Jürg Aebi, das Thema der diesjährigen Bundesfeier war ja «Stadt – Land – Sempach»: Bitte erläutern Sie das Motto ein wenig.
Neben dem 1. August feiern wir 2026 auch 40 Jahre Proklamation Stadt Sempach. Was viele nicht wissen: Am 1. Januar 1986 erhielt Sempach offiziell wieder das Stadtrecht. Napoleon Bonaparte hatte in der Zeit der Helvetik von 1798 bis 1803 den damaligen Städten auf dem Land wie Sursee, Willisau und Sempach die Stadtrechte entzogen und sie zu einfachen Landgemeinden «degradiert». Hinsichtlich der 600-Jahr-Gedenkfeier zur Schlacht bei Sempach 1986 entwickelte sich aus dem Kreis der politischen Parteien die Frage, wie es denn nun eigentlich aussehe mit dem Stadtrecht. Der Gemeinderat von Sempach stellte dann eine entsprechende Anfrage an die Regierung. Das Staatsarchiv kam nach entsprechenden Nachforschungen zum Schluss, dass das von den Habsburgern ins Leben gerufene Stadtrecht aus dem Mittelalter immer noch Gültigkeit habe. Der Gemeinderat stellte daraufhin dem Regierungsrat des Kantons Luzern formell den Antrag, Sempach das Stadtrecht wieder zu erteilen. In einem feierlichen Akt setzte der Regierungsrat den Sempacher Gemeinderat per 31. Dezember 1985 formell ab und ernannte die identischen Personen am 1. Januar 1986 zu Stadträten. Von den fünf Stadträten, die damals im Amt waren, leben heute immer noch vier. Einzig Walti Lieb, der ehemalige Posthalter, ist leider bereits verstorben. Das Motto der heurigen Bundesfeier «Stadt – Land – Sempach» soll diesen Akt nochmals würdigen.
Welche Bedeutung hat das Stadtrecht für Sie selbst?
Für mich selbst ist es eher eine touristische und historische Angelegenheit. Es hat natürlich ein gewisses Gewicht, wenn man als Ort von sich behaupten kann, eine historische Stadt zu sein. Und so wird Sempach auch von aussen wahrgenommen. Im täglichen Leben hat das Prädikat «Stadt» fast keine Bedeutung. Aber wir sind natürlich stolz, dass wir mit 4500 Einwohnern eine Stadt sind, und wir berufen uns auch immer gerne auf unsere Historie.
Fühlen Sie sich selbst eher als Städter oder als einer, der auf dem Land lebt?
Ich fühle mich schon eher als moderner Mensch, der jedoch sehr gerne auf dem Land lebt. Hier kennt man einander und man grüsst sich. Wir haben hier kurze Wege. Dies ist ein Umstand, der unser Städtchen auszeichnet, und dies ist auch der Unterschied zu Städten wie Luzern oder Sursee, in denen es viel anonymer zu und her geht. Natürlich kann es manchmal auch mühsam sein, wenn man sich kennt. Es ist natürlich damit verbunden, dass man auf der Strasse direkt angesprochen werden kann. Aber ich halte es für durchaus positiv, dass wir uns Stadt nennen dürfen, aber uns auch gegenseitig kennen und grüssen.
Waren Sie bei Ihrer letzten Bundesfeier als Sempacher Stadtpräsident auch ein wenig wehmütig?
Ich nahm diese Aufgabe immer sehr gerne wahr und vertrat Sempach immer mit Leib und Seele. Ich bin mittlerweile 67 Jahre alt und habe noch viele private Projekte – zum Beispiel ausgedehnt reisen –, die ich zusammen mit meiner Partnerin realisieren möchte. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür, das Präsidium abzugeben und sich diesen Projekten zu widmen. Deshalb schaue ich gerne vorwärts. Wehmütig schaue ich zurück, weil ich die Arbeit gerne noch etwas länger gemacht hätte, aber dann hätte ich früher damit anfangen müssen. Da ich vorher aber als Spitaldirektor voll im Berufsleben eingebunden war, wäre dies schon zeitlich nicht vereinbar gewesen.
