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Neuenkirch

Erste Landsgemeinde besteht die Feuerprobe

Flavia Rivola  12. Juni 2026

Die erste Landsgemeinde lockte in Neuenkirch deutlich mehr Stimmberechtigte an als jeweils die Gemeindeversammlungen. Jüngere waren ebenso vertreten wie die ältere Generation. 

Die erste Landsgemeinde lockte in Neuenkirch deutlich mehr Stimmberechtigte an als jeweils die Gemeindeversammlungen. Jüngere waren ebenso vertreten wie die ältere Generation. 

Zum ersten Mal im Kanton Luzern führte die Gemeinde Neuenkirch am Abend des 11. Juni eine Landsgemeinde durch. Sage und schreibe 783 Personen fanden den Weg zum Gärtnerweg mitten im Dorf. Dies verkündete der vor Freude strahlende Gemeindepräsident Marcel Wolfisberg.

Davon waren 60 Gäste und die Anzahl Stimmberechtigter lag demnach bei 723 Personen, was einer Stimmbeteiligung von rund 15,5 Prozent entsprach. Das absolute Mehr betrug 363 Personen.

Letzteres wurde für die Versammlung jedoch nur einmal bemüht, nämlich bei der Abstimmung zum Parkplatzreglement. Dieses wurde mit 50 Gegenstimmen und 15 Enthaltungen grossmehrheitlich genehmigt. 

Einstimmig hingegen war die Genehmigung des Jahresberichts 2025 – bestehend aus den Berichten zu den Aufgabengebieten, der Jahresrechnung, dem Prüfbericht der externen Revisionsstelle sowie dem Kontrollbericht der Finanzaufsicht des Kantons Luzern. 

Sehr positive Finanzzahlen

Kein Wunder: Das Rechnungsjahr 2025 schloss mit einem Ertragsüberschuss in der Höhe von gut drei Millionen ab. Grund dafür war die Neubewertung der Parzelle Krauerhus-Nord, woraus ein Buchgewinn von 3,3 Millionen Franken resultierte. Dies sei jedoch eine Bilanzbuchung, präzisierte Finanzvorsteher Benjamin Emmenegger. Weiter verbesserten auch höhere Steuereinnahmen von 0,32 Mio. das Ergebnis. Die Erträge von Dritten für die Erbringung von Leistungen (insbesondere Kantons- und Elternbeiträge der Musikschule, Leistungen von Versicherungen, Kostenbeteiligungen in der Pflege) stiegen um knapp 0,4 Millionen. 

Aus dem Urnenbüro verabschiedet wurde Laura Bucher, die nach vier Jahren aufgrund Wegzugs aufhört. Sie erhielt einen Blumenstrauss übereicht. Neu gewählt wurde der vorgeschlagene Mitte-Vertreter Benjamin Lüthi. 

Weiter informierte Marcel Wolfisberg darüber, dass Freiwilligenarbeit künftig zusätzliche Wertschätzung erfahren soll. Ein Preis solle an Personen oder Gruppen vergeben werden, welche sich uneigennützig für die Gesellschaft in der Gemeinde einsetzen. Zu verdanken ist diese Idee dem Schulterschluss der vier Ortsparteien. Dazu soll nun ein Konzept erarbeitet werden. Marcel Wolfisberg betonte, dass der Gemeinderat dies gerne unterstütze, dass er aber die Vereine und Institutionen im Lead sehe. Das Konzept werde zu gegebener Zeit vorgestellt.

Ebenfalls wies er auf den kantonalen Musiktag 2027 in Neuenkirch hin, welcher von den drei heimischen Musikformationen Brass Band Harmonie Neuenkirch, Blasorchester Neuenkirch und Feldmusik Hellbühl organisiert wird. Erste Details sind auf www.musigtag27.ch ersichtlich. 

