Balz Koller, seit rund zwei Wochen stehen Sie der SKG als Präsident vor. Wie lange sind Sie bereits in der SKG aktiv und wie sind Sie dazu gekommen?
Ich bin seit rund 40 Jahren SKG-Mitglied. Begonnen habe ich als Hundeführer beim Dobermann-Club Luzern, in Blatten bei Malters. Bei der weiteren Entwicklung hatte ich die Möglichkeit, als Übungs- und Prüfungsleiter sowie als TKGS-lizenzierter Schutzdiensthelfer, aber auch als erfolgreicher Sport- und Militärhundeführer zu wirken. Sportliche und unvergessliche Jahre erlebte ich zudem in Zusammenarbeit mit den Diensthundeführerinnen und -führern der Kapo Zug, der Securitas Luzern und Olten sowie als SKN-Hundetrainer.
Warum sind die SKG und ihre Arbeit so wichtig und wie sieht diese konkret aus? Gab es in der Vergangenheit besondere politische Errungenschaften, welche die Hundehaltenden der SKG verdanken?
Die Fédération Cynologique Internationale (FCI) ist der internationale Dachverband für Hundezucht und Hundesport aller Hunderassen. Pro Land wird von der FCI eine Organisation anerkannt, die gemäss ihren Statuten die Aufgaben in diesem Land wahrnimmt. In der Schweiz ist es die Schweizerische Kynologische Gesellschaft (SKG), die diese Aufgabe wahrnimmt. Die SKG arbeitet eng mit anderen Organisationen zusammen und bringt sich entsprechend bei Vernehmlassungen ein. Bei den 2008 eingeführten SKN-Kursen war die SKG massgeblich mitverantwortlich dafür, dass Bildung statt Rassenverbot im Vordergrund stand. Leider wurden diese SKN-Kurse vom eidgenössischen Parlament Ende 2016 wieder aufgehoben und jeder Kanton hat seit 2017 wieder eigene Vorgaben. Es laufen nun erneut Bestrebungen, schweizweit das NHB-System des Kantons Luzern zu übernehmen.
Welchen Herausforderungen stehen Hundehaltende aktuell gegenüber?
Der Mensch lebt mindestens seit 15’000 Jahren mit Hunden zusammen. Bis vor rund 100 Jahren waren die Hunderassen eher regional vertreten und der Umgang mit ihnen wurde mündlich überliefert. Man denke an die Schweizer Sennenhunde.
Nun stellen wir fest, dass in der Schweiz kreuz und quer über 250 Rassen, ohne Rassenkreuzungen, verteilt sind und dass die Meinungen, wie man Hunde zu halten hat und wie man mit ihnen umgeht, noch nie so weit auseinanderlagen.
Dies erzeugt ein Spannungsfeld unter den Hundehaltenden, aber auch zwischen Hunde-, und Nichthundehaltenden und der Politik. Somit besteht die Gefahr, dass aus Unwissen Gesetze entstehen, die den aktuellen Forschungsergebnissen und dem gesunden Menschenverstand widersprechen. Oder, dass im Vollzug Menschen mit unqualifizierten, in Social Media gemachten Meinungen verunglimpft werden.
Was wünschen Sie sich künftig für ein gutes Zusammenleben von Mensch, Hund und Gesellschaft?
Gegenseitigen Respekt und Akzeptanz sowie, dass man die Hunde nicht zu etwas instrumentalisiert, wofür sie genetisch nicht gemacht sind. Wer weiss, wie Hunde untereinander kommunizieren, der weiss, dass Regeln und Grenzen zum Zusammenleben essenziell sind. Derzeit besteht die Gefahr, ähnlich der Kindererziehung, dass Grundsätzliches so breit diskutiert wird, dass oft nur noch Unsicherheiten übrig bleiben. Erziehung und Sicherheit zu vermitteln, gelingt jedoch am besten, wenn man eine «klare Linie» hat, auch wenn man dabei nicht immer die neusten Trends berücksichtigt.
