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Sempach

Zwei, die sichtbare Spuren hinterliessen

Stefan Kämpfen 26. Juni 2026

Josef Muff hat sich Ende Mai nach der maximal möglichen Amtszeit von 16 Jahren aus dem Sempacher Kirchenratspräsidium verabschiedet. Sein Vize, Markus Ehrler, tat es ihm nach zwölf Jahren gleich. Im Doppelinterview sprechen die beiden Demissionäre über ihre Höhepunkte, über ihr Wirken in der Baukommission sowie über die Entwicklung und Chancen der Kirche.

Josef Muff hat sich Ende Mai nach der maximal möglichen Amtszeit von 16 Jahren aus dem Sempacher Kirchenratspräsidium verabschiedet. Sein Vize, Markus Ehrler, tat es ihm nach zwölf Jahren gleich. Im Doppelinterview sprechen die beiden Demissionäre über ihre Höhepunkte, über ihr Wirken in der Baukommission sowie über die Entwicklung und Chancen der Kirche.

Josef Muff und Markus Ehrler, was sind Ihre besten Erinnerungen an Ihre Zeit als Sempacher Kirchenräte?

Josef Muff (J. M.): Der traditionelle Umritt zu Auffahrt mit dem Kirchenrat und Seelsorgern hoch zu Ross von Sempach nach Kirchbühl und Hildisrieden sowie der nachmittägliche Einzug ins Städtli Sempach sind Höhepunkte im Pfarreileben. Ebenfalls die Gottesdienste am See – besonders an Fronleichnam mit der Prozession mit den Grenadieren, der Corporis-Christi-Bruderschaft, den Erstkommunionskindern, Musik und Trachten und anschliessendem Apéro im Städtli – sind eindrückliche Anlässe im Kirchenjahr. Aber auch die zahlreichen Kontakte mit Personen in den Pfarreien sowie die Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der Stadt, der Korporation, der Kommissionen und der Kirchgemeinde Eich bleiben in guter Erinnerung.

Markus Ehrler (M. E.): Die zahlreichen neuen Kontakte mit Personen, die sich für die Pfarreien im Pastoralraum Oberer Sempachersee engagieren. Ebenso durfte ich viele Sempacher und Sempacherinnen, unter anderem auch Behördenmitglieder der Stadt und Korporation oder in der Jugend- und Friedhofskommission, kennenlernen. Die Vorbereitung und aktive Teilnahme an traditionellen Anlässen, wie dem Auffahrtsumritt hoch zu Ross, kommen mir in den Sinn. Aber auch neue Anlässe, wie zum Beispiel der Fasnachtsgottesdienst oder der Tangoanlass im neuen Kirchenraum, haben mir exemplarisch gezeigt, wie die Gemeinschaft gelebt werden kann und was unsere Kirche in Sempach so besonders macht.

Nachfolge geklärt

Sandra Lütolf wurde im Februar in einer stillen Wahl zur neuen Kirchenratspräsidentin der Stadt Sempach gewählt. Die Nachfolgerin von Josef Muff hat ihr Amt am 1. Juni dieses Jahres angetreten. Sie wird dem Kirchenrat bis am 31. Mai 2030 vorstehen. Ebenfalls neu in den Kirchenrat wurde Silvia Fleischlin gewählt. Wiedergewählt wurden Max Bachmann, Judith Christen-Hägeli, Hanspeter Kneubühler und Katharina Müllener-Burri.

Was konnten Sie in Ihren Legislaturen bewirken?

J. M.: Die Kirchgemeinde Sempach gut zu positionieren und die Finanzen für die Zukunft zu sichern. Die Errichtung des Pastoralraums mit den sechs Pfarreien, im Speziellen die beiden Tandemgemeinden Sempach und Eich.

M. E.: Ich habe den Eindruck, dass ich im Kontakt mit den Jugendlichen von Jungwacht und Blauring ihnen deren Zugehörigkeit zur Kirche bewusster machen konnte. Das gegenseitige Vertrauen und die Wertschätzung führten zu einer noch engeren Zusammenarbeit für gemeinsame kirchliche Anlässe. Zusammen mit dem Kirchenrat durfte ich den Prozess der sich öffnenden und wandelnden Kirche begleiten. Kernstück bildet dabei die Umsetzung der Innenraum-Umgestaltung unserer Pfarrkirche.

Sie sprechen die Neugestaltung der Pfarrkirche an: Inwiefern waren Sie da involviert?

M. E.: Als Mitglied der Baukommission für den Neubau Stella Maris konnte ich wertvolle Erfahrungen sammeln und durch meine berufliche Tätigkeit im Baugewerbe spürte ich das Bedürfnis, etwas zu bewirken. Im Kirchenrat haben wir uns daher nach der Pastoralraumgründung zwei Jahre zuvor im 2019 entschieden, dieses Projekt anzugehen. Nach dem Jodlerfest im Sommer 2024 erfolgte nach fünf intensiven Planungsjahren endlich der Start der Umbauarbeiten und im Frühling 2025 konnte der Palmsonntagsgottesdienst im neuen Kircheninnenraum feierlich stattfinden. Mit grosser Freude dürfen wir inzwischen unterschiedlichste Formen von Gottesdiensten mit aufgefrischter Technik, flexibler Bank- und Stuhlanordnung und neuem liturgischem Mobiliar feiern. Viele positive Rückmeldungen bestätigen, dass wir etwas Sinnvolles und Gutes für unsere Pfarrei umsetzen durften.

