Was Mehltau besonders macht, sind die Texte. Rothenbühler versteht es, in wenigen Zeilen ganze Geschichten anzudeuten, Bilder entstehen zu lassen und Fragen aufzuwerfen, ohne sie abschliessend zu beantworten. Seine Lieder erzählen von der Suche nach Orientierung in einer Welt, die sich ständig verändert, von gesellschaftlichen Widersprüchen, wiederkehrenden Denkmustern und der manchmal absurden Schwierigkeit, sich in der Gegenwart zurechtzufinden. Dabei sind die Texte bewusst mehrdeutig: Sie laden zum genauen Hinhören ein und entfalten ihre Wirkung oft erst nach und nach. Manchmal ironisch, manchmal melancholisch, immer wieder überraschend verbinden sie persönliche Beobachtungen mit einem Blick auf das grosse Ganze. Die Sprache ist dabei kein blosses Transportmittel für die Musik, sondern ein eigenständiger künstlerischer Ausdruck. Diese Verbindung von literarischer Verdichtung und musikalischer Offenheit verleiht Mehltau eine unverwechselbare Handschrift.
Dass Béla Rothenbühler Geschichten nicht nur in Liedern erzählt, hat er auch in Sempach unter Beweis gestellt. Er schrieb das Stück «Renata – eine Verschwörungstheorie», das vor einem Jahr von der Theatergesellschaft Sempach uraufgeführt wurde und bei dem Marco Sieber, Leiter und Programmgestalter im «Schtei», Regie führte.
Hochkarätige Besetzung
Musikalisch bewegt sich Mehltau zwischen Deutschrock, Folk, Kammerpop und Singer-Songwriter-Klängen. Auch die Besetzung ist hochkarätig: An den Tasten sitzt Dave Inauen, Pianist von To Athena, einer Band, die im «Schtei» bestens bekannt ist und derzeit international für Schlagzeilen sorgt. Am Schlagzeug sitzt Mario Bruderhofer, der bei To Athena als Soundtechniker tätig ist. Für zusätzliche lokale Verbundenheit sorgt Gitarrist David Buntschu, ein ehemaliger Neuenkircher und früherer Redaktor der «Sempacher Woche». Gemeinsam entwickeln die Musiker aus Rothenbühlers Songskizzen vielschichtige Arrangements, die Raum für unterschiedliche Stimmungen und musikalische Wendungen lassen. Ihre stilistische Offenheit bildet den Resonanzraum für die sprachliche Präzision der Lieder.
Am 17. Oktober ist Mehltau im «Schtei» zu Gast. Das Publikum erwartet ein Konzert, in dem sich Musik und Literatur auf besondere Weise begegnen – mit Liedern, die nicht einfach Antworten liefern, sondern Gedanken in Bewegung setzen.
