Sie gehören zum Start in die Fasnacht wie Konfetti, Kostüme und der unvermeidliche Kafi Schnaps im Magen. Die drei Theologen Herbert Gut, Urban Schwegler und Franz Zemp sind auch dieses Jahr wieder als päpstliches Trio unterwegs – und zwar bereits zum neunten Mal.
Routine? Von wegen! Wenn urbi@orbi ruft, pilgert ganz Sempach zuverlässig in die Kirche. Ein altbewährtes Spektakel also, das in Sempach längst Kultstatus geniesst. Auch heuer war die Pfarrkirche wieder bis auf den letzten Quadratmeter gefüllt. Wer zu spät kam, schaute in die Röhre – oder besser gesagt: über Köpfe hinweg. Durch die neue Bestuhlung in der Kirche war nichts mehr mit gemütlichem Zusammenrücken. So musste sich der eine oder andere Fasnächtler mit der hintersten Reihe begnügen – stehend, versteht sich. Franz Zemp erklärte in seinen Reim-Versen gerade schon zu Beginn, dass die nächste Stunde dem Humor und dem Lachen gewidmet sei: «Lache wemmer uf kei Falle vermiede, schöscht wörded jo no üsi Gsechtsmoskle drondert lide».
Auch wenn urbi@orbi in Sempach längst zu den alten Hasen gehört, ganz ohne Premiere ging es dann doch nicht über die Bühne – oder besser gesagt: über den Altarraum. Die Kleinformation Obacht spielte nämlich zum allerersten Mal in einer Kirche. Dass der Auftritt am Sonntagmorgen zu den frühesten Einsatzzeiten in der Bandgeschichte zählen dürfte, überspielten die zehn Musikanten mit bewundernswerter Routine. Von Müdigkeit keine Spur, stattdessen sorgten sie mit ihren musikalischen Klängen für die perfekte fasnächtliche Umrahmung des Gottesdienstes. Mal leise, mal laut, mal in der Hocke, mal kerzengerade stehend – Abwechslung war garantiert. Und das Publikum? Das liess sich nur allzu gern mitreissen und bewies einmal mehr: Fasnacht funktioniert auch ohne Ausschlafen.
Eich, Odermatt und Co. – niemand blieb verschont
Auch wenn der Humor während des Gottesdienstes an vorderster Stelle stand, manchmal muss man auch mal loswerden, was einen ärgert. Auf die Frage, was denn Franz Zemp ärgert, hatte dieser prompt eine Antwort: «D Eicher. Die hei etzt so Expansionsdräng. Etzt hei sie d Seematt kouft, am liebste wördes wahrschindli grad d Chele choufe. Z Sempach geds jo gli kei Stapi meh. Wie lang geits echt, bes die Eicher ou no d Sempacher Regierig öbernähmed?» Diese Pointe sass, die Lacher hatte Zemp spätestens dann alle auf seiner Seite.
Natürlich durften auch die Schnitzelbänke von urbi@orbi nicht fehlen, welche sie mit passenden Karikaturen präsentierten. Dabei nahmen die drei Päpste kein Blatt vor den Mund und überzeugten mit ihrer Wortgewandtheit. Sie nahmen sowohl internationale Persönlichkeiten – ja vor allem Trump – und nationale Politiker auf die Schippe. Aber auch der allseits beliebte Marco Odermatt blieb von ihnen nicht verschont: «Vielleicht esch de Odermatt e Werbefachma för Sache, wod ned wörklech musch ha», meinten die Theologen im Reim und folgerten im Umkehrschluss, dass der Papst vielleicht künftig für Parship Werbung machen sollte.
Frieden wünschen mal anders
Musikalisch blieben an diesem Morgen nicht nur die Musikanten von Obacht gefordert – auch die Stimmen der Frauen und Herren im Publikum waren gefragt. Gemeinsam stimmte man «Grosser Gott, wir loben dich» an, selbstverständlich mit einem eigens fasnächtlich angepassten Text. Begleitet wurde der Gesang natürlich von der Kleinformation Obacht, routiniert und harmonisch wie die geübte Musikgesellschaft Harmonie Sempach. Dem aufmerksamen Beobachter entging jedoch ein kleines Detail nicht: Während die zehn Musikanten zuvor ihr gesamtes Repertoire souverän auswendig zum Besten gaben, brauchte es für das Kirchenlied dann doch noch die Unterstützung eines Notenständers.
Tja, und hatten Sie in der Kirche schon mal die Gelegenheit, dem Nachbar den Rücken abzuklopfen, wie es die Schwinger nach einem gelungenen Gang tun? Beim Fasnachtsgottesdienst gehörte auch das zum guten Ton: Statt steif genickt wurde herzhaft geklopft und anschliessend die Hand geschüttelt, um sich gegenseitig Frieden zu wünschen – herzlich und ganz ohne Berührungsängste.
Und dann wäre da noch die Sache mit der Hostie: Haben Sie diese schon einmal aus der Hand einer Nonne erhalten? Für viele Kirchgänger dürfte auch das eine echte Premiere gewesen sein – selbst wenn bei genauerem Hinsehen rasch klar wurde, dass hier weniger Klosteralltag als vielmehr Kostümkunst im Spiel war.


