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Jede Person kann Leben retten

Marion Gredig 05. Juli 2026

Die SLRG (Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft) zählt 23’000 Mitglieder. Im Interview erklärt Mediensprecher Philipp Merki, dass die SLRG das Ziel verfolgt,  

Die SLRG (Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft) zählt 23’000 Mitglieder. Im Interview erklärt Mediensprecher Philipp Merki, dass die SLRG das Ziel verfolgt,  

Herr Merki, jedes Jahr sterben rund 50 Menschen in Schweizer Seen und Flüssen. Warum nimmt die Zahl trotz der Präventionsarbeit nicht ab?

Die 50 tödlichen Unfälle pro Jahr sind ein langjähriger Durchschnitt. In den letzten Jahren schwankt die Zahl: Letztes Jahr waren es 43 Fälle, damit lagen die tödlichen Ertrinkungsunfälle zum ersten Mal seit 2021 wieder unter dem langjährigen Durchschnitt. Ein Teil liesse sich verhindern, wenn man sich an die SLRG-Empfehlungen hält. (Siehe Box mit Baderegeln.) Eine der wichtigen Regeln: nie ohne Auftriebsmittel ins offene Gewässer, denn über 90 Prozent der tödlichen Unfälle passieren in offenen Gewässern – nicht in Bädern.

Wie erkennt man eigentlich, wenn jemand in Not gerät? Viele glauben, Ertrinkende würden laut um Hilfe rufen.

Das ist falsch. Eine Person in Not versucht, die Atemwege so lange wie möglich über Wasser zu halten. Meist ist die Person in senkrechter Position im Wasser, macht rudernde Armbewegungen und hat einen starren Blick. Typischerweise verschwindet in einer solchen Situation der Kopf immer mal wieder im Wasser und taucht wieder auf. In dieser Situation hat die Person nicht mehr die Kapazität, laut um Hilfe zu rufen oder den Arm zu heben. 

Welche Faktoren führen am häufigsten zu schweren oder tödlichen Badeunfällen?

Die Risiken des Wassers werden unterschätzt, die eigenen Fähigkeiten überschätzt. Bei einem Fluss gibt es Strömung, Hindernisse, wechselnde Wasserstände. Selbst am gleichen Ort zeigt sich der Fluss von Tag zu Tag ganz anders.

Wichtig ist die Ausstiegsstelle. Ist man ohne Ortskenntnis unterwegs, treibt  man plötzlich an der Ausstiegsstelle vorbei. Dann kann Panik entstehen, wenn man nicht weiss, wo man wieder aus dem Fluss herauskommt. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen:  Angst, ein falsches Verhalten und daraus resultierende Erschöpfung können zum Beispiel dazu führen, dass eine Person zunehmend  in Not gerät und im schlimmsten Fall ertrinkt.  

Kann jede und jeder ein Lebensretter, eine Lebensretterin sein? 

Absolut. Wir empfehlen: Immer nach dem geringsten Risiko retten. Wenn man jemanden im Wasser sieht, nicht einfach ins Wasser springen. Die eigene Sicherheit muss immer bedacht werden. Das richtige Vorgehen lernt man in den SLRG-Kursen. Sonst gilt: Zuerst alarmieren,  z.B. den Bademeister oder  das Personal rufen,  an offenen Gewässern die Polizei über 117 oder den Notfall über 144 alarmieren, den Notrufknopf drücken, oder auch andere Leute aufmerksam machen.

Sie haben die Kurse erwähnt. Wer kann teilnehmen? 

Alle Personen ab 14 Jahren, die interessiert sind. Es braucht keine Voraussetzungen, ausser dass man schwimmen kann.  Der Kurs Brevet Basis Pool dauert insgesamt sieben Stunden und kann in der ganzen Schweiz absolviert werden. 

Ist es technisch möglich, dass eine 55 kg schwere Frau einen 80 kg schweren Mann aus dem Wasser bringt?

Ja, mit der richtigen Technik ist es möglich, eine gewisse Differenz zu überbrücken, denn im Wasser reduziert der Auftrieb das effektive Gewicht.  Erschwerend können in diesem Moment Panik, Erschöpfung, aber auch die allfällige Strömung im Fluss dazukommen. Dies sind alles Inhalte, welche in einem SLRG-Kurs erlernt werden.