Ein Glücksfall sei das Projekt am Sempacher Seeufer, meint Viktor Schmidiger, Leiter Naturgefahren der kantonalen Dienststelle Verkehr und Infrastruktur. «Nur an wenigen Orten können so grosse zusammenhängende Uferbereiche neu gedacht werden. Das eröffnet viel mehr Möglichkeiten für eine Ufergestaltung, die sowohl den Bedürfnissen der Menschen als auch jenen der Natur entgegenkommt.»
Mitte Januar hat das vom Kanton Luzern und der Stadt Sempach im Januar 2025 lancierte Projekt einen wichtigen Meilenstein erreicht: An einem gemeinsamen Workshop haben der Stadtrat und die kantonalen Verantwortlichen die vom beauftragten Planungsteam entwickelten Stossrichtungen für die Weiterbearbeitung freigegeben. «Was heute an Ideen vorliegt, macht Freude und ist auch im Stadtrat gut angekommen», bilanziert der für das Projekt zuständige Stadtrat Marcel Hurschler.
Intensiver Entwicklungsprozess
Die bisherigen Lösungsansätze wurden in mehreren Runden entwickelt. Die Startlinie bilden das im Juni 2025 zusammen mit der Bevölkerung formulierte Zielbild und die 450 Hinweise aus dem ersten öffentlichen Workshop. Auf dieser Basis lotete ein aus drei Fachbüros zusammengesetztes Planungsteam Gestaltungsmöglichkeiten aus.
«Wir haben den Auftrag, drei möglichst unterschiedliche Varianten zu erarbeiten. Im Austausch mit dem Fachgremium und der Begleitgruppe der Bevölkerung haben wir unsere Ideen zur Diskussion gestellt. Jedes Mal kamen wertvolle Elemente, die wir Schritt für Schritt eingebaut haben», so Christoph Iseli, Leiter des Planungsteams.
Knackpunkt Nutzungsdichte
Im gut einen Kilometer langen Uferabschnitt zwischen der denkmalgeschützten Altstadt von Sempach und der Vogelwarte treffen Naturschutzzonen auf Erholungsgebiete, die im Sommer Gäste bis weit über die Kantonsgrenze hinaus anziehen. Das bringt grosse Herausforderungen mit sich, sowohl aus ökologischer als auch aus Sicht der Erholungsnutzung. Zum einen führt die grosse Zahl an Gästen an schönen Tagen dazu, dass selbst in den bestehenden Naturschutzzonen Einweggrills und Luftmatratzen zurückbleiben. «Mit dem Revitalisierungsprojekt sollen geschützte Lebensräume entstehen, in denen Tiere und Pflanzen Vorrang haben. Diese Lebensräume sollen den Menschen spannende Möglichkeiten geben, die Natur zu beobachten und zu erleben», erläutert Viktor Schmidiger die Hauptziele aus Sicht des Kantons. Zum anderen sucht die Stadt Sempach nach Möglichkeiten, auch die Erholungsbereiche aufzuwerten, ohne zusätzliche Besuchermagnete zu schaffen. «Wir haben ein kleines Stück Paradies vor der Haustür und teilen es gern», sagt Jürg Aebi, Stadtpräsident von Sempach. Gleichzeitig wünsche sich die Bevölkerung klarere Nutzungsregeln, um den zunehmenden Druck zu reduzieren. Die gemeinsame Betrachtung von Naturschutz und Erholung sei eine einmalige Gelegenheit, um Lösungsansätze für die unterschiedlichen Bedürfnisse zu finden.
Nächster Meilenstein
Bis zum zweiten öffentlichen Workshop verarbeitet das Planungsteam die Hinweise, die aus dem Fachgremium, der Begleitgruppe Bevölkerung und dem Stadtrat gekommen sind. Die Resultate werden am 11. März allen Interessierten präsentiert und es werden Hinweise eingeholt: Welche Elemente überzeugen besonders, damit ein cooler Ort für die Sempacherinnen und Sempacher entsteht?
«Nach diesem Workshop haben wir alle Informationen beisammen, um eine favorisierte Gestaltungsvariante auszuarbeiten, die von möglichst vielen mitgetragen wird und bewilligungsfähig ist.» Bis Ende 2026 sollen die Planungsarbeiten so weit abgeschlossen sein, dass ein bewilligungsfähiges Vorprojekt vorliegt. Läuft alles nach Plan, ist mit der Umsetzung am Seeufer zwischen der Vogelwarte und dem Clubhaus des Seeclubs ab 2029 zu rechnen. Der Projektleiter des Kantons, Claudio Wiesmann, zeigt sich zuversichtlich: «Wir haben uns einen sportlichen Zeitplan gesetzt. Auch die Rahmenbedingungen mit Natur-, Landschafts- und Gewässerschutz, Denkmalpflege, Archäologie, angrenzenden Bauprojekten und vielen Schnittstellen mehr sind anspruchsvoll. Aber bis jetzt erleben wir mit allen Beteiligten einen äusserst offenen und konstruktiven Dialog.»
Zweiter öffentlicher Workshop: 11. März, 19 Uhr, Festhalle Sempach Anmeldung bis am 3. März unter: vif.lu.ch/seeufer_sempach/anmeldung_workshop
