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Neuenkirch

Eine «Repair Bar» für alle Fälle

Stefan Kämpfen 26. April 2026

Ob Drucker, Autobatterie-Ladegerät oder Raclette-«Öfeli»: Es gibt fast nichts, was die Reparateure der «Repair Bar» nicht flicken könnten. Die freiwilligen Tüftlerinnen und Tüftler vereinen dabei Kreativität, Know-how und ganz viel Herzblut.

Ob Drucker, Autobatterie-Ladegerät oder Raclette-«Öfeli»: Es gibt fast nichts, was die Reparateure der «Repair Bar» nicht flicken könnten. Die freiwilligen Tüftlerinnen und Tüftler vereinen dabei Kreativität, Know-how und ganz viel Herzblut.

Geht nicht? Gibts nicht! Wenn der bekannte Spruch aus der Werbung auf jemanden zutrifft, dann auf die Gruppe von Freiwilligen, die in der «Repair Bar» an der Luzernstrasse 12 in Neuenkirch defekte Gegenstände wieder zum Leben erwecken. Die zumeist Pensionierten, die es sich in ihrer Freizeit zur Aufgabe machen, Menschen mit ihren Reparaturkünsten glücklich zu machen, gehören dem Verein «Wärchstättli» an. Aus diesem Verein heraus ist die «Repair Bar» entstanden, die ihren Namen deshalb erhielt, weil früher ein Stockwerk unter der heutigen Werkstatt eine Bar betrieben wurde. «Sie hat denselben Zweck wie ein Repair-Café, mit dem Unterschied, dass man bei uns die zu flickende Ware auch unter der Woche vorbeibringen kann», erklärt der Initiator und Vereinspräsident René Zellweger. Von Dienstag bis Freitag, zwischen 14 und 17 Uhr, sei immer jemand hier, der die Gegenstände entgegennehme. Der sogenannte «Repair-Tag» für die breite Bevölkerung findet jeden ersten Dienstag im Monat, von 17 bis 20 Uhr, statt. Dann sind auch alle verfügbaren Reparateure vor Ort.

«Wir schauen alles an und irgendeiner kann es.»

René Zellweger, «Wärchstättli»-Präsident

Dabei ist das Projekt sehr gut angelaufen. Im ersten Jahr nach der Lokal-Eröffnung im Juni 2024 wurden rund 100 Objekte unter die Lupe genommen und 70 davon konnten geflickt werden. Mittlerweile sind es schon um die 400 Gegenstände, die von den Reparateurinnen und Reparateuren begutachtet wurden. Egal, ob eine Hose, Kinderspielzeug, Nähmaschinen, Roboterstaubsauger oder ganze Wohnmobile: Die Palette der Mitbringsel – sowohl von der Grösse als auch vom Schwierigkeitsgrad her – ist breit gefächert. «Das Ausgefallenste, das mir bisher begegnet ist, waren ein Golf-Buggy, ein altes Karussell, dessen Elektronik nicht mehr funktionierte, und ein Brunnen mit einer Marmorplatte, in die wir eine Kugel frisch einbetonieren mussten», erinnert sich René Zellweger zurück. Dank der Expertise der Reparateure vor Ort, die auf vielen verschiedenen Gebieten Kapazitäten seien, könne man auch solch aufwendige Arbeiten entgegennehmen. «Wir schauen alles an und irgendeiner kann es», schmunzelt Zellweger, auch angesichts der ansehnlichen Reparatur-Erfolgsquote von 70 bis 80 Prozent.

Keine Konkurrenz zum Handel

Dabei ist es Zellweger wichtig zu erwähnen, dass die Leute vor Ort keine Arbeiten annehmen, die nicht auch von einem Geschäft ausgeführt werden können. «Wir wollen den Handwerkern nicht die Arbeit wegnehmen. Wir kommen erst dann zum Zug, wenn diese nicht mehr weiterwissen oder den Auftrag nicht annehmen wollen.» Die Dienstleistungen der «Repair Bar» sind gratis, mit Ausnahme des Materials, für das der Kunde selbst aufkommen muss. Natürlich werde ein freiwilliger Beitrag gerne gesehen, erwähnt Zellweger.

Diverse Maschinen und Produkte

Dem Verein «Wärchstättli» gehören 70 Mitglieder an, welche die Arbeiten der Reparateurinnen und Reparateure mit ihrem Jahresbeitrag unterstützen. Sie selbst dürfen die Gerätschaften gratis bedienen und auch ihre hergestellten Fabrikate vor Ort verkaufen. Dies sind unter anderem Notlichter, Muskatmühlen, Schreibzeughalter und Wanduhren. Die kreativen Köpfe hinter diesen Produktschöpfungen können dabei auch auf maschinelle Hilfen zurückgreifen, wie etwa eine CNC-Fräse, eine Drehmaschine, eine Graviermaschine, eine Swing-Heisspresse und einen Schneideplotter mit Schleppmesser. Die Oberfläche eines magnetischen Jasskartenhalters wurde beispielsweise mit einem Lasercutter behandelt und ein Flaschenhalter mit einem 3D-Drucker gefertigt. «Das nächste, was wir uns anschaffen möchten, ist ein 3D-Scanner», sagt René Zellweger. «Damit könnten wir dann Ersatzteile für den 3D-Drucker scannen.» Dafür suchen sie einen Sponsor, denn ein qualitativ hochwertiges Gerät koste rund 1000 Franken.

Vielfältige Talente

Am Tag des Besuches arbeiten gerade acht Personen in der Werkstatt. Dabei wendet sich jeder Reparateur jenen Dingen zu, für die er auch das nötige Know-how besitzt. Franz Meyer widmet sich gerade einem Becher aus Holz für ein Drei-Minuten-Ei, Michael Hug flickt ein Raclette-«Öfeli», Erich Lerch kümmert sich um ein Autobatterie-Ladegerät und Geri Brunner repariert den Transportmechanismus eines Druckers. Es ist schön mitzuerleben, dass es heutzutage nicht nur Menschen gibt, die nicht gleich alles wegwerfen, sondern auch viele freiwillige Helferinnen und Helfer existieren, die sich um reparaturwürdige Gegenstände kümmern.

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