Ein verregneter Montagmorgen an der Hildisrieder Sempacherstrasse. Langsam aber sicher erwacht diese aus ihrer nächtlichen Ruhe, Auto um Auto zieht vorbei, hinab in Richtung Sempach. Auch auf dem Schulhausplatz nebenan wird es langsam lebendig. Kurz vor acht Uhr, bald beginnt die Schule. Während auf der Hauptstrasse noch immer unaufhaltsam Autos, Lastwagen und Motorräder vorbeirauschen, legen die ersten Kinder auf ihrem Schulweg eine Pause ein. Dafür markiert ihnen ein Verkehrsleitkegel einen sicheren Platz auf dem Quartierweg, der an die Hauptstrasse führt. «Guten Morgen miteinander», empfängt sie fröhlich ein in grell leuchtender Warnkleidung eingekleideter Mann. Roberto Cammarano ist Geschäftsführer der Securo GmbH aus Sempach Station, die seit diesem Schuljahr im Auftrag der Gemeinde Hildisrieden für Sicherheit auf dem Schulweg an der Sempacherstrasse sorgt. Dabei geht es nicht darum, als Schülerlotsen Kinder über den Fussgängerstreifen zu führen, sondern als Verkehrscoach sicheres Verhalten an der Strasse zu vermitteln.
Lernen statt lotsen
Mittlerweile hat sich eine kleine Traube an Schülerinnen und Schülern, auch vereinzelt Eltern, beim Warteplatz vor dem Fussgängerstreifen gebildet. Dadurch, dass die Kinder in Gruppen gesammelt die Strasse überqueren, bleibe es in den Zwischenphasen trotzdem möglich, den Verkehr fliessend laufen zu lassen, erklärt Roberto Cammarano. Gemeinsam mit den Kindern tritt er an die Strasse: «Nur schon durch unsere auffällige Kleidung geben wir den Fahrzeuglenkenden einen Grund, aufmerksam zu sein und anzuhalten.» Zudem machen je ein Triopan einige Meter ober- und unterhalb des Fussgängerstreifens schon im Voraus auf die Situation aufmerksam. Das «richtige» Überqueren des Fussgängerstreifens nach «Warte, luege, lose, laufe» liegt aber noch immer bei den Schülerinnen und Schülern, hebt Cammarano hervor: «Wir wollen verhindern, dass sich die Kinder durch unsere Anwesenheit blind auf uns verlassen und deshalb verlernen, wie man eine Strasse überquert. Darum sind wir vor allem in unterstützender Funktion hier und weisen, wenn nötig, auf das sichere Vorgehen hin – quasi als tägliche Übung.» Das scheint zu funktionieren. Die Kinder machens wie aus dem Lehrbuch, winken freundlich und gehen die letzten Meter bis auf den Pausenplatz. Und Roberto Cammarano ist immer mit wachsamem Auge dabei. Kaum ist die Gruppe drüben, nähern sich schon die nächsten dem Warteplatz beim Leitkegel.
Pilot fürs Erste
Heuer übernehmen Roberto Cammarano und sein Personal zum ersten Mal das Verkehrscoaching der Gemeinde. Die Sempacherstrasse und ihre Bedeutung für den Schulweg vieler Kinder sei schon lange ein sicherheitsrelevantes Thema, erklärt Gemeinderätin Linda Kronenberg. Die Überprüfung allfälliger baulicher Massnahmen, um die Strassenüberquerung sicherer zu machen, führte zu keiner praktikablen Lösung. Also entschied man sich seitens Hildisrieder Gemeinderat, durch geregeltes Verkehrscoaching zu Schulwegzeiten aktiv zu werden: «Wir testen das in diesem Schuljahr als Pilotprojekt und werden dann anhand der Ergebnisse weiter entscheiden», so Kronenberg, denn so oder so müsse man diesbezüglich am Ball bleiben. Grossmehrheitlich habe man bisher schon sehr gute Rückmeldungen erfahren dürfen, sagt Linda Kronenberg: «Es spiegelt sich wider, dass das Bedürfnis der Eltern nach Sicherheit auf dem Schulweg durch das Verkehrscoaching erfüllt werden kann. Auch Roberto Cammarano ergeht es so: «Wir durften in den vergangenen Wochen schon Lob und Dankbarkeit erfahren. Viele Eltern sind froh, dass wir hier unsere Arbeit machen.» Auf dem Schulhausareal erklingt der Pausengong, die letzte Gruppe Schülerinnen und Schüler quert die Strasse. Das bedeutet für Cammarano Einsatzende und zusammenpacken – zumindest bis in ein paar Stunden, wenn es vor und nach dem Mittag sowie am Nachmittag wieder heisst: «Warte, luege, lose, laufe».
