«Dieser Anschluss ist für Rain die wirtschaftlichste und vernünftigste Lösung. Mit der ARA in Emmen können wir unsere Gewässer viel besser schützen und reinigen als im Alleingang. Das ist aus meiner Sicht gelebter Umweltschutz», so lautete der Appell vom Rainer Gemeinderat Hubert Rigert, verantwortlich für den Aufgabenbereich Infrastruktur. «Wir sind überzeugt, dass so ein Generationenprojekt realisiert werden kann und unsere Siedlungsentwässerung damit langfristig sichergestellt wird.» In Zukunft soll das Abwasser von den vier Oberseetaler Gemeinden Rain, Ballwil, Inwil und Eschenbach in der grösseren und moderneren ARA Buholz des Gemeindeverbands Real in Emmen gereinigt werden, nicht mehr in Inwil – daher muss eine 4,1 Kilometer lange Anschlussleitung erstellt werden. Dort können die Abwässer auch von Mikroverunreinigungen wie etwa von Medikamenten und Stickstoffmengen gereinigt werden. «Die ARA Inwil kommt an ihre Lebensdauer- und Kapazitätsgrenzen und ist in marodem Zustand. Sie müsste bei einer Weiterbenutzung teuer aufgerüstet und saniert werden», ergänzte Gemeindepräsident Martin Merz. Sie ist bereits über 35 Jahre alt und entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen.
Mehrkosten bewirkten eine Verzögerung
Eigentlich hatten die Stimmberechtigten der vier beteiligten Gemeinden bereits vor fünf Jahren dem Projekt zugestimmt, das den Anschluss an die Emmer ARA, den Rückbau der ARA Inwil und einen Neubau des Pumpwerks Inwil beinhaltet, mit Investitionskosten von 10 Millionen. Es stellte sich bei der Umsetzung des Vorhabens aber heraus, dass die Kosten höher ausfielen als veranschlagt und den bewilligten Kredit überstiegen – daher musste der Baustart verschoben werden. Die Gründe dafür sind laut Hubert Rigert, dass aufgrund der geologischen Verhältnisse aufwendigere und spezialisiertere Bauverfahren erforderlich sind. Dazu kommen zusätzliche behördliche Auflagen sowie die Teuerung von 11 Prozent. «Man konnte zwar bei den Kosten Optimierungen vornehmen, doch muss man jetzt dennoch eine Finanzierungslücke schliessen.» Insgesamt sind für das Projekt Mehrkosten von 5,35 Millionen entstanden, die unter den vier Gemeinden aufgeteilt werden müssen. Die Gemeinde Rain muss davon 1,357 Millionen Franken übernehmen.
Erste Hürde geschafft
Über diesen Zusatzkredit mussten laut der Rainer Gemeindeordnung die Stimmberechtigten an einer Versammlung entscheiden. An diesem Abend hatten sich 40 Rainer Bürgerinnen und Bürger in der Mehrzweckhalle Feldmatt eingefunden. Sie bewilligten das Geschäft mit der überwältigenden Mehrheit von 39 Ja-Stimmen und nur einer Enthaltung. Damit ist die erste Hürde geschafft. Doch damit das Projekt realisiert werden kann, müssen die Stimmberechtigten von Eschenbach, Ballwil und Inwil am Sonntag an der Urne ebenfalls zustimmen. «Das Projekt kommt nur zustande, wenn alle vier Gemeinden Ja sagen», so Hubert Rigert. Ein Nein würde zu massiven Verzögerungen und höheren Kosten führen, gab er zu bedenken. Bei Zustimmung könne man mit den Arbeiten bereits im Oktober beginnen – im Herbst 2028 könne die Anschlussleitung dann voraussichtlich in Betrieb genommen werden.
Kritische Wasserversorgung
Ein weiteres Traktandum betraf die angespannte Trinkwasserversorgungslage und den stetig sinkenden Grundwasserspiegel in Rain und im Seetal. «Es gab leider seit einem Jahr durchgehend zu wenig Niederschlag. Wenn es so weitergeht, müssen wir im Frühling mit starken Einschränkungen rechnen», betonte Hubert Rigert eindringlich. Dies habe der Trinkwasserlieferant Wasserwerke Zug der Gemeinde mitgeteilt. Die Bevölkerung wurde bereits darum gebeten, haushälterisch mit dem «kostbaren Nass» umzugehen. Um die Wasserversorgung sicherzustellen, sei geplant, zusätzliche Anbindungen an Wassernetze in Emmen und Rothenburg in Betrieb zu nehmen; eine erste Umsetzung sei innerhalb von sechs Monaten möglich.
