Anders als so manches Grimm’sches Märchen, begann das des neuen Hildisrieder Fasnachtsoberhaupts nicht mit «Es war einmal …», sondern mit dem Ausspruch, der die Fasnachtsherzen in Hildisrieden höherschlagen lässt: «Hört, hört, wacht auf und lasst euch sagen: Fasnacht wirds in diesen Tagen …» Und so geschah es vor nicht allzu langer Zeit, am «Bäärzalistag» von vergangener Woche, dass ein junges Mädchen mit blonden Zöpfen und roter Kutte durch den Hildisrieder Tannenwald streifte: das Rotkäppchen. Es war nicht nur auf der Suche nach frischen Pilzen, sondern auch nach dem diesjährigen Zunftmeister der Götschizunft Hildisrieden. Ebenso wie die 13 Zunfträte und rekordverdächtigen 159 Zünftigen, die sich für den Zunftbot 2026 im Saal des «Roten Löwen» zusammenfanden. Bevor das Rotkäppchen allerdings zum Zug kam, standen die obligatorischen Versammlungstraktanden an, durch die Zunftratspräsident Georg Rüttimann speditiv führte. Dazu gehörten unter anderem ein kurzweiliger Jahresrückblick sowie die Festsetzung des Jahresbatzens «als stabiler Richtwert, trotz der unverschämten Zölle von Onkel Donald». Kurzum gelangte man so zum Highlight des Abends: der Verkündigung des neuen Zunftmeisters.
Publikum wirkt mit
Wie alle Jahre versprach ein humorvoller Sketch der Zunfträte, das grosse Geheimnis um den Nachfolger von Pirmin I. zu lüften. Doch wider Erwarten standen nicht nur Räte im Rampenlicht der Löwen-Bühne, sondern verschiedene Darsteller aus dem zünftigen Publikum kamen spontan zum Handkuss. Dank ihrer Nachnamen fanden sich schnell passende Schauspieler, die Wölfe und Füchse verkörperten oder sich ein rotes «Käppeli» umhängten. Da es am Zunftbot an «Hildisrieder Mannen» mit Familiennamen «Bär» mangelte, kamen nach dem lateinischen und französischen Pendant zwei «Urs» zum Einsatz. Gleiches geschah mit einem erfahrenen Jägersmann, der seinen eigenen Hochsitz bekam, sowie einem blitzschnellen Skifahrer, der als schneller Vogel seine Schwingen ausbreitete. Hinzu kamen verschiedene Zunfträte in altbekannten Rollen. So hatte Kanzler Markus Estermann in seiner Funktion als Erzähler eine bunte Schauspielertruppe zusammen.
Einen Ursus auserkoren
Auf seiner Tour durch den Wald um die Götschi-Zunfthütte traf das Rotkäppchen so allerhand tierische Bekannte. Der Jäger schlug diese mit seinem Gewehr in die Flucht, in die Zunfthütte – oder erlegte sie kurzerhand: «Öb Wouf oder Muus, de Loosli macht es Wörschtli druus.» Nachdem sich so verschiedene Schauspieler und somit potenzielle Kandidaten in der Zunfthütte versammelt hatten, offenbarte sich nach viel Rauch und Getöse der wahre 87. Zunftmeister: Urs Käppeli. Er wurde vom Saal mit tosendem Applaus willkommen geheissen und ins Amt gewählt. Gemeinsam mit seiner Frau Daria wird Urs I. unter dem Motto «De Bär esch los … drom werd die Fasnacht tierisch grandios» die Hildisrieder Bevölkerung durch die kommende Fasnacht führen. Dies passt nicht nur zu seinem Vornamen, sondern auch zu seiner aktiven Guuggenmusik-Zeit, in der er die Bäribrommer Sempach mitbegründete. So werden für ihn nebst dem diesjährigen Heimspiel des Michelsämter Fasnachtsumzugs in Hildisrieden besonders die Guuggen-Klänge zum fasnächtlichen Highlight.
Verschneites Ende
Mit dem Beginn der Fasnachtssaison 2026 fand man nicht nur ein neues Fasnachtsoberhaupt, sondern es fand auch die Götschizunft-Karriere eines langjährigen Mitglieds ihr Ende. Nach rund 20 Jahren im Zunftrat, davon neun als Präsident und mit seinem Zunftmeister-Jahr 2023, gibt Oliver Rüttimann seinen Platz im Zunftrat weiter. Seine Ratskollegen und die Zünftigen verdankten seine jahrelange, tatkräftige Arbeit mit einem grossen Applaus. Nach den Ständli der Musikgesellschaft Hildisrieden und der Lüütertüter Höudisriede zog es die zahlreichen Hildisrieder noch ins Clubhaus Bogehüsli, wo der Bär noch bis in die frühen Morgenstunden steppte. Und wenn sie durch den hohen Schnee nicht heimgekommen sind, dann feiern sie noch heute.
Wer ist der neue Zunftmeister?
Zur Person Urs Käppeli ist verheiratet mit Daria und Vater von zwei erwachsenen Kindern, Tim und Lisa. Er ist 59 Jahre alt und in Hildisrieden aufgewachsen. Nach seiner Lehre als Polymechaniker und verschiedenen Weiterbildungen hatte er viele Jahre verschiedene Führungsfunktionen im Supply-Chain-Management inne und leitet heute den globalen Einkauf bei Leister Technologies in Sarnen. Daneben ist er gerne in der Natur unterwegs, beim Biken, Joggen, Skifahren oder trifft sich gemütlich mit Freunden. In seinen Jugendjahren war seine Freizeit geprägt von zwei grossen Hobbys: Fussball und Fasnacht. So war er im HSV und der Guuggenmusik Bäribrommer Sempach viele Jahre aktiv und wurde in beiden Vereinen zum Ehrenmitglied ernannt. Zudem wirkte er in der Kleinformation «11er Musig» mit, die inzwischen nicht mehr musikalisch, dafür mit ihrem Wagen am Umzug in Hildisrieden aktiv ist.











