Moderne Hilfsmittel, anderer Umgang, neue Methoden – wie so vieles hat sich auch der Schulunterricht in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Was über Generationen hinweg Usus war, wird zugunsten des individuellen Lernfortschritts weiterentwickelt und neu überdacht. Beispielsweise wurde das übliche Beurteilungssystem immer wieder infrage gestellt. So unter anderem auch in Neuenkirch, an dessen Sekundarschule bereits seit rund vier Jahren ein kompetenzorientiertes Beurteilungssystem angewandt wird, und wo nun auch die Primarstufe zumindest in zwei Fächern eine vergleichbare Art der Leistungsbeurteilung einführt. Per zweites Schulsemester wird im Sport und Bildnerischen Gestalten während des Schulalltags kompetenzorientiert und ohne Noten beurteilt. Am Ende des Jahres wird im Schlusszeugnis, wie vorgeschrieben, eine Note stehen.
Lernfortschritte sichtbar machen
Mit dem Lehrplan 21 habe sich der Fokus des Unterrichts nebst Wissen verstärkt auf Kompetenzen, also darauf, was Schülerinnen und Schüler tatsächlich anwenden und können, verschoben, so die Gemeindeschulen Neuenkirch. Nun sei es ein logischer nächster Schritt, auch die Beurteilung darauf auszurichten, hält Priska Schmid, Schulleiterin Zyklus 2 in Neuenkirch, fest: «Ziel ist eine transparentere, verständlichere und förderorientiertere Rückmeldung über den Lernstand der Kinder.» So können Lernfortschritte besser sichtbar gemacht werden, man könne sich besser aufs Lernen und die Entwicklung der Lernenden ausrichten. «Gerade in der Primarstufe ist das wichtig, weil hier grundlegende Kompetenzen aufgebaut werden.»
Wichtiger Zwischenschritt
Diese aktuelle Teileinführung des neuen Beurteilungsmodells ist ein Bestandteil eines fortlaufenden Entwicklungsprozesses. Man könne die Umstellung in einzelnen Fächern als wichtigen Schritt verstehen, der Erfahrungen ermöglicht, bevor allenfalls weitere Anpassungen folgen, so Priska Schmid. Sport und Bildnerisches Gestalten seien zwei Fächer, in denen Lernfortschritte, die individuelle Entwicklung und praktische Fähigkeiten stark im Vordergrund stünden und deshalb das Sichtbarmachen erlernter Kompetenzen gut möglich sei, erklärt die Neuenkircher Schulleiterin.
Dem Alter anpassen
Für die Primarstufe ist es ein Vorteil, dass sie auf den Erfahrungen aus der Umstellung in der Sekundarstufe aufbauen kann. Besonders hilfreich seien dabei Erkenntnisse zur Transparenz der Kriterien, zur Verständlichkeit für Lernende und Eltern sowie zur Dokumentation und der abschliessenden Bewertung im Zeugnis, sagt Priska Schmid. Da Schülerinnen und Schüler der Primarstufe allerdings nicht nach denselben Kriterien wie in der Sekundarstufe beurteilt werden können, braucht es im Modell einige Anpassungen. So zum Beispiel klarere, altersgerecht formulierte Rückmeldungen sowie eine stärkere Begleitung im Lernprozess.
Transparente Kommunikation
Die Rückmeldungen zum neuen Beurteilungssystem seien gemäss der Schule Neuenkirch bisher gemischt ausgefallen. Zum einen werde von vielen Eltern begrüsst, dass genauer sichtbar gemacht wird, was Kinder bereits können und wo sie sich verbessern können. Zum anderen gebe es Fragen oder Kritik bezüglich der Vergleichbarkeit oder zur Verständlichkeit des neuen Systems, so Priska Schmid: «Und deshalb ist es wichtig, die Umstellung transparent zu kommunizieren, Informationen bereitzustellen und den Dialog mit Eltern und Lernenden zu führen.»
Auch ein möglicher Mehraufwand für die Lehrpersonen durch die differenziertere Rückmeldungskultur, die umfassender vorbereitet werden muss, kann als Kritikpunkt angesehen werden. Ein zusätzlicher Aufwand sei zwar tatsächlich möglich, meint Priska Schmid, dieser beschränke sich allerdings auf die Anfangsphase des Umstellungsprozesses, bis man mit den neuen Kriterien und Abläufen vertraut sei: «Langfristig zeigt sich oft, dass sich der Aufwand relativiert. Wenn klare Beurteilungskriterien und Instrumente vorhanden sind, erleichtert das die Rückmeldung zum Lernstand.» Zudem passe die Beurteilung besser zum bereits kompetenzorientiert gestalteten Unterricht, so Schmid. Welche Erfahrungen aus dem Umstellungsprozess gemacht werden können und wie sich das Beurteilungsmodell an der Neuenkircher Primarstufe künftig weiterentwickelt, wird sich in den kommenden Semestern zeigen.