J. M.: Ich durfte sowohl für die Neugestaltung des Kirchenraumes der Kirche St. Stefan in Sempach als auch bei der Realisierung der Überbauung Martinshöhe mit 110 Wohnungen als Baukommissionspräsident wirken. Bei Letzterem haben wir mit der Wohnbaugenossenschaft Martinsrain gebaut. Mit beiden Bauvorhaben hinterlassen Markus Ehrler und ich sichtbar Spuren in der Kirchgemeinde Sempach. Ich bin dankbar, dass sie so gut gelungen sind und weit ausstrahlen.

Wie hat sich die Kirche seit Ihrer Anfangszeit entwickelt?

J. M.: Die Kirche in Sempach hat sich sehr positiv entwickelt und ist nahe bei den Menschen. Die Weltkirche ist dies leider nicht und geht die Zukunft zu verhalten an. In Sempach wird der neugestaltete Kirchenraum traditionell und vielfältig genutzt, für Gottesdienste, Feiern, Feste und Konzerte, aber auch für Versammlungen, Ausstellungen, Tanzanlässe und kürzlich zum Thema Wein. Alle sind willkommen.

M. E.: Der Mitgliederschwund bei den Pfarreiangehörigen wird präsenter. Die Anzahl Gottesdienste wurde mit der Gründung des Pastoralraums Oberer Sempachersee reduziert und wir teilen uns die Wochenendgottesdienste mit der Pfarrei Eich. Der Fachkräftemangel für Angestellte ist eine Daueraufgabe und wird zunehmend akzentuierter. Neue Formen von kirchlichen Anlässen im Kirchenraum ziehen aber vermehrt Personen an, die sonst keine traditionellen Gottesdienste besuchen. Wir dürfen nicht stehenbleiben und sollten uns daher immer weiterentwickeln.

Die Mitgliederzahlen der Kirche haben abgenommen. Wie kann die Kirche dies aus Ihrer Sicht stoppen?

J. M.: Jeden einzelnen Kirchenaustritt zu unterschreiben, fiel mir in der Tat oft schwer. Es schmerzt, für die Institution Kirche zu arbeiten, die oft nicht mitgetragen wird. Es gab in der Vergangenheit sicher ein sehr schwieriges Verhalten der Kirchenoberen – dies ist nicht zu leugnen. Die heutigen Mitarbeitenden in der Kirche sind jedoch offen für viele Anliegen und machen eine sehr gute Arbeit für das Wohl der Menschen. Ich kann mir vorstellen, dass es wieder einmal eine Trendwende geben kann, wenn die Kirche es schafft, nahe bei den Menschen und ihren Fragen, Sorgen und Freuden zu bleiben, und umgekehrt die Menschen sehen und spüren, dass die Kirche eine Ressource für ihr Leben darstellen kann.

M. E.: Das Image der römisch-katholischen Kirche ist angekratzt, vor allem wegen des verkrusteten, hierarchisch und männlich geprägten Machtapparats. Deswegen dürfen wir den Kopf aber nicht hängen lassen. Wir müssen den Menschen aufzeigen, dass zum Beispiel nur ein vernachlässigbar kleiner Bruchteil der Kirchensteuern nach Rom fliesst und der grösste Teil für die Arbeit vor Ort eingesetzt wird. Der Erfolg der regionalen Kirche ist stark personenabhängig. Derzeit erleben wir in Sempach viel Sympathie für unseren Pfarreileiter und auch die Arbeit des Kirchenrats wird von einem Grossteil der Bevölkerung sehr geschätzt.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft, sowohl für die Kirche Sempach als auch generell?

J. M.: Dass wir weiterhin gute, begeisterungsfähige Mitarbeitende in der Pfarrei und im Kirchenrat haben werden, die das Feuer am Brennen halten und so die Mitmenschen anstecken.

M. E.: Ich wünsche mir, dass die Kirche für alle Generationen als ein Ort verstanden wird, an dem jede Person willkommen ist. In der Gemeinschaft oder Stille soll die Kirche Platz bieten. Sie soll als Kraftort wirken und uns durch gute und schwierige Zeiten begleiten. Gleichzeitig sollen wir darin aber auch die schönen und ausgelassenen Momente gemeinsam geniessen dürfen. Die Anforderungen an die Mitarbeitenden der Pfarrei werden anspruchsvoller, aber dafür auch vielseitiger. Ich wünsche mir daher auch eine Ausstrahlung nach aussen, die dieses attraktive Kirchenbild zeigt und für neue Arbeitskräfte anziehend wirkt.

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