Organisation hat geklappt 

Zum Abschluss widmete Marcel Wolfisberg ein grosses Zeitfenster dem Dank an alle Beteiligten. Es waren dies die drei besagten Musikvereine, welche zu Beginn als Grossformation aufs Gelände der Landsgemeinde einmarschierten. Weiter waren die Musikschule Oberer Sempachersee, der Jodlerklub Echo vom Rotbach die Guugenmusiken Schlochthüüler und Neuechöbler, der STV Neuenkirch, der Samariterverein, die freiwillige Feuerwehr, alle Ortsparteien und Kommissionen sowie viele Helferinnen und Helfer beteiligt. Auch den Nachbarn des Geländes dankte er für die Geduld und das Verständnis. Speziell verdankt wurden die Mitglieder des Organisationskomitees mit einer Früchteschale aus Holz von einem einheimischen Hersteller.

Die Organisation hatte dank der gemeinsamen Bestrebungen reibungslos geklappt. Alle Stimmberechtigten sassen pünktlich von der Festwirtschaft verpflegt und getrennt von den Gästen auf ihren Plätzen, sodass die Versammlung rechtzeitig eröffnet und noch vor 20.30 Uhr für beendet erklärt werden konnte. Das Fest im Anschluss hingegen dauerte noch bis 0.30 Uhr. 

Neuenkircher waren begeistert

Bei der Neuenkircher Stimmbevölkerung kam der Anlass sehr gut an. Werner Niederberger etwa war begeistert: «Es ist toll, dass so etwas veranstaltet wird. Eine einmalige Sache.» Er kenne Marcel Wolfisberg aus dem Turnverein STV Neuenkirch und sagte stolz: «Wir haben ihn das Turnen gelehrt.» Er hielt es für richtig, dass keine ganz heiklen Themen diskutiert wurden: «Diese sollten nicht in einem solchen Rahmen ausgetragen werden.»

Lena Lindemann, ebenfalls vom STV Neuenkirch, war als junge Auswärtige zum Helfen mit dabei: «Ich finde es toll, dass hier alle Vereine zusammen sind und einander unterstützen.»

Schmuck anzusehen war Carmen Bachmann in ihrer Tracht. «Ich finde zu einer Landsgemeinde gehört eine Tracht», sagt sie mit Nachdruck. Vielleicht müsse die Tradition in der Gemeinde noch wachsen, schmunzelte sie. Mit ihrem Outfit war sie zwar die einzige im Publikum, doch trat der Jodelklub Echo vom Rotbach Hellbühl zur musikalischen Umrahmung im edlen Gewand auf die Bühne.

Noah Duss, Lars Nebiker und Florian Wurmet, alle drei 20-jährig, waren bisher an keiner Gemeindeversammlung, wie sie unumwunden zugaben. Es seien jeweils andere Dinge, wie Militär oder Ferien dazwischengekommen. Doch als sie von dem «grossaufgezogenen Riesenevent» hörten, habe sie dies gelockt. «In meinem Umfeld wurde darüber gesprochen und dachte, das tönt noch gut», so Lars Nebiker, der mit Noah Duss bei der Guuggenmusik «Schlochthüüler» spielt.

Aber auch Roland Müller, seit 24 Jahren in Neuenkirch wohnhaft, war bisher nur an wenigen Gemeindeversammlungen, «vielleicht drei oder vier». Die Idee finde er super. «Ob jedoch immer so viele Leute kommen wie jetzt beim ersten Mal, ist für mich fraglich.» Dass man die Landsgemeinde in den drei Ortsteilen durchführen will, gefällt ihm ebenfalls. 

Nächste Landsgemeinde wird in Nottwil sein

Unter den Gästen war auch der Gemeindepräsident der Nachbargemeinde Nottwil, Walter Steffen. Tatsächlich wolle Nottwil ebenfalls eine Landsgemeinde durchführen, gibt er offen Auskunft. «Wir planen, einmal pro Legislatur, also alle vier Jahre, eine Landsgemeinde durchzuführen. Die erste solle bereits im Juni 2027 stattfinden. «Bis dahin ist das Schulhaus so weit fertiggestellt, dass wir den Anlass gleich mit einer Schulhausbesichtigung verbinden können», ist Steffen zuversichtlich. Die Eröffnung erfolge dann nach den Sommerferien 2027.

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