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Hildisrieden

«Schule für alle betrifft auch alle»

Ramon Wolf 21. März 2026

Zum «Tag der Schulen für alle» wurde in Hildisrieden in die Zukunft der Schulen geblickt, über bevorstehende Herausforderungen in Sachen Ausbildung gesprochen und das Luzerner Bildungswesen diskutiert. Mit dabei war unter anderem auch der Luzerner Bildungsdirektor Armin Hartmann.

Zum «Tag der Schulen für alle» wurde in Hildisrieden in die Zukunft der Schulen geblickt, über bevorstehende Herausforderungen in Sachen Ausbildung gesprochen und das Luzerner Bildungswesen diskutiert. Mit dabei war unter anderem auch der Luzerner Bildungsdirektor Armin Hartmann.

Der «Tag der Schulen für alle» bot an vielen Schulen des Kantons nicht nur eine Chance, in den regulären Schulalltag zu blicken, sondern förderte auch allgemein den Austausch zum Thema Bildung und wie diese aussehen soll. Im Zuge dessen veranstalteten die Bildungskommissionen und Schulen Hildisrieden und Rain einen Themenabend unter der Leitfrage: «Was brauchen unsere Kinder fürs Leben?» Eine Frage, die viele Eltern regelmässig beschäftigt. Entsprechend viele Interessierte folgten am Donnerstagabend der Einladung ins Hildisrieder Zentrum Inpuls.

Hoher Besuch aus dem Kanton

«Veranstaltungen wie diese gibt es im Kanton anlässlich des heutigen Tages wohl einige, Bildungsdirektoren hat der Kanton aber nur einen einzigen – und der ist heute hier», betonte der Präsident der Hildisrieder Bildungskommission, Markus Thöni, feierlich in seiner Begrüssung. Besagter Bildungs- und Kulturdirektor Armin Hartmann startete darauf kurzerhand in sein Impulsreferat, dies mit einer historischen Anspielung. Schon in der Antike habe man sich über die Sprache, die Qualitäten und die Manieren der Jugendlichen echauffiert: «Die Skandalisierung jüngerer Generationen ist uralt.» Im Gegenteil dazu konnte er allerhand aufzeigen, das sich im sozialen Umfeld sowie der Bildung tatsächlich verändert hat. 

Anhand verschiedener Beispiele zeigte er die Herausforderungen auf, die aktuell den Bildungsbereich beschäftigen. So etwa fordert der Umgang mit Künstlicher Intelligenz im Schulalltag täglich aufs Neue und die Inklusion von Schülerinnen und Schülern mit Sonderschulstatus ist ressourcenaufwendig: «Gemäss aktuellen Studien laufen wir Gefahr, dass rund 25 Prozent der sozial schwächeren Lernenden den Anschluss verlieren. Das wollen wir unbedingt verhindern», so Hartmann. Dabei betonte er das Ziel auf Kantonsebene, dass 98 Prozent der 25-Jährigen einen «Sek II»-Abschluss, also einen Abschluss nach der obligatorischen Schulzeit, absolvieren sollen. Dies liegt drei Prozent über dem gesamtschweizerisch angestrebten Ziel. Aktuell liege man aber noch darunter – unter anderem aufgrund der Folgen von Corona, so Armin Hartmann. 

Aus den bestehenden Hürden erläuterte Bildungsdirektor Armin Hartmann die daraus folgenden Ziele und Massnahmen, wie die Förderung von Lehrpersonen und vor allem die Stärkung der Schulleitungen. Abschliessend unterstrich er die Bedeutung, die gesamte Schülerschaft einzubeziehen: «Schule für alle betrifft auch alle. Das heisst nicht nur Inklusion der Schwächeren, sondern auch Förderung der Stärkeren.» Und auch die Bevölkerung sei betroffen, so Hartmann, denn nur wenn die Gesellschaft die Schulen trage, könne Bildung funktionieren.

Vier essenzielle Kompetenzen

Erziehungswissenschaftlerin und Schulberaterin Barbara Zumstein konnte in ihrem Referat aus ihrem breiten Erfahrungsschatz schöpfen. Sie eröffnete mit einem Blick in die Zukunft: «Zwei Drittel der Kinder, die jetzt eingeschult werden, werden einmal Berufen nachgehen, die man heute gar noch nicht kennt.» Ebenfalls sah sie beispielsweise eine Zunahme des Fachkräftemangels voraus sowie, dass sich die Zahl der Paare ohne Kinder vervielfältigen wird. Daraus folgerte sie die Veränderung der künftig im Alltag gefragten Fähigkeiten. Als die vier Wichtigsten hob sie folgende hervor: Kritisches Denken, indem Informationen überprüft und diskutiert werden. Kommunikation, als bewusste zwischenmenschliche Verständigung. Kollaboration, im Sinne eines gemeinsamen Umsetzens. Und Kreativität, was heisst, «Leute zu befähigen, nach unterschiedlichen Lösungen zu suchen». Sie bezeichnete diese als die «Vier K». Weiter machte Barbara Zumstein darauf aufmerksam, dass überfachliche Kompetenzen einerseits nicht nur während der Schulzeit, sondern bis ins hohe Alter gelernt werden. Und andererseits nicht nur in der Schule, sondern auch zu Hause erworben werden – besonders Kommunikation: «Fragt eure Kinder nach ihrem Schultag, interessiert euch für sie!»

Diskussionspunkt Bildung

Als Highlight des Abends kamen verschiedene Parteien zu einer Podiumsdiskussion, geführt von Viviane Speranda, zusammen. Neben Armin Hartmann und Barbara Zumstein waren dies Sekundarschullehrerin Irène Häfliger, Kantonsschullehrer Jörg Baumann sowie Handwerker und Berufsbildner Lukas Estermann. Auf die Eröffnungsfrage, wann denn ein Kind glücklich sein könne, fand letzterer eine klare Antwort: «Wenn jemand seiner Leidenschaft nachgehen und seine Interessen ausleben kann – gerade im Beruf–, macht das richtig glücklich! Dann bringt er auch die PS auf den Boden.» Weiter stellte man sich der Frage nach der viel besprochenen Inklusion, wobei Irène Häfliger unter anderem bestätigte, dass man aufgrund der grossen Individualität ressourcentechnisch schlichtweg nicht allen Lernenden hundertprozentig gerecht werden könne. Sie betonte dabei aber, dass in den vergangenen Jahren wirklich viel diesbezüglich gemacht worden sei: «Chapeau!» Barbara Zumstein fügte hinzu, dass dabei auch die Rolle der Eltern nicht zu vernachlässigen sei, denn die Zusammenarbeit könne je nach Eltern nicht immer ganz einfach sein. Ferner kamen auch der Umgang mit dem Mobiltelefon und Social Media ins Gespräch. Jörg Baumann erklärte, dass bezüglich der Regelung dieser Themen jede Schule selbst verantwortlich sei. Trotz allem wäre er froh um stärkere Leitplanken seitens Kanton. Armin Hartmann ergänzte, dass man bei diesem «heissen Thema», bei dem auch rechtliche Hürden auftreten, vor allem den Grundsatz «Educate, not regulate» verfolgen solle. Abschliessend wurde man sich mehrheitlich einig, dass eine Umstellung auf ein kompetenzorientiertes Beurteilungssystem zwar funktionieren könne, die Schulnoten an sich jedoch vorläufig wohl kaum abgeschafft würden. Zu tief seien sie gesellschaftlich verankert.

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