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Neuenkirch

«An dieser Schule gearbeitet zu haben, ehrt mich»

Stefan Kämpfen 17. August 2026

Er kam als junger Vater und ging als junger Grossvater: Die Rede ist von Lucien Kraft, der Ende Juli nach 36 Jahren an der Schule Neuenkirch in den Ruhestand trat. Im Interview spricht der 65-jährige Walliser über seinen Werdegang, seine Erfolgserlebnisse und was er in Zukunft machen will.

Er kam als junger Vater und ging als junger Grossvater: Die Rede ist von Lucien Kraft, der Ende Juli nach 36 Jahren an der Schule Neuenkirch in den Ruhestand trat. Im Interview spricht der 65-jährige Walliser über seinen Werdegang, seine Erfolgserlebnisse und was er in Zukunft machen will.

Lucien Kraft, wie sind Sie zur Schule Neuenkirch gekommen?

Nach der Ausbildung zum Lehrer in Sion und einer Anstellung als Reallehrer in Büron entschied ich mich im Frühling 1990, eine neue Herausforderung an einer anderen Schule anzunehmen. Ich habe mich an acht Schulen beworben und mich schliesslich für die Schule Neuenkirch entschieden, da mir die Schulanlage in Neuenkirch sehr gut gefallen hat und die Schule schon damals einen guten Ruf hatte. Für mich war es in all den 36 Jahren eine grosse Ehre, an dieser tollen Schule arbeiten zu dürfen.

Gab es für Sie als Walliser zu Beginn verbale Verständigungsprobleme?

Zu Beginn gab es ab und zu Verständigungsprobleme. Das «Walliserditsch» hat mir aber sehr viele soziale Kontakte geschenkt und Türen geöffnet, da die meisten Personen den Dialekt gerne hörten. Nach 44 Jahren in der Innerschweiz ist mein Dialekt allerdings nicht mehr so «rein».

Wie kam es zum Wechsel vom Lehrer in die Schulleitung und zum Posten als Rektor?

Ich habe jahrelang neben dem Unterrichten in einem Teilpensum in der Lehrerweiterbildung und später an der Pädagogischen Hochschule als Kursleiter im Bereich Computer und Medienbildung gearbeitet und war viele Jahre als Junglehrerberater tätig. Weiter arbeitete ich zehn Jahre bei der Dienststelle Volksschulbildung und war für die Einführung des «Lehrer Office» im ganzen Kanton Luzern verantwortlich. Mit dieser Software mussten die Lehrpersonen aller Stufen ab 2006 das Zeugnis digital herstellen. Ich überlegte, wie ich 26 Jahre Erfahrung als Lehrperson und diese kantonalen Kontakte für die Schule Neuenkirch gewinnbringend einsetzen könnte. Schnell war mir klar, dass dies am besten in der Schulleitung der Fall sein kann. So entschied ich mich, mit der Schulleiterausbildung zu starten, die ich im Sommer 2012 mit dem Master abschloss. Zur gleichen Zeit ging der damalige Rektor Beat Oetterli in Pension und ich habe mich als Schulleiter beworben. Nach sechs Jahren Schulleitertätigkeit wurde ich 2018 von der Bildungskommission zum Rektor gewählt.

«Unsere ICT-Planung beeindruckte auch andere Schulen, so wurde ich von einigen Schulen nach meiner Meinung gefragt.»

Lucien Kraft, ehemaliger Rektor Schule Neuenkirch

Was waren Ihre Höhepunkte während Ihrer Zeit an der Schule Neuenkirch?

Ein Höhepunkt war der Neubau des Schulhauses Grünau. Ich wurde in die Baukommission für den Umbau des Schulhauses Sonneweid 1 berufen. Dieses musste vom Primarschulhaus in ein Schulhaus für praktische Fächer umgebaut werden. Es entstanden die Werkräume für die Primarschulklassen und die Sekundarklassen, Zimmer für das Textile Gestalten und ein Zimmer für das Bildnerische Gestalten der Sekundarschule. Weiter engagierte ich mich als Mitglied der IG für die Dreifachturnhalle, die wir 2005 in Betrieb nahmen. Ein weiterer Höhepunkt war die Einführung der geleiteten Schulen im Kanton Luzern. Neuenkirch hatte bereits seit Jahren einen Schulleiter und ein Sekretariat, das aber noch keine Personalführung hatte. Die Schulleitung übernahm neu die operativen Aufgaben der Schule. Als Lehrer waren auch die Teams ein Höhepunkt, in denen ich mich stets sehr wohlfühlte. Es entstanden viele Freundschaften, die vor über 30 Jahren begannen und noch heute bestehen. Ein wichtiger persönlicher Höhepunkt war das Schulleitungsteam, das ich als Rektor die letzten acht Jahre führen durfte. Ich hatte das Glück, grosse und zuverlässige Persönlichkeiten zur Seite zu haben, die mich stets hervorragend unterstützten.

