Am vorvergangenen Samstag herrschte in Sempach geschäftiges Treiben. Schon am Morgen streiften die Leute zielstrebig durchs Städtli und seine Läden, der Seevogtey-Parkplatz füllte sich langsam mit Gästen auf der Suche nach Erholung, und auch vor dem Sempacher Rathaus versammelte sich eine bunt zusammengewürfelte Gruppe. Nicht etwa um ihren haushaltlichen Erledigungen nachzugehen oder das sommerliche Wetter zu geniessen, sondern um der Geschichte der Stadt Sempach etwas näherzukommen. So besuchten sie gemeinsam die öffentliche Führung durchs Sempacher Rathaus. Diese ist Teil der sommerlichen Veranstaltungsserie des Museumsvereins zum Rathaus, der an insgesamt neun Terminen im Juli und August Sempach und seine Geschichte unter die Lupe nimmt.
Wissen für alle
«Es gibt noch immer viele Leute, die schon lange in Sempach oder der Umgebung wohnen und kaum etwas über die geschichtlichen Hintergründe der Stadt wissen», berichtet Alexander Lieb. So sollen die öffentlichen Führungen im Sommer einerseits daheimgebliebenen Einheimischen einen auffrischenden Einblick geben, andererseits interessierten Feriengästen ihr Reiseziel genauer erklären. Dies scheinbar mit Erfolg, denn auch bei der Rathausführung setzte sich die Besuchergruppe ganz gemischt zusammen – spontane Campinggäste auf Erkundungstour, Interessierte aus umliegenden Gemeinden sowie langjährige Sempacherinnen und Sempacher.
Von unten bis oben
Beginnend im Erdgeschoss des Rathauses führte Alexander Lieb durch die Ratsräumlichkeiten und zugleich die verschiedenen Kapitel der Sempacher Geschichte. So durfte ein Abstecher in die religiösen Gebräuche, Kirchen und Feiertage nicht fehlen. Aber auch alltägliche handwerkliche Erklärungen, beispielsweise warum es nicht unüblich war, ein Schwein im Rathaus hängen zu sehen, oder wie der Brandschutz früher gehandhabt wurde, durften nicht fehlen.
Die Tuchlaube, die selbst eine bewegte Geschichte hinter sich hat – vom Ort für Tuchhandel bis zur Räumlichkeit der Vogelwarte –, markierte den nächsten Halt. So boten die dort präsentierten Ausstellungsstücke nicht nur für die älteren Besucher Gelegenheit, in alte Zeiten abzutauchen, auch die jüngsten studierten sie gespannt und löcherten Alexander Lieb mit Fragen, worauf er mit Freude antwortete.
Später konnte man sich dank Liebs interessanter Anekdoten bildhaft vorstellen, wie der Bürgersaal mit seinem dunklen Täfer früher daherkam und wie sich die Suche nach dessen aufwendig gestalteten Fenstern um die ganze Welt zog. Und nach einem Exkurs in Sachen Sempachersee, Baden und Wasserkraftgeschichte gings in den Dachstock, der gänzlich der Schlacht bei Sempach gewidmet ist. Dort wird nicht nur der geschichtliche Hergang der Schlacht thematisiert, sondern auch deren gesellschaftliche Bedeutung und erinnerungskulturelle Aufarbeitung.
Mit all dem Wissen im Hinterkopf lässt sich künftig wohl mit anderen Augen durchs Städtli, am See entlang oder zur Schlacht spazieren. Und wessen Wissensdurst noch nicht gestillt ist, findet in den weiteren Führungen noch allerhand weiteres Interessantes.
Weitere öffentliche Führungen
Der Museumsverein zum Rathaus bietet über den Sommer noch weitere öffentliche Führungen zu Sempach und seiner Geschichte an. Diese kosten für Erwachsene 5 Franken, für Kinder ist der Eintritt gratis. Führungsbeginn ist jeweils um 10 Uhr. Alle weiteren Informationen sind zu finden unter https://museumsempach.ch/fuehrungen/.
Sonntag, 2. August, Städtliführung
Samstag, 8. August, Rathausführung
Sonntag, 16. August, Städtliführung
Samstag, 22. August, Kirchbühlführung
Sonntag, 30. August, Turmführung




