Am 1. August wird die Schweiz als Nation gefeiert, ihre Werte, ihre Traditionen und ihre Leistungen. Einen allgemeingültigen grössten gemeinsamen Nenner in eine Formel zu fassen, ist gar nicht so einfach. Wer den Spuren des Bundespräsidenten Guy Parmelin, die er in der vergangenen Woche durchs Michelsamt legte, folgte, bekam zwar auch keine Formel, aber zumindest ein gutes Gefühl dafür. Nachdem er im Vorfeld in der Neudorfer Fahnenfabrik Aluart seine 1.-August-Ansprache aufzeichnete, zog es ihn am Bundesfeiertag selbst zum Brunch nach Hildisrieden.
Beim Brunch auf dem Bauernhof
Schon einige Wochen öffentlich bekannt war dagegen, dass Guy Parmelin den 1.-August-Brunch auf dem Bauernhof der Familie Gassmann in Hildisrieden besuchen würde. Dieser war auf dem Weg zum Rütli, wo er am Nachmittag zur Ansprache erwartet wurde, ideal gelegen. Ausserdem war es auch eine Wertschätzung an die Gastgeber, die einen solchen Brunch schon seit 33 Jahren anbieten. Und damit mehr als nur 1.-August-Stimmung verbreiten. Bloss während der zwei Corona-Jahre fiel er aus.
Die über vierhundert Gäste hätten auch ohne den prominenten Gast einen perfekten Auftakt in den 1. August erlebt. Etwas mehr als das sprichwörtliche Tüpfelchen auf dem i war der bundespräsidiale Besuch natürlich schon. So viele Fotos wie heute dürften auf dem Hof «Stross» noch kaum je innert drei Stunden «geschossen» worden sein. Trotz des besonderen Renommees ging die Bodenständigkeit des Anlasses nicht verloren. Wo, wenn nicht in der Schweiz, würde sich ein Regierungspräsident wie alle anderen in die Warteschlange für Rösti, Speck und Spiegelei stellen? Und würde sich dabei mit Anwesenden auf einen freundlichen Schwatz einlassen? Man spürte: Guy Parmelin gab sich nicht nur volksnah, er ist es trotz höchster politischer Würden auch tatsächlich geblieben. Nebst seiner Ehefrau Caroline war natürlich auch eine Anzahl persönlicher Mitarbeitender mit dabei wie auch Sicherheitsleute. Auch diese erledigten ihre Aufgaben auf typisch schweizerische Art dezent.
Aus eigener Erfahrung
Als ehemaliger Landwirt wurde der Hofrundgang mit Gastgeber Armin Gassmann zum interessanten gegenseitigen Austausch darüber, wie der Hof gelagert ist und welche Hürden er überwinden muss. Natürlich war die aktuelle Futterknappheit infolge der anhaltenden Trockenheit Thema, aber auch das Raumplanungsgesetz, das beim Umbau des Wohnhauses für Probleme sorgt.
Den kurzen offiziellen Teil des Brunches eröffnete Martin Rufer, Direktor des Schweizer Bauernverbands. Er erklärte den Sinn des Brunches: Es sei ein Brückenschlag zwischen Stadt und Land, der dem Ziel diene, in der breiten Bevölkerung Verständnis für die Anliegen der Landwirtschaft zu schaffen. Dies verbunden mit dem Erlebnis, einheimische, regionale Produkte zu geniessen.
Dann gab er das Wort dem Gastgeber Armin Gassmann, der die Anwesenden willkommen hiess. Darunter befand sich auch weitere Prominenz, Nationalrätin Vroni Thalmann und Nationalrat Leo Müller.
Anschliessend blickte er zurück: Zum ersten Brunch vor 33 Jahren seien 70 Gäste gekommen, und zehn Helfer seien im Einsatz gewesen. Heute waren 450 Leute da und dreissig – einst wie heute eingespielte – Helfer im Einsatz. Besonders hob er dabei seine Ehefrau Marianne hervor, die schon seit Beginn organisatorisch federführend engagiert ist, womit er einen spontanen, grossen Applaus für sie auslöste. Und er doppelte nach: «Der Brunch war immer mehr als ein Zmorge, er sollte immer die Begegnung von Stadt und Land möglich machen, von Leuten mit unterschiedlichem Hintergrund.» Zum Schluss wünschte er allen einen wunderschönen 1. August.
Dank aus dem Bundeshaus
Dann trat der Bundespräsident ans Mikrofon. Als ehemaliger Landwirt ist Guy Parmelin damit bestens vertraut, und so sprach er in seiner Rede vielen Anwesenden – zum grossen Teil selbst Landwirte – aus dem Herzen, wenn er beispielsweise sagte: «Die Schweiz lebt von ihren Bauernhöfen, ihren Dörfern, ihren Tälern, ihren Alpen. Sie lebt von Frauen und Männern, die früh aufstehen, bei jedem Wetter arbeiten, den Wert einer Ernte kennen, das Gewicht einer Verantwortung, die Schönheit einer gepflegten Landschaft und den Stolz auf eine gut gemachte Arbeit.» Er schloss: «Ihnen, allen Bauernfamilien der Schweiz und allen anderen, richte ich heute einen einfachen und aufrichtigen Dank aus.»
Dann war eine grössere Fotosession angesagt. Viele wollten die besondere Begegnung bildlich festgehalten haben. Wenn – was oft geschah – die Arme für ein Selfie zu kurz wurden, übernahm Parmelins Kommunikationschef, der ehemalige «Arena»-Moderator Urs Wiedmer, bereitwillig die Handys der Anwesenden, um sie mit seinem Chef abzulichten. Die mitgereiste Weibelin Tiziana Weisshaupt stellte sich, wenn gewünscht, ebenso bereitwillig dazu. Musikalisch verbreiteten das «Duo Vögeliwohl» (Moritz und Olivia Vogel) und das «Alphorntrio Seebrise» (Rita Boog, Monika Körner und Petra Sager) Feststimmung. Auch dann noch, als die Delegation aus Bern wieder ihren Bus bestieg und sich auf den Weg auf das Rütli begab.