Was konnten Sie während Ihrer Ägide bewegen/anstossen?

Mein erstes Projekt war die Einführung der familienergänzenden Tagesstrukturen an der Schule. Im ersten Jahr hatten wir 25 Anmeldungen mit zwei Betreuerinnen. Heute haben wir über 140 Anmeldungen pro Schuljahr und 17 Betreuerinnen. Als erste Änderung habe ich die Materialbestellung für die Lehrpersonen digitalisiert. Ein anderes Projekt war die Integration von zwei Jungs mit Trisomie 21. Ein spannendes Projekt, das für alle Beteiligten eine Erfolgsgeschichte wurde. Ein weiterer Erfolg war die Angliederung der drei Spielgruppen an die Schule. Die Spielgruppenleiterinnen werden nun von der Schulleitung geführt. In den letzten Jahren durften wir auch zwei grosse Projekte für die Sekundarschule angehen. Zum einen war es die Einführung des neuen Beurteilungsmodells und zum anderen der Umstieg vom getrennten Modell hin zum kooperativen Modell. Stolz bin ich auch auf die Einführung eines alternativen Lernortes, der bei uns „mosaik“ genannt wird. Darin werden die Lernenden aufgebaut und so gestärkt, dass sie so rasch wie möglich zurück in ihre Klasse kehren können.

«Es entstanden viele Freundschaften, die vor über 30 Jahren begannen und noch heute bestehen.»

Lucien Kraft, ehemaliger Rektor Schule Neuenkirch

Gibt es ein Projekt, auf das Sie besonders stolz sind?

Mein Herzensprojekt war aber ein ICT-Projekt, das mich fast 20 Jahre beschäftigt hat. Viele Jahre arbeiteten wir auf der Sekundarschule mit zwei Informatikräumen und die Lehrpersonen hatten einen Desktop-Computer im Schulzimmer. Die Vision war, weg von den Informatikräumen, die Lehrpersonen und Lernenden mit einem persönlichen Notebook auszurüsten. Für dieses Ziel mussten zuerst alle Schulhäuser mit WLAN ausgerüstet werden. Damit dies möglich war, galt es, alle Schulhäuser in Neuenkirch untereinander mit Glasfaserkabel zu verbinden. Als dann die Schulen bei der Corona-Pandemie geschlossen wurden, hatten alle Lehrpersonen und alle Schülerinnen und Schüler von der 5. bis zur 9. Klasse ein eigenes Notebook. Die Bildungskommission entschied während der Corona-Pandemie, den Lernenden der 3. und 4. Klassen schon im Sommer 2020 und nicht erst im Sommer 2021 ein persönliches Gerät zur Verfügung zu stellen. Falls ein weiterer Lockdown auf die Schule zukommen würde, wollte die Schule darauf vorbereitet sein. Unsere ICT-Planung beeindruckte auch andere Schulen, so wurde ich von einigen Schulen nach meiner Meinung gefragt.

Was werden Sie in Zukunft machen?

Ich bin als junger Vater nach Neuenkirch gekommen, nun gehe ich als junger Grossvater. Unsere vier Grosskinder liegen mir sehr am Herzen und ich verbringe sehr gerne Zeit mit ihnen. Nun kann ich meine Frau beim Hüten der Grosskinder noch besser unterstützen. Weiter will ich wieder meinen Computer-Support und die Beratung für Interessierte hochfahren, denn in den letzten Jahren musste ich dieses Hobby aus Zeitgründen zurückstellen. Zum Schluss möchte ich wieder vermehrt ins Wallis reisen, um meinen Vater, die Geschwister und meine Kolleginnen und Kollegen zu sehen. Schliesslich ist es schön, wieder voll «Walliserditsch» zu sprechen.

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