Wenn es draussen bitterkalt ist und da und dort noch vereinzelte Schneewehen liegen, ist wohl die passende Gelegenheit, Zeit für sich zu nehmen, sich aufzuwärmen und zur Ruhe zu kommen. Und wo, wenn nicht an einem Winterkonzert. Das sah auch der Cantus Sempachersee so: «Das Jahr ist noch jung, die Nacht noch lang – ein guter Moment, um auf Vergangenes zurückzublicken, Gegenwärtiges geschehen zu lassen und Zukünftigem hoffnungsvoll entgegenzustreben», wie der musikalische Leiter Jakob Steiner im Begleitschreiben zum Winterkonzert schrieb. So folgten an vergangenen Freitagabend, 16. Januar, zahlreiche der Einladung des Cantus Sempachersee in die Neuenkircher Pfarrkirche St. Ulrich, um zu lauschen, sich zu besinnen und zu geniessen.
Musik und Gedanken
«Erhöre uns im Himmel, liebender Vater.» Mit dem isländischen Choral «Heyr þú oss himnum» starteten die insgesamt 29 Sängerinnen und Sänger des Cantus’ Sempachersee sogleich klanggewaltig in den Konzertabend. Das Werk von Anna Thorvaldsdottir überzeugte mit einer ruhigen Grundstimmung, aber eindrücklichen Harmonien.
Bevor es mit einem Auszug aus «7 Chansons» weiterging, regte der Leiter des Pastoralraums Oberer Sempachersee Franz Zemp mit interessanten Gedanken und einem Text zur Rose im Winter zum Nachdenken an: «Wie ist es, wenn ich nicht mehr da bin?» Im Verlauf des Abends gab er so immer wieder spannende Gedankenanregungen, die vereint mit den Gesängen des Chors ein nachhaltig eindrucksvolles Gesamtbild ergaben – von der Idylle und den Tücken einer verschneiten Welt, von der Geduld, im rechten Moment warten zu können und dem Mut, anzufangen.
Nebst dem Gesang des Cantus’ Sempachersee gab es auch ein instrumentales Stück zu erleben. Denn André Ducommun zeichnete mit seinem virtuosen Pianospiel aus «Winter sketches» Bilder von verzauberten Schneelandschaften und leichten Schlittenritten.
Die Facetten des Winters
Passend zum winterlichen Kleid des Konzerts führte der Cantus Sempachersee so durch ein vielfältiges Programm. Dabei besangen sie die Suche nach den «Chemins de l’amour», die Hintergründe eines «Snow man» im Winter, den Lobgesang des Simeon in «Nunc dimittis» und die Bedeutung von Träumen, die «Only in sleep» die Zeit vergessen lassen.
Besonders interessant waren zudem die «Mid-winter songs» aus der Feder von Morten Lauridsen, die in sechsteiliger Form die Facetten der kalten Jahreszeit abbildeten.
Nebst der Leistung des Chors an sich, sind auch die Soli von Sopranistin Corinne Achermann und Bass-Stimme Kai Florian Bischoff hervorzuheben.
So entliess der Cantus Sempachersee das Publikum nach einem erfolgreichen und vielseitigen Winterkonzert wieder hinaus in die kalte Winterwelt – mit Chor-Melodien im Kopf und nachhaltigen Gedanken im Sinn.



