Zeitgleich zum Regionalfinale im «Arc jurassien» (Jurabogen) in Delémont wetteiferten die an ihren Zentralschweizer Schulen als Bestdebattierende erkorenen Gymnasiasten in Beromünster. Aber der 24. Januar war nicht das einzige Datum solcher regionaler Ausmarchungen. Mit den weiteren in Fribourg, im «Arc lémanique» (Genferseebogen), in der Nord- und Ostschweiz, in Zürich, Basel und im Aargau wurden viele andere Gymnasien in den Debattierwettkampf 2026 eingebunden.
Aktuelle und spannende Themen
Sattelfeste Vorbereitung für beide Positionen, die zustimmende wie die ablehnende, war für die Teilnehmenden im Vorfeld unabdingbar. Denn welche Position sie einnehmen mussten, legten die Organisatoren den Jugendlichen erst kurz vor der jeweiligen Debatte offen.
Dass die sechs Themen, je drei für die Sekundarstufe I und II, aus dem Leben gegriffen waren, zeigte die Debatte um Tempo 30. Soll dieses Geschwindigkeitsregime innerorts flächendeckend, vom Bund gesteuert angeordnet werden? Oder sollen es die Gemeinden und Kantone in Eigenregie nur dort einführen, wo sie die Tempodrosselung als nutzbringend einstufen? Elia Huber musste bei der beispielhaft besuchten ersten Debatte gegen dessen umfassende Einführung argumentieren. Konfrontiert mit der Tatsache, dass grossflächig eingeführtes Tempo 30 640 Schwerverletzte und 20 Todesopfer vermeiden könnte, verwies er auf «vermehrte Staus» und den «Zeitverlust».
Aimée Stocker hätte ihn, in einem anderen Raum zum gleichen Thema argumentierend, unterstützen können. Ebenfalls der Gegenposition verhaftet verwies sie auf den Föderalismus, der den einzelnen Gemeinden zu Recht viel Spielraum gebe, denn: «Wir machen die Dinge nun mal nicht einheitlich in der Schweiz!»
Von Wohnungsnot bis zur integrativen Schule
Auch die weiteren fünf Themen boten viel Zündstoff, prallen doch hier auch in der Politik gegenteilige Meinungen hart aufeinander. Soll die integrative Schule durch separate Klassen für Kinder mit besonderem Förderbedarf ersetzt werden? Ist es richtig, die möglichst einheitliche Umsetzung der UN-Behindertenkonvention in allen Kantonen zu überprüfen? Ebenso um Einheitlichkeit ging es bei der «Demokratie-Initiative», die Einbürgerungsverfahren von unterschiedlichsten Herangehensweisen befreien will. Zudem spannend: Könnten wir mit vereinfachten Bauverfahren die grassierende Wohnungsnot stoppen? Oder sollte die Einfahrt mit dem Auto in Innenstädte nur noch mit Vignetten möglich sein?
Schon die alten Athener haben es vorgemacht: Demokratie kann mit abgewürgten Diskussionen nicht bestehen. Dass Jugendliche mit so viel Elan und Fairness argumentativ die Klingen gekreuzt haben, war ein echtes Highlight. Und dass die vier Debattierenden aus Sursee den Sprung in die Endstufe, das nationale Finale, nicht schafften, beeinträchtigte ihre gute Stimmung überhaupt nicht. Sehr angetan zeigte sich im Nachgang Deutschlehrer Mathias Arnet: «Das Niveau der Debatten war unglaublich hoch; es zeigt sich, dass das Debattieren gerade in diesen schwierigen Zeiten eine absolut wichtige Kompetenz ist.»

