Skip to main content Skip to page footer

Suchformular

Anmeldung wird geprüft

Kolumne: Lovestory im Rückspiegel

Ramon Wolf 22. Februar 2026

Warten bedeutet nicht immer Langeweile. Manchmal zeigen auch die Momente des Stillstands interessante Geschichten. Eine Kolumne von Ramon Wolf.

Warten bedeutet nicht immer Langeweile. Manchmal zeigen auch die Momente des Stillstands interessante Geschichten. Eine Kolumne von Ramon Wolf.

Führt mich mein Weg in die Redaktion mal nicht über die Autobahn, sondern via die «änere» Seeseite, bleibt mir, wie allen anderen Automobilisten, nichts anderes übrig, als geduldig an den vier Ampeln zwischen Sempach Station und Oberkirch aufs grüne Licht zu warten. Auch wenn diese in den meisten Fällen meine Geduld auf die Probe stellen, mich morgens dazu zwingen, fleissig die Melodien aus dem Radio mitzupfeifen, und abends den See genau zu studieren, versuche ich diese kurzen Stopps weniger als Hindernis denn als erzwungene Entschleunigung zu sehen. So bietet sich mit einem Blick so manch unterhaltsame Beobachtung, die sonst in der Hektik des Strassenverkehrs untergehen würden. 

Beispielsweise wurde ich so unbewusst Zeuge einer Art Bravo Foto-Lovestory, in der Bild für Bild eine Liebesgeschichte erzählt wird:   Ein verregneter Mittag. An der ersten Ampel stehend, schaue ich mich um und blicke zufällig in den Rückspiegel. Im Auto hinter mir, einem schwarzen Kombi, sitzt ein Paar, das die Wartezeit mit einem innigen Kuss und verliebtem Grinsen überbrückt – sie hinter dem Steuer, er als Beifahrer. «Schön für sie», denke ich, schaue wieder auf die Strasse und trällere den Song im Radio mit. In meiner Erinnerung ist es eine 80er-Schnulze, in Realität war es das wohl kaum. Die Ampel wird grün.

Nächstes Rotlicht, nächster Song im Radio. Ich gehe meine To-dos für den Nachmittag durch. In meinen Gedanken versunken, schweift mein Blick wieder über den Rückspiegel. Hinter mir immer noch dasselbe Auto, das ich bereits wieder vergessen hatte. Doch das Paar, das noch zwei Autominuten zuvor aussah, als würde es frisch verliebt in die ersten gemeinsamen Ferien reisen, würdigt sich keines Blickes und beide starren grimmig durch ihre Seitenfenster. Spätestens als die Stimmung bei Ampel drei noch immer kälter ist als das Wetter draussen, ist meine Neugier geweckt. Was da wohl den spontanen Stimmungsumschwung verursachte? Die falsche Wortwahl, ein geschmackloser Witz, ein gestandenes Geheimnis?

Trotz spannender Ideen zu Intrigen und Familienärger ziehe ich mit meinem «Göfi» davon und verliere das Auto des Interesses kurzzeitig aus den Augen. Als es an der vierten und letzten Ampel wieder hinter mir steht, staune ich nicht schlecht: Der Beifahrer ist weg, die Stimmung dem taktvollen Wippen und Lachen der Fahrerin nach wieder sichtlich besser.

Ob die Freude davon stammt, dass man sich wieder versöhnen konnte oder aus Erleichterung über den abgeladenen Ursprung des Ärgers, wird für immer ungeklärt bleiben. Aber bei so viel Kopfzerbrechen, wie mir dieses voyeuristische Intermezzo im Nachgang bereitete, werde ich künftig wohl die Augen auf dem Rotlicht behalten.

Schon gelesen ?

152485_152490.jpeg

Sport

Olympia-Silber für Sempacherin

Marion Gredig 22. Februar 2026
151950_151969.jpeg

Sport

Rückkehr nach der Verletzung

Marion Gredig 22. Februar 2026
151832_151891.jpeg

Sport

«Belastung sofort stoppen»

Marion Gredig 22. Februar 2026
152478_152481.png

Sport

Bitteres Aus für Livio Wenger

Marion Gredig 21. Februar 2026