Die Brassband Bürgermusik Luzern (BML) nahm Ende Mai am legendären «Whit Friday Brass Band Contest» in der Nähe von Manchester teil. Mitten drin: Stefan Barmet aus Hildisrieden. Dem 1. Baritonisten blieben die enthusiastischen Zuschauer, die typisch englische Feststimmung entlang der Strassen und der zweite Rang in Delph in bester Erinnerung.
Wenn sich Zuschauer in der englischen Region Saddleworth und Tameside mit Campingstühlen am Strassenrand postieren, kann das nur eines bedeuten: Der Whit Friday March Contest steht an. Die traditionsreiche Reihe von Brass-Band-Wettbewerben findet jedes Jahr am Freitag nach dem kirchlichen Fest Whit Friday im Nordwesten Englands statt. Und in diesem Jahr strahlte der Event sogar bis in die Region: Mit der Teilnahme der Brassband Bürgermusik Luzern blies auch Stefan Barmet aus Hildisrieden den Marsch auf englischen Strassen. «Das war ein riesiges Erlebnis», berichtet der 1. Baritonist begeistert und verortet den Whit Friday Brass Band Contest irgendwo zwischen Wettbewerb, Volksfest und Fasnacht.
Zweite Teilnahme seit 2008
Der Anlass gilt in der Brass-Band-Szene als Kult und zieht jedes Jahr zahlreiche Bands aus Grossbritannien und darüber hinaus an – auch aus der Schweiz. Heuer passte die Teilnahme für die Bürgermusik Luzern ideal ins Jahresprogramm. «Da in diesem Jahr kein Luzerner Kantonaler Musiktag stattfand und wir nicht am Eidgenössischen Musikfest teilnahmen, bot sich mit der Reise nach England eine gute Gelegenheit», erklärt Stefan Barmet.
Bereits 2008 nahm die Formation am Wettbewerb teil. Nur noch ein paar wenige Musiker, die damals bereits dabei waren, spielen auch heute noch in der Bürgermusik. Schon länger sei der abtretenden Bandmanagerin und dem langjährigen Dirigenten vorgeschwebt, wieder einmal eine Wettbewerbsteilnahme ins Auge zu fassen. Nach einer Anfrage beim Engländer Phil Beckwith, der die Teilnahme für Vereine ausserhalb Grossbritanniens organisiert, stand dem Abenteuer Whit Friday nichts mehr im Wege.
Mit «Lesmete» am Strassenrand
In England selbst begeisterten dann nicht nur die Vielfalt der rund 150 teilnehmenden Vereine, sondern auch die Menschen vor Ort. In den malerischen Dörfern versammelten sich die Zuschauer am Strassenrand – mit Campingstühlen, Strickmaterial, Büchern und Bier für die Wartezeit, bis die Bands kamen. Das beeindruckte Stefan Barmet besonders: «Man hatte das Gefühl, das ganze Dorf sei auf den Beinen», erinnert er sich.
Der Whit Friday ist kein klassischer Wettbewerb, wie man ihn aus der Schweiz kennt. Die Bands reisen per Car von Dorf zu Dorf und tragen zwei Stücke an mehreren Orten vor. Einerseits ein frei gewähltes Stück – meist ein traditioneller Marsch, vereinzelt aber auch Evergreens oder aktuelle Hits –, das marschierend auf der Strasse präsentiert wird. Andererseits ein typisch englischer Konzertmarsch, der stehend am eigentlichen Wettbewerbsplatz und ohne Schlagzeugbegleitung aufgeführt wird. «Unser Ziel war, in sechs bis acht Orten zu spielen», so der Hildisrieder. Die Jury sitzt dabei versteckt in Wohnwagen, Gebäuden oder privaten Räumen, um die Vereine möglichst unvoreingenommen zu bewerten. So war auch heuer der markante weisse Wohnwagen, der der Bürgermusik bereits 2008 aufgefallen war und in einem alten Youtube-Video zu sehen ist, wieder vor Ort.
Luzerner begeisterten auch mit Marschdisziplin
Insgesamt spielte die Bürgermusik Luzern ihren Wettbewerbsmarsch «Knight Templar» in sieben Ortschaften – unter anderem in den malerischen Dörfern Delph, Dobcross und Greenfield. Dazwischen ging es jeweils mit dem Car weiter zum nächsten Austragungsort. Das erforderte viel Ausdauer. «Man musste sich immer wieder neu einschreiben und anstehen», erzählt Stefan Barmet. Beim Marschieren durch die Gassen selbst fuhr der Car direkt hinter den Musizierenden her, damit die Weiterfahrt möglichst rasch erfolgen konnte. Gestartet wurde gegen 16 Uhr, die letzten Auftritte dauerten bis kurz nach Mitternacht. Bei vielen – auch bei Stefan Barmet – kam dabei richtiges Open-Air-Feeling auf. Je länger der Abend dauerte, desto mehr floss auch das Flüssige, und entsprechend ausgelassener wurde die Stimmung unter den Briten. Besonders beeindruckt haben die Schweizer Gäste mit ihrer präzisen Marschdisziplin – etwas, das in England nicht überall gleich wichtig genommen wird.
Mehrere Auszeichnungen erspielt
Auch wenn der musikalische Wettbewerb nicht allein im Zentrum stand, sondern vor allem das Erlebnis an sich, durfte sich die Brassband Bürgermusik Luzern schliesslich über eine Podestplatzierung freuen: In Delph resultierte der starke zweite Rang. In der Gesamtwertung der Region Saddleworth klassierte sich die Band auf Rang 8 von 42 rangierten Formationen. Dabei ist anzufügen, dass es mindestens sechs erspielte Resultate braucht, um es auf die Gesamtrangliste des Bezirks zu schaffen. Hinzu kamen mehrere Spezialpreise als beste «Non-UK-Band» sowie eine Auszeichnung für den besten Bassposaunisten aus den eigenen Reihen.
«Es hat einfach alles gepasst»
Neben dem Wettbewerb blieb nur wenig Zeit für touristische Ausflüge. Am Samstag besuchte die BML die Stadt York, bevor am Abend ein Benefizkonzert mit der lokalen Hepworth Band stattfand. Zurück im Hotel wurde dann gemeinsam mit anderen Schweizer Bands gefeiert, die ebenfalls dort untergebracht waren. «Es ging nicht lange, und wir hatten den britischen DJ mit unseren Schweizer Hits in der Tasche», berichtet Stefan Barmet schmunzelnd. Die Rückreise am frühen Sonntagmorgen bestritten einige direkt ohne Schlaf – entsprechend schnell wurde es im Flugzeug zurück in die Schweiz still. Mit im Gepäck: zahlreiche Erinnerungen, neue Eindrücke und ein vor Freude strotzendes Musikerherz. Stefan Barmets Fazit: «Toller Anlass, gutes Wetter, top Organisation und eine super Kameradschaft – es hat einfach alles gepasst.»


