Stabkerze mit, mit welcher sie das Licht Christ, sprich das Licht der Osterkerze, empfangen durften. Somit brachten sie, wie die Osterkerze selbst, «Licht ins Dunkle» und erfüllten die Kirche in einem wohligen orangenen Licht. Denn die Osterkerze bildet ein zentrales Symbol von Ostern und steht für das «Licht der Welt», das die Dunkelheit im Leben fernhält und für Hoffnung, Zuversicht und Kraft steht. Wiederum kehrten die Klänge in die Kirche zurück, sei dies in Form der Kirchenglocken, Ministranten oder dem Lied Gloria gesungen vom Kirchenchor, geleitet durch Petra Galliker und Petra Besa und unter Mitwirkung von Petra Besa an der Orgel. Als Teil des Gottesdienstes wurde des Weiteren das Osterwasser gesegnet und damit die Heimosterkerzen gesegnet. Zum Abschluss lud die Kirche zu einem gemütlichen Beisammensein beim Osterfeuer und «Eiertötsche» ein.
Dichotomie des Lebens
Diese drei Tage stehen ganz im Zeichen der Dichotomie des Lebens sowie dessen zyklischen Natur. Sei es nun der Kontrast von Leben und Tod, Feuer und Wasser, Licht und Dunkelheit oder Hoffnung und Verzweiflung, welche alles Symbole dieser Zeit sind. Das Feuer spendet Wärme und Zuflucht, Licht und hält die Dunkelheit fern. Aber es reinigt auch das Wasser und macht es trinkbar. Die Hoffnung ist das Licht und das Feuer, welches ermöglicht, die Zeiten der Verzweiflung und Dunkelheit zu überstehen und daran zu wachsen.
Häufig weisen diese Dualitäten eine zyklische Natur auf, welche das Leben in all seinen Aspekten widerspiegelt. Sei es nun durch das Feuer, das aus etwas (einst) lebendigem Asche macht, welche wiederum den Boden für neues Leben fruchtbarer macht. Oder sei dies die Darstellung des Lebenszyklus von Leben und Tod und Auferstehung in der Leidensgeschichte Jesu. Nichts geht wirklich jemals richtig verloren, es existiert lediglich in einer anderen Form weiter. Ähnlich wie es der Satz der Energieerhaltung in der Physik beschreibt. Aber auch das Wechselspiel zwischen Dunkelheit und Licht, Verzweiflung und Hoffnung spiegelt diese zyklische Natur wider. Es soll uns daran erinnern, dass selbst die unüberwindbarsten Hürden oder ausichtlosesten Situationen stets einer zyklischen Natur unterliegen. «Auch der dunkelsten Nacht folgt ein Sonnenaufgang, denn jeder neue Anfang ist das Ende eines Anderen.»


