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Wird Solidarität der Schweiz zu teuer?

Jaana Bühlmann 04. April 2025

Moral, Nächstenliebe, aber auch Budgetkürzungen waren im Gespräch. Denn letzten Donnerstag, 27. März, lud Franz Zemp, 

Moral, Nächstenliebe, aber auch Budgetkürzungen waren im Gespräch. Denn letzten Donnerstag, 27. März, lud Franz Zemp, 

«Ich bin einer, der schaut, wie es früher war», begrüsste Franz Zemp das Publikum. Er selbst sei früher als kleiner Junge einfach stolz darüber gewesen, dass in der Fastenzeit sein «Fastensäckli» gefüllt wurde. Heute sei dies etwas weggefallen, sowie die Selbstverständlichkeit für das Spenden. «Und man stellt auch in der heutigen Weltlage die Frage, ob es überhaupt noch wichtig ist, ob noch drinliegt, solidarisch zu sein», erläuterte Zemp weiter. Darauf knüpfte Moderator Geri Wyss kurz die weltweite Lage zusammen: «Die Entwicklungszusammenarbeit ist tatsächlich in den letzten Jahren stark unter Druck geraten. Einerseits weil viele Konflikte auf der Welt herrschen, weil der Hunger ein permanentes Thema ist und weil auch noch neue Krisen dazugekommen sind, unter anderem auch mit dem Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine. Und jüngst ist auch die Finanzierung unter Druck geraten, nachdem verschiedene Staaten eingegriffen haben, unter anderem Amerika oder England. In der Schweiz hat das Parlament im Rahmen der Budgetdebatte 2025 110 Millionen Franken für die Entwicklungszusammenarbeit gestrichen.» Dies wirke sich auch auf die Arbeit der Fastenaktion aus, erläuterte Bernd Nilles, Geschäftsleiter des nationalen Hilfswerks Fastenaktion.

Nebst Bernd Nilles nahmen Roger Zurbriggen, ehemaliger Mitte-Kantonsrat und Seelsorger aus Neuenkirch, und Pius Kaufmann, Mitte-Nationalrat, an der Podiumsdiskussion in der Tuchlaube im Rathaus Sempach teil. Organisiert wurde das Podium vom Pastoralraum Oberer Sempachersee. Geri Wyss (Ressortleiter Oberer Sempachersee der «Sempacher Woche») leitete das Podium gemeinsam mit Flavia Rivola (Chefredaktorin «Surseer Woche»).

Kürzung beim Falschen?

Für das Hilfswerk Fastenaktion sei es ein schwieriges Jahr gewesen, berichtete Bernd Nilles. 2024 sei sehr turbulent gewesen, für dies müsse aber der Zusammenhang der Dinge gesehen werden. Fastenaktion laufe nur durch Spenden und durch das Bundesbudget für die Entwicklungshilfe. Spenden seien in den letzten Jahren sehr zurückgegangen. Durch die Kürzung des Budgets seitens Bund würden der Fastenaktion weiter rund 700’000 Franken fehlen. So habe man vor Weihnachten gar entscheiden müssen, welche Projekte man einstellen müsse und welche Stellen gestrichen würden. Diese Kürzung des Bundes habe Unverständnis und Schock ausgelöst, erzählte Bernd Nilles. Man habe nicht verstanden, weshalb die Aufstockung der Armee wichtiger als Menschenleben sei. Denn benötige der Bund Geld für die Armee, würde dies eben bei der Entwicklungshilfe gestrichen. Daran knüpfte Pius Kaufmann, Mitte-Nationalrat und Mitglied der Finanzkommission, an: «Nach dem Fall der Berliner Mauer ging man in Europa davon aus, dass es keinen Krieg mehr geben würde.» Deshalb hätten viele Länder, darunter auch die Schweiz, in die Friedensförderung investiert. «Mit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine hat sich die geopolitische Lage massiv verändert», erklärte Pius Kaufmann. Stände- und Nationalrat hätten sich nach einer Einigungskonferenz dazu entschieden, einen Teil des für die Entwicklungshilfe vorgesehenen Budgets anderweitig einzusetzen – nämlich für die Armee. 

Teure Solidarität

Moderatorin Flavia Rivola griff mit ihrer Frage diesen Aspekt weiter auf: «Können wir uns die Solidarität nicht mehr leisten, finanziell und ethisch?» Roger Zurbirggen machte eine deutliche Aussage dazu: «Es ist schon so, dass es im Staatshaushalt einen Interessenkonflikt gibt. Es ist verheerend, dass die Entwicklungskooperationsgelder nicht fixiert werden.» Weiter meinte Zurbirggen, dass die solidarische Verantwortng und allgemeiner Wohlstand Hand in Hand gingen. Im Rahmen des Podiums diskutierte man intensiv über das Thema Verantwortung. Dabei stand insbesondere der Aspekt im Zentrum, welche Verantwortung ein Land wie die Schweiz gegenüber ärmeren Ländern trage. Die Podiumsteilnehmenden waren sich einig: Die Schweiz trage viel Verantwortung. Einerseits gegenüber Hilfesuchenden, andererseits gegenüber dem eigenen Volk. Sonst würde man riskieren, dass sich die Bevölkerung hintergangen fühlt. 

Konsens wurde gefunden

Das Podium war ein Erfolg, so zog Geri Wyss ein abschliessendes Fazit: «Sicher alle stehen in der Verantwortung – was die Solidarität angeht –, auch der Bund. Man darf sich nicht gegeneinander ausspielen: Die eigenen Leute dürfen nicht vergessen werden, damit sie sich mit den armen Ländern identifizieren können und wissen, was mit ihren Spenden passiert.» Der Wohlstand der Schweiz gebe unserem Land eben die Verantwortung, solidarisch zu handeln und den ärmeren Ländern beizustehen. 

Im Anschluss an das Podiumsgespräch nahm man Inputs aus dem Publikum auf. Über unbeantwortete Fragen konnte man beim gemeinsamen Apéro lebhaft weiterdiskutieren. 

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