Hildisrieden wurde am vergangenen Sonntag zum dampfenden Hotspot der Konfettischleudern und Stimmungskanonen, der Narrenwagen und Guuggerklänge, der fliegenden Bonbons und aufgefangenen Orangen, kurz: des fasnächtlichen Umzugstreibens mit Tausenden von Beteiligten vom Zunftmeister bis zum Zuschauer in Zivil.
Einzige bunte Augenweide
Sehen und gesehen werden – davon gabs die nächsten Stunden jede Menge. Alle und alles war kostümiert und farbig aufgepeppt in allen möglichen Rollen und Figuren. Die Häuptlinge, Ballerinas, Rocker, Raubtiere und Clowns – waren sie verkleidet oder hatten sie einfach für einen Tag ihre Seele nach aussen gekrempelt? Das Volk war eine einzige, bunte Augenweide. Auf der VIP-Tribüne gabs schon mal einen Kafi Schnaps zum Vorglühen.
Vom Bären verfolgt
Die Umzugsgastgeber machten den Anfang. Die schränzenden Lüütertüter – wie gewohnt mit Bässen in Erhöhung – gingen der Götschizunft-Kutsche voran. Darin winkten und strahlten Zunftmeister Urs I. Käppeli und seine Daria mit Familie. Sie wurden verfolgt von einem fürchterlichen, überdimensionierten Bären mit aufgerissener Schnauze (Fabrikat Götschizunft) – das hat man dann davon, wenn man als Motto wählt: «Der Bär ist los.»
Rollende Attraktionen
An rollenden Attraktionen mangelte es daraufhin nicht. Auf dem Götschi-Altzunftmeisterwagen wurde der Strassenstrich im Ibach mit zwei lasziven Schönheiten (Altzunftmeister) auf die Schippe genommen. Die 11er-Musig kam rauchend mit gebratenem Fisch hinterher und das Quartier Sonnerain mit selbstgebautem Whirlpool und Kapelle. Bunt und originell auch die Schule Hildisrieden. Griechisch angehaucht folgte der Eichhörnliclub mit Traktor und Wagen, und richtig mit Basteln ins Zeug gelegt hatte sich die Gruppe «Konsequänt labil»: Zu Fuss schoben, zogen und rollten sie als katastrophal vorbereitete «Prepper» die unmöglichsten Survival Kits mit sich herum – man kann ja nie wissen, was passiert. Keinen Aufwand gescheut hatte auch das Dröschteam Hildisrieden, angeführt von einem vor dem Zugfahrzeug baumelnden, selbstgebauten Kleinflugzeug – Aufschrift DPD – mit munterem Piloten, der ein papierfetzenschleuderndes Konsumchaos mit sich zog, als Seitenhieb gegen die Konsumwut der Gesellschaft. Vieles an diesem Umzug war in stundenlanger Handwerksarbeit gebaut, bemalt und beschriftet worden, mit hohem Zeitaufwand für die paar wenigen Minuten lustvollen Auftritts.
Auch die Nachbarszünfte waren ihrem eigenen Motto entsprechend vertreten: Thomas II. aus Neudorf thronte auf einer Art Musikbox und Petra I. aus Beromünster auf einem Schiff, gefolgt von einer rollenden Geburtstagstorte, denn die Fleckenzunft feiert ihr 125-jähriges Bestehen.
Jede dritte Nummer eine Guugge
Für das nötige Klangvolumen dieses Umzugs sorgten sage und schreibe 14 Guuggenmusiken, das heisst: fast jede dritte Formation war eine Guugge. Aus dem Michelsamt waren, abgesehen von den Bogeteguuggern, die zeitgleich in Schlierbach ihrer Verpflichtung nachkamen, alle vertreten. Dazu kamen weitere Guuggen aus dem Seetal – alles in allem ein Meer aus Sujets, Songs und Rhythmen. Den Abschluss machten die Högerlis aus Nunwil.
Zunftmeisterhaft und sensationell
Zunftmeister Urs I. Käppeli resümierte nach dem Umzug glücklich auf der Tribüne: «Es war wunderbar. Diese Ehre! Als Zunftmeister durch das Dorf gefahren zu werden … all die Leute, die dich ansprechen … sensationell!» Das Highlight seiner Amtszeit war gelungen. Nicht zuletzt auch wegen des Wetters, das allen Prognosen zum Trotz pünktlich zur Startzeit aufheiterte und die warme Sonne durch die Wolken strahlen liess.